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       # taz.de -- Sommer in Berlin: Berlin macht mich zum Sonnenjunkie
       
       > Seit ich nach Berlin gezogen bin, jage ich der Sonne nach. Ich arbeite
       > dort, wo ich die meisten Strahlen abkriege – und ignoriere tapfer
       > Putzreflexe.
       
       Um Punkt 8.11 Uhr erscheint der erste Lichtfleck oben rechts in meinem
       Schlafzimmer. Es ist ein Dreieck, so klein wie einer meiner Ohrringe. Um 9
       Uhr, wenn ich schon längst aufgestanden sein müsste, aber seinetwegen
       lesend liegen bleibe, bedeckt der Fleck die halbe Wand. In ihm lässt sich
       als Schatten das Fenster erkennen, durch das die Sonne bis in den
       Hochsommer hinein in meine Wohnung kommt. Während dieser Zeit passe ich
       meine Arbeitsroutinen – und mein Leben an sie an.
       
       In der Küche fällt das Licht auf das Geschirr und das Gewürzregal. Dieser
       Sonnenfleck erinnert mich daran, dass ich wieder putzen muss. Mir wäre es
       lieber, dass er die blauen Blumen in der Vase oder die Bücher im Regal
       beleuchtet.
       
       Dagegen bin ich mit den drei Stunden Sonne auf dem Balkon zufrieden. Ich
       richte dort mein Büro ein und arbeite, ohne das Gefühl zu haben, das gute
       Wetter zu verpassen. Mit Sonnenschutz und Sonnenbrille schreibe ich dort
       fast ohne Pause.
       
       Wenn die Sonne vom Balkon verschwindet, muss ich aber das Haus verlassen,
       um ihre Wärme wieder zu suchen. Das bedeutet, den Workflow zu unterbrechen
       und einen neuen Arbeitsplatz zu finden; er muss ruhig, nahe gelegen,
       möglichst mit Kaffee und, klar, sonnig sein.
       
       Ich bin nämlich in Berlin zum Sonnenjunkie geworden. Als ich noch in meiner
       Heimatstadt Buenos Aires lebte, hatte ich keinen Grund, das Sonnenlicht zu
       vermissen. Doch bereits nach meinen ersten deutschen Wintern merkte ich,
       wie schwer es mir hier fällt, es nicht jede einzelne Sekunde genießen zu
       können.
       
       Während der Coronapandemie versuchte ich, mit einem selbst gebastelten
       Spiegelsystem mehr Sonne in die Wohnung zu lenken – vergeblich. Inzwischen
       übernimmt das neue Haus gegenüber die Aufgabe. Seine Fenster reflektieren
       das Licht in meiner Wohnküche. Gegen 17 Uhr muss ich deshalb zurück sein.
       Ich öffne meinen Laptop und beginne dann wieder zu schreiben.
       
       17 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Luciana Ferrando
       
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