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       # taz.de -- Innenministerkonferenz: „Bitte inhaftieren Sie keine Kinder“
       
       > Jugendliche ohne Grenzen protestieren gegen die Innenministerkonferenz in
       > Hamburg. Sie fordern, Rücksicht auf Kinder im Asylsystem zu nehmen.
       
   IMG Bild: Schon 2024 haben Jugendliche ohne Grenzen anlässlich der IMK in Potsdam gegen Abschiebung protestiert
       
       Die Tagesordnung der Innenministerkonferenz, die Mittwoch in Hamburg
       begonnen hat, liest sich in Teilen wie eine Themensammlung des Grauens.
       „Bekanntgabe von Rückführungsterminen strafrechtlich verfolgen“,
       „Ausweisung von Straftätern mit Schutzstatus praxisgerecht regeln“,
       „Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur Bekämpfung linksextremistischer
       Strukturen“. Allein zwanzig Tagesordnungspunkte drehen sich um weitere
       Verschärfungen bei der Migration.
       
       Aus Sicht der Innenminister*innen dürfte Hamburg ein guter Standort
       für die Konferenz sein: In mehreren Aspekten hat sich das rot-grün regierte
       Bundesland in den vergangenen Jahren als Streber in Sachen
       Asylrechtsverschärfung hervorgetan. So war Hamburg etwa [1][Vorreiter bei
       der Einführung der Bezahlkarte] für Geflüchtete und hat bereits ein
       Dublin-Zentrum für schnellere Abschiebungen.
       
       Überall dort, wo sich die Innenminister*innen der Länder zu ihrer
       jährlichen Konferenz treffen, sind auch Jugendliche ohne Grenzen vor Ort,
       um dagegen zu protestieren. „Wir können nicht hinnehmen, dass hinter
       verschlossenen Türen über unsere Zukunft verhandelt wird, während unsere
       Forderungen nicht gehört werden“, sagt Housseini Souleimana von Jugendliche
       ohne Grenzen. Zusammen mit dem Bundesfachverband für Minderjährigkeit und
       Flucht haben die Jugendlichen zu einer Pressekonferenz ins
       St.-Pauli-Stadion eingeladen.
       
       „Inhaftieren Sie keine Kinder“, fordert Jasmin Asaad vom Bundesfachverband.
       Sie appelliert an die Innenminister*innen, bei der Geas-Reform, die seit
       Freitag in Deutschland gilt, Rücksicht auf Kinder und Jugendliche zu
       nehmen. Die Geas-Reform sieht unter anderem die Einrichtung von sogenannten
       Zentren der Sekundärmigration vor, in denen Migrant*innen mit schlechter
       Bleibeperspektive unter haftähnlichen Bedingungen ausharren sollen.
       
       ## Demo am Mittwochabend
       
       „Für Kinder ist es egal, ob es Haft genannt wird oder nicht“, sagt Asaad.
       „Wenn man nicht rausdarf, wird es sich wie Haft anfühlen.“ Auch
       Schnellverfahren, die sich mit der Umsetzung der Geas-Reform deutlich
       häufen werden, seien für Minderjährige fatal, warnt Asaad. „Kinder brauchen
       Zeit und Vertrauen, um ihre Asylgründe vorzutragen.“ Neben Hamburg hat auch
       Brandenburg bereits eine Großunterkunft, die wie ein
       Sekundärmigrationszentrum funktioniert. Dort müssen die Geflüchteten nach
       dem [2][Prinzip „Brot, Bett, Seife“] leben – es gibt nichts, außer das
       Allernötigste. Auch Sachsen und Sachsen-Anhalt planen, in diesem Sommer
       solche Zentren zu eröffnen.
       
       „Das ist keine Unterbringung, sondern psychische Zerstörung mit Ansage“,
       sagt Linda Kabalan vom Hamburger Flüchtlingsrat. Derzeit lebten allein in
       Hamburg 13.000 Kinder in öffentlichen Unterkünften, im Schnitt müssten sie
       dort vier Jahre ausharren. Dabei ist die Zuwanderung in Deutschland derzeit
       auf einem [3][Tiefpunkt im Vergleich zu vorangegangenen Jahren].
       Unterbringungen, wo hunderte traumatisierte Menschen ohne Schallschutz und
       Privatsphäre vegetierten, seien Schandflecken der Politik, sagt Kabalan.
       
       Die Folgen der fortlaufenden Verschärfung der Asylpolitik sehe sie
       tagtäglich in ihren Beratungen für Geflüchtete, sagt die Aktivistin Asmara
       Habtezion. „In diesem Jahr mussten wir schon zehn Personen in die
       Notaufnahme der Psychiatrie bringen, weil sie suizidgefährdet waren.“
       Psychische Krisen nähmen zu, die Unsicherheit und ständige Androhungen von
       rechtlichen Verschlechterungen zermürbten die Menschen.
       
       Eine weitere Drangsalierung könnte zukünftig die Streichung von
       Sozialleistungen für Arbeitnehmer aus Südeuropa sein, die ihren Lohn
       aufstocken. Darüber wollen die Innenminister*innen unter
       Tagesordnungspunkt 32 sprechen. Laut Bild geht aus der Beschlussvorlage
       hervor, dass Jobcenter, Familienkassen, Ausländerbehörden, Kommunen und
       Polizei regelmäßig Daten abgleichen sollen, um Sozialbetrug zu erkennen.
       Grundsätzlich soll Migrant*innen der Zugang zu Sozialleistungen
       erschwert werden: Erwogen wird laut Bild etwa, den Anspruch auf Bürgergeld
       erst nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland zu gewähren.
       
       Für Mittwochabend rufen Jugendliche ohne Grenzen zur Demonstration um 18
       Uhr am Hauptbahnhof auf.
       
       17 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Zwei-Jahre-Bezahlkarte-fuer-Gefluechtete/!6178797
   DIR [2] /Auswirkungen-von-GEAS-in-Deutschland/!6184162
   DIR [3] https://www.tagesschau.de/inland/zuwanderung-deutschland-120.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Katharina Schipkowski
       
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