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       # taz.de -- Zahlen der Meldestelle Rias: Antisemitismus in Deutschland weiter auf Höchstniveau
       
       > Erneut verzeichnet die Meldestelle Rias einen Negativrekord. Viele Fälle
       > ereignen sich im Zusammenhang mit Israel. Der Judenhass von rechts
       > wächst.
       
   IMG Bild: Davidstern am Eingang des Jüdischen Friedhofs in Schwerin
       
       Antisemitische Vorfälle sind in Deutschland auf einem ungebrochen hohen
       Niveau. Zu diesem Schluss kommt [1][ein heute veröffentlichter Bericht] der
       Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias). Für das Jahr 2025
       registrierte Rias bundesweit insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle. Damit
       ist die Zahl minimal höher als [2][im vergangenen Jahr].
       
       Im längerfristigen Verlauf kann der Oktober 2023 laut der Recherchestelle
       nach wie vor als Wendepunkt betrachtet werden: „Somit setzte sich eine
       Entwicklung fort, die mit den Massakern der Hamas und anderer Terrorgruppen
       in Israel am 7. Oktober 2023 begann: Danach stieg die Zahl der von
       Rias-Meldestellen dokumentierten antisemitischen Vorfälle in Deutschland
       auf ein sehr viel höheres Niveau als in den Jahren zuvor.“ Im Vergleich zu
       2022 hat sich die Zahl der Fälle laut Rias „mehr als verdreifacht“.
       
       Im Bericht finden sich zahlreiche Schilderungen antisemitischer
       Vorkommnisse, von Beschimpfungen und Vandalismus bis hin zu Drohungen und
       Angriffen. Unter anderem werden mehrere Fälle geschildert, in denen
       Betroffene, die aufgrund von bestimmter Kleidung oder Schmuck als Jüdinnen
       und Juden erkennbar waren, in der Öffentlichkeit attackiert wurden. Dabei
       spielte es zuweilen keine Rolle, ob die Betroffenen nur als jüdisch
       wahrgenommen werden oder es tatsächlich sind. So dokumentiert der Bericht
       auch einen Fall, bei dem ein nichtjüdischer Tourist eine Messerattacke am
       Berliner Denkmal für die ermordeten Juden in Europa [3][nur knapp
       überlebte].
       
       Antisemitismus habe für die Betroffenen in Deutschland dadurch einen
       „alltagsprägenden Charakter“, so eine der Schlussfolgerungen aus dem
       Bericht. „Jüdinnen, Juden und politische Gegner sollen eingeschüchtert und
       Gewalt legitimiert werden. Das bedroht unsere demokratische Kultur als
       Ganzes“, schreibt dazu Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des
       Bundesverbands.
       
       ## Kritik an verwendeter Antisemitismusdefinition
       
       Eine Mehrheit der gezählten Vorfälle, 68 Prozent, ordnet Rias in die
       Kategorie „israelbezogener Antisemitismus“ ein. Darunter versteht der
       Verband etwa die Relativierung der Shoah im Zusammenhang mit Israel oder
       das Haftbarmachen von Jüdinnen und Juden für die israelische Politik. Als
       eines von vielen Beispielen für israelbezogenen Antisemitismus findet sich
       im Bericht ein Foto von drei Stolpersteinen in Augsburg, auf die „Wer
       erinnert an die vielen Palästinenser, die jeden Tag von Israelis getötet
       werden?“ geschrieben wurde.
       
       In einem anderen Fall wurde ein Rabbiner in Hessen im Supermarkt
       angegriffen, nachdem ihm „Free Palestine!“ zugerufen wurde. Das „Feindbild
       Zionismus“ diene dabei als „Umwegkommunikation“, so der Rias-Bericht, um
       antisemitische Angriffe zu legitimieren. Das konkrete Kriegsgeschehen im
       Nahen Osten habe hingegen kaum Einfluss auf die Häufigkeit und Intensität
       der Vorfälle.
       
       Für seinen Antisemitismusbegriff wurde der Bundesverband von
       unterschiedlicher Seite her kritisiert. Rias verwendet die
       [4][„Arbeitsdefinition Antisemitismus“ der International Holocaust
       Remembrance Alliance (IHRA)]. Im Gegensatz zur andernorts verwendeten
       [5][Jerusalemer Erklärung (JDA)], die als Gegenentwurf zur IHRA-Definition
       konzipiert wurde, zieht die IHRA-Definition engere Grenzen beim Verhältnis
       von Kritik an der israelischen Regierung zu Antisemitismus. Dabei
       registriert die Organisation auch nicht strafbare Vorkommnisse. Vorwürfe,
       nach denen die Meldestelle damit ein zu großes oder zu kleines Bild vom
       Antisemitismus in Deutschland zeichne, wies Rias-Sprecher Daniel Poensgen
       vergangenes Jahr [6][gegenüber der taz als „bizarr“ zurück].
       
       Darüber hinaus kommt der Report zu der Einschätzung, dass der Judenhass im
       rechtsextremen Milieu wächst. Für 2025 zählt der Verein in diesem Bereich
       807 antisemitische Vorfälle und damit zum zweiten Jahr in Folge eine
       Steigerung. „Zugleich wurde im vergangenen Jahr die höchste Anzahl
       rechtsextremer Vorfälle seit Beginn der bundesweiten Erhebung 2020
       dokumentiert.“
       
       Weitere Vorfälle ordnet Rias den Spektren „verschwörungsideologisch“,
       „links-antiimperialistisch“, „islamisch/islamistisch“, „christlich“
       beziehungsweise „christlich-fundamentalitisch“ sowie der „politischen
       Mitte“ und dem „antiisraelischen Aktivismus“ zu. Ein großer Teil der Fälle
       – 57 Prozent – ließe sich laut Rias aber in keine der Kategorien einordnen:
       „Diese hohe Zahl erklärt sich dadurch, dass bei zahlreichen Vorfällen die
       Verantwortlichen unbekannt sind. Das ist vor allem bei Sachbeschädigungen,
       Diebstählen oder Schmierereien häufig der Fall, aber auch bei
       Online-Vorfällen“, heißt es in dem Bericht. Knapp ein Viertel der
       registrierten Vorfälle ereigneten sich im digitalen Raum.
       
       Der Bundesverband Rias ging aus der Rias Berlin hervor, die 2015 vom
       Berliner Senat gegründet wurde. Seit 2019 dokumentiert die Recherche- und
       Meldestelle antisemitische Vorfälle in Deutschland. Finanziert wird der
       Verband aus öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Mitteln.
       
       17 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://report-antisemitism.de/annuals/
   DIR [2] /Rias-Bericht-zu-Antisemitismus/!6092257
   DIR [3] /Antisemitischer-Messerangriff-in-Berlin/!6160074
   DIR [4] /Antisemitismusdefinition-der-IHRA/!5982067
   DIR [5] /Antisemitismus-Definition/!6088799
   DIR [6] /Antisemitismus-NGO-Rias-ueber-Vorwuerfe/!6088525
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Konstantin Nowotny
       
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