# taz.de -- Nach Scheinwahlen: China rollt für Myanmars Machthaber den roten Teppich aus
> Chinas Staatschef Xi Jinping hofiert Myanmars General Min Aung Hlaing. Er
> will damit vor allem seine strategischen Interessen im südwestlichen
> Nachbarland absichern.
IMG Bild: Xi Jinping (l.) und Min Aung Hlaing in der Großen Halle des Volkes in Peking am 16. Juni
Das Kalkül von Myanmars Putschführer Min Aung Hlaing könnte aufgehen. Nach
den von der Junta des Bürgerkriegslandes durchgeführten [1][Scheinwahlen
zum Jahreswechsel] ließ sich der General im April zum Staatspräsidenten
küren. Mit dieser vermeintlichen Legitimation absolviert er nun
Staatsbesuche, um die Isolation seines international sanktionierten Regimes
zu verringern.
Im Mai war der 69-Jährige zunächst fünf Tage beim Nachbarn Indien, wo er
von Ministerpräsident Narandra Modi empfangen wurde. Seit Montagabend ist
[2][Min Aung Hlaing] in Peking. Am Dienstag schritt er mit Staats- und
Parteichef Xi Jinping zum offiziellen Beginn des fünftägigen Staatsbesuchs
den roten Teppich vor der Großen Halle des Volkes ab.
Xi sagte laut Staatsmedien, Peking „unterstütze die neue Regierung, eine
Balance zwischen Entwicklung und Sicherheit zu finden“. China helfe,
Myanmars Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen. Xi
versprach, „alle Parteien in Myanmar dabei zu unterstützen, Fortschritte im
Hinblick auf Frieden und Versöhnung durch Dialog“ zu erreichen.
## Chinas Interesse an Myanmar als Handelspartner
China ist Myanmars wichtigster Handelspartner und Investor, liefert dem
Militär Waffen und beeinflusst an der südlichen Grenze der chinesischen
Provinz Yunnan Rebellengruppen myanmarischer Minderheiten. So ließ die
Rebellenarmee MNDAA dort am Montag sicher nicht zufällig 200 gefangene
Regierungssoldaten frei.
China hat großes Interesse an politischer Stabilität in Myanmar, an dessen
natürlichen Ressourcen sowie am Wirtschafts- und Pipelinekorridor von
Kunming in Yunnan zum von China finanzierten Tiefseehafen Kyaukphyu am Golf
von Bengalen in Myanmar. Das ist Chinas strategischer Zugang zum Indischen
Ozean – in den Hinterhof des Rivalen Indiens.
Peking drängt die Junta, gegen grenzüberschreitenden Cyberbetrug vorzugehen
sowie den Bau des Myitsone-Damms in Myanmars nördlichem Kachin-Staat wieder
aufzunehmen. Der soll Elektrizität für China produzieren, sein Bau wurde
aber nach Protesten von der früheren Junta 2011 gestoppt.
Myanmars Junta hat neben der Rückendeckung durch Peking großes Interesse am
Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen. Doch will die Junta eine zu große
Abhängigkeit vermeiden und Indien und China ausbalancieren, wenn nicht
gegeneinander ausspielen.
## Sorge vor Abhängigkeit von China
Dabei ist China einflussreicher als Indien. Doch war die Suspendierung des
Staudammbaus nicht nur Folge der Proteste, sondern auch der Sorge vor zu
großer Abhängigkeit von China. Heute ist aber das Militär, das nur etwa 60
Prozent Myanmars wirklich kontrolliert, in einer schwächeren Position als
früher und damit abhängiger von Peking.
Doch scheint Peking davon auszugehen, dass die Generäle eher in der Lage
sind, das Land halbwegs stabil zu halten und damit Chinas Interessen zu
dienen, als die divergierende Opposition aus zahlreichen bewaffneten
Gruppen. Peking hat [3][den Putsch von 2021] nie verurteilt, sondern nur
„Regierungswechsel“ genannt, auch wenn er nicht Chinas Interesse entsprach.
Peking hatte gute Beziehungen zur gestürzten Regierung der
Friedensnobelpreisträgerin [4][Aung San Suu Kyi].
## China will Oberhoheit über Myanmar
„Chinas Interessen sind nicht Föderalismus, sondern Seltene Erden,
Infrastruktur, Bergbau und die Sicherung des Wirtschaftskorridors zu
Indischen Ozean“, sagte der Myanmar-Experte David Mathieson gegenüber
Reuters. „China sieht einen Rückzug des Westens aus Myanmar“, weshalb es
die Oberhoheit über das Land anstrebe.
Dabei lässt sich Peking ungern in die Karten schauen. Am Freitag gab China
die Festnahme des Analysten Min Zin in Kunming bekannt. Der Burmese mit
US-Pass ist Gründer des Instituts für Strategie und Politik-Myanmar (ISP-M)
und forscht wie kein Zweiter zum Verhältnis zwischen China und Myanmar.
Peking wirft ihm Spionage und die Gefährdung von Chinas nationaler
Sicherheit vor.
16 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Myanmars-Junta-will-gewaehlt-werden/!6139326
DIR [2] /Parlament-waehlt-Min-Aung-Hlaing/!6168400
DIR [3] /Vier-Jahre-nach-dem-Putsch-in-Myanmar/!6062355
DIR [4] /Massenamnestie-der-Militaerregierung/!6171818
## AUTOREN
DIR Sven Hansen
## TAGS
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR China
DIR Min Aung Hlaing
DIR Xi Jinping
DIR China
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Schwerpunkt Myanmar
DIR Militärputsch
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Flugzeug crasht in Hochhaus in Peking: Behörden bestätigen Flugzeugabsturz
In Peking kracht ein Flieger in ein Hochhaus. Fast einen Tag lang schweigen
die Behörden und Staatsmedien. Nun gibt es erste offizielle Angaben.
DIR Myanmars Grenze zu China: Dutzende Tote bei Explosion in Rebellengebiet
An Myanmars Grenze zu China explodiert ein Depot mit Sprengstoff, der für
den Bergbau bestimmt gewesen sein soll. Rebellen gehen von Unfall aus.
DIR Parlament wählt Min Aung Hlaing: Ex-Junta-Chef wird Präsident von Myanmar
Nach über fünf Jahren Militärdiktatur hat das Parlament in Myanmar den
ehemaligen Putschführer Min Aung Hlaing zum Präsidenten gewählt. Der
Bürgerkrieg hält an.
DIR Militärdiktatur in Myanmar: Auf dem Weg zum Failed State
Fünf Jahre nach dem Putsch gibt es im Krieg zwischen Militärjunta und
bewaffnetem Widerstand ein Patt. Die Militärpartei gewinnt die
Scheinwahlen.