# taz.de -- Klimafreundliches Heizen: Basis für Fernwärme ist oft schon da
> Die Voraussetzungen für einen Fernwärme-Anschluss sind meist gut – und
> sie werden bis 2045 noch besser. Das zeigt eine neue Studie.
IMG Bild: Noch ist Fernwärme vorwiegend fossil. Das muss sie aber nicht bleiben
Fast jede zweite Wohnung in Deutschland könnte bis 2045 einen Anschluss für
Fernwärme erhalten. Das ist die Botschaft des am Mittwoch vorgestellten
[1][„Fernwärmeatlas“ des Beratungsunternehmens Prognos]. Für ihn wurden
erstmals Daten für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland
ausgewertet.
Danach sind in beinahe der Hälfte der Kommunen die Voraussetzungen für den
Ausbau der Fernwärme und die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung gut oder
sehr gut. Prognos hat den Wärmeatlas gemeinsam mit dem Handelsblatt und dem
Newsletterdienst „Background“ des Tagesspiegels veröffentlicht.
Bei Fernwärme wird in Kraftwerken, durch Abwärme etwa von Industrieanlagen
oder mithilfe erneuerbarer Quellen Wasser erhitzt oder Wasserdampf erzeugt
und über Rohre in Gebäude geleitet. Hausbesitzer:innen benötigen also
keine eigene Heizung, müssen aber in der Regel hohe Anschlussgebühren
zahlen. Die Anbieter haben zurzeit noch ein Monopol, sodass Kund:innen
ihnen bei hohen Preisen ausgeliefert sind. Verbraucherschützer:innen
und die [2][Monopolkommission der Bundesregierung drängen deshalb auf eine
kundenfreundlichere Marktgestaltung.]
Ein großer Vorteil der Fernwärme: Durch die zentrale Erzeugung ist die
Umstellung auf klimafreundliche Wärme einfacher als der Austausch vieler
einzelner Heizungen etwa gegen Wärmepumpen. Deutschland will bis 2045
klimaneutral sein. Bis dahin müssen die Heizungen klimafreundlich Wärme
erzeugen.
## Fernwärme aus erneuerbaren Quellen
„Das Potenzial für Fernwärme in Deutschland ist groß“, sagt Studienleiterin
Noha Saad. Allerdings seien die Voraussetzungen nicht überall gleich gut.
Würden alle für die Fernwärme geeigneten Gebiete erschlossen, könnten 48
Prozent der Gebäude damit versorgt werden. Das entspräche einer Steigerung
von jetzt 6,4 Millionen angeschlossenen Wohnungen auf 20 Millionen. In
Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind die
Voraussetzungen für den Ausbau besonders gut.
In 55 kreisfreien Städte könnte der Anteil der Fernwärme auf mehr als 75
Prozent steigen, wenn die Potenziale vollständig erschlossen würden. Als
positive Beispiele nennen die Studienautor:innen Flensburg, Kiel,
Wolfsburg, Mannheim und Rostock. Dort hat die Fernwärme bereits heute einen
Anteil von mehr als 50 Prozent.
In 7 Prozent der Kreise, vor allem in kleineren Kommunen, ist der Ausbau
der Fernwärme jedoch schwierig. „Diese Kreise und Gemeinden stehen vor der
Grundsatzentscheidung, ob sie in die Fernwärme einsteigen wollen“, sagt
Nils Thamling, Leiter Wärme-Team von Prognos.
Der Studie zufolge kann vielerorts [3][Fernwärme] zu großen Teilen aus
lokal vorhandenen erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Dazu gehören
Geothermie, Gewässerwärme, industrielle Abwärme, Kläranlagen oder
Solarthermie. In zehn Bundesländern könnte mehr als 50 Prozent der
Fernwärme daher stammen, in Hamburg und Bremen sogar 100 Prozent.
Industrielle und gewerbliche Abwärme nutzen könnten zum Beispiel Duisburg,
Gelsenkirchen, Karlsruhe oder Ludwigshafen.
17 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.prognos.com/de/prognos-fernwaermeatlas
DIR [2] /Vorschlaege-der-Monopolkommission/!6126841
DIR [3] /Fernwaerme/!t5012240
## AUTOREN
DIR Anja Krüger
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