# taz.de -- Die Wahrheit: Stramm rechts vor Gericht
> Rechte Pöbler und verfassungsfeindliche Trödler gelten sogar
> hartgesottenen Amtsgerichten als unangenehme Kunden.
Gute Nachricht: Die Brandmauer steht. Wenigstens gilt das für unser
Amtsgericht. Auf der Anklagebank saß dort ein rechtsdrehendes Ehepaar.
Angezeigt worden war es von einem Mitglied der SPD – die Partei ist
vielleicht doch noch nicht völlig tot.
Der im Ort semiprominente Genosse hatte das Paar vor einem Supermarkt
gesehen und gehört. Die beiden waren damit beschäftigt, eine Gruppe
Grundschulkinder mit Migrationshintergrund zu beleidigen. Nebenbei
demonstrierten die Eheleute dem unwillkommenen Fremdnachwuchs, wie ein
ordentlicher Hitlergruß geht. Sicher, es gibt für die politische Bildung
von Sechsjährigen sinnvollere Ansätze. Trotzdem: Im Verhandlungssaal wies
das Ehepaar jede Schuld von sich. Der Mann argumentierte, er selbst sei
nichtdeutscher Herkunft – was bitte sollte er gegen Ausländer haben können?
Egal – eine Beweiserhebung zu möglichem Vorhandensein von Selbsthass wäre
ein bisschen übertrieben. Seine Frau gab immerhin zu, sie habe „eine
abweisende Geste“ gemacht. Die sei dann wohl vom SPD-Mann böswillig als
Hitlergruß fehlinterpretiert worden. Die Linken halt! Ein Alkoholtest ließ
für Fehl- oder überhaupt Interpretationen kaum Spielraum: Beide Krachmacher
standen beim Kinderbepöbeln und Armhochreißen unter Strom. Sie hatten
vorher Geburtstag gefeiert – den des Mannes, nicht den vom Führer. Ende der
Geschichte: Es setzte Geldstrafen.
## Voll dumm
Mehr Einsicht als das mittelmäßig trinkfeste, stramm hitlergrüßende Ehepaar
bewies in seinem Verfahren ein anderer Freund des „Verwendens von
Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, wie’s bei den Juristen
heißt. Die Polizei war nachts zum Ermitteln wegen Brandstiftung ausgerückt.
Kann sein, dass die brenzlige Szenerie bei dem Mann wohlige
Pogromnachtfantasien wachgerufen hat. Jedenfalls brüllte er „Sieg Heil“ und
starrte dabei einen Nachbarn arabischer Herkunft nieder, der sich zufällig
in der Nähe aufhielt. „Voll dumm von mir“ sei das gewesen, gestand der Mann
dem Richter. Der sah das auch so. Urteil auch hier: Geldstrafe.
Natürlich braucht sich kein Nazisympathisant auf die Straße zu stellen und
rumzukrakeelen, um das Interesse der Staatsanwaltschaft zu wecken. Ein gut
sortierter Verkaufstisch auf einem Trödelmarkt tut es auch. Dort bot ein
Mann Dolche, Blechschilder, einen Helm und anderen Kram mit Hakenkreuzen
und SS-Runen an. Eine Pistole und drei Gewehre – historische Stücke – lagen
ebenfalls da.
Bevor ein putschfreudiger Reichsbürger zugreifen konnte, tat es das
städtische Ordnungsamt: Umsturzgefahr gebannt. Der Amtsrichter verfügte
eine Bewährungsstrafe. Und wichtiger noch: Die beschlagnahmten Waffen
sollen vernichtet werden. Das ist beruhigend. Wer weiß schon, was ein
künftiger deutscher Justizminister sonst damit anstellt.
18 Jun 2026
## AUTOREN
DIR Andreas Milk
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