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       # taz.de -- 50 Jahre Ingeborg-Bachmann-Preis: Die Bachmanntorte
       
       > In Ingeborg Bachmanns Namen findet seit jetzt 50 Jahren der
       > Betriebsausflug der Literaturszene nach Klagenfurt statt.
       > Traditionslinien laufen zurück zur Gruppe 47.
       
   IMG Bild: Die Bachmann-Torte in Klagenfurt 2011
       
       Es war einer dieser entrückt schönen Kärtner Frühsommerabende,
       Bürgermeisterempfang auf einem Anwesen mit weitem Blick über den
       Wörthersee, [1][der Literaturbetrieb bekam einen Hugo in die Hand
       gedrückt,] als die Bachmanntorte serviert wurde, eine große rechteckige
       Cremetorte mit ihrem Porträt drauf, in Marzipan. Beim Anschneiden fiel
       einem mal wieder auf, wie seltsam es doch eigentlich ist, dass dieses
       Festival, der Vorlesewettbewerb der deutschsprachigen Autor*innen, der
       Betriebsausflug der Literaturszene, ausgerechnet ihren Namen trägt.
       
       Vor 50 Jahren, 1976, drei Jahre nach dem Tod der Schriftstellerin, wurde
       der Ingeborg-Bachmann-Preis gestiftet – der existenzielle Ernst und das
       Pathos des Um-das-eigene-Leben-Schreibens, das man beides mit ihrem Werk
       verband, spielte hinein. Traditionslinien laufen auch zurück zu den
       Lesungen der [2][Gruppe 47], bei deren Treffen Autorinnen und Autoren aus
       unveröffentlichten Werken lasen und Stegreifkritiken der anwesenden
       Literaturkritiker über sich ergehen lassen mussten. Karrieren wurden so
       geschmiedet, etwa die von Ingeborg Bachmann, oder auch behindert, [3][etwa
       die von Paul Celan]. Das Verfahren wurde nach Klagenfurt übertragen, wobei
       die Namensgeberin, von Ausnahmen abgesehen, weder bei den Lesungen noch den
       Diskussionen der Jury eine größere Rolle spielte. Immerhin, als eine
       Erinnerung und Mahnung daran, wie ernst Literatur genommen werden kann,
       wacht ihr Name über der Veranstaltung.
       
       In den vergangenen 50 Jahren hat der Wettbewerb Anfeindungen und Häme, ein
       paar Skandale, [4][einen Stirnschnitt], die Pandemie und so manche
       Hinterfragung durch die örtliche FPÖ-Kulturpolitik ziemlich gut
       überstanden. In seinen schlechteren Momenten ist Klagenfurt eine auf Effekt
       getrimmte Lesungs-Performance samt folgendem Juroren-Hahnenkampf – in
       seinen tollen Momenten aber eine Entdeckungsbeglückung und ein Drama, bei
       dem man, wenn man live dabei ist, die Sprache fliegen sehen und das
       Adrenalin riechen kann. Am 25. Juni startet der Wettbewerb dieses Jahr.
       
       Wahrscheinlich ohne Bachmanntorte. Sie wurde 2011 serviert. Um das Gesicht
       der Autorin wurde erst schamvoll herumgeschnitten. Doch irgendwann wurde
       auch das aufgegessen.
       
       24 Jun 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Dirk Knipphals
       
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