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       # taz.de -- EU-Gipfel: Europas Ringen um Stärke
       
       > Wirtschaftliche Genesung steht auf der Agenda der Staats- und
       > Regierungschefs für die kommenden Tage. Aber auch Kraftgewinnen gegenüber
       > Russland und China.
       
   IMG Bild: EU Gipfel: Der rote Teppich ist schon ausgerollt
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz hat seinen seit Langem geäußerten Willen
       durchgesetzt: Der am Donnerstagabend beginnende zweitägige EU-Gipfel wird
       mit dem Thema Wirtschaft und Stärkung des europäischen Binnenmarkts
       beginnen. Dem, was „den Eckpfeiler des europäischen Wohlstands und
       Sozialmodells ausmacht, nämlich die Wettbewerbsfähigkeit unserer
       Wirtschaft“ – wie EU-Ratspräsident António Costa es in seinem
       Einladungsschreiben an die Staats- und Regierungschefs formulierte.
       
       Neu ist dabei allerdings, dass es, neben dem „Europa muss seine
       Hausaufgaben im Bereich Wirtschaft erledigen“, nach Costas Worten nun auch
       um „fairen Wettbewerb auf globaler Ebene und gleiche
       Wettbewerbsbedingungen“ gehen soll. Sprich: um Europas Verhältnis zu China,
       wo die EU seit Längerem gespalten ist. Dafür ist eine wiedererlangte
       wirtschaftliche Stärke Europas indes Grundvoraussetzung.
       
       „Die Frage ist nicht mehr, ob China eine systemische Herausforderung
       darstellt – das wird von den EU-Spitzenpolitikern mittlerweile weitgehend
       akzeptiert –, sondern ob Europa bereit ist, in dem erforderlichen Umfang
       und Tempo zu antworten“, sagte Andrew Small vom European Council on Foreign
       Relations.
       
       ## Chinesischer Außenhandelsüberschuss auf Rekordhöhe
       
       Während Frankreich, die baltischen Staaten und andere EU-Länder seit
       Längerem kritisch auf China schauen, scheint inzwischen auch die
       traditionell eher chinafreundliche Bundesregierung umzuschwenken: „Wir
       können und werden nicht tatenlos zusehen, wenn andere sich nicht an
       gemeinsame Regeln halten“, sagte Merz vorige Woche. Die EU müsse sich vor
       „Verzerrungen durch die Handelspraktiken anderer Staaten“ schützen.
       
       Die Debatte findet statt vor dem Hintergrund des auf ein Rekordhoch
       gewachsenen chinesischen Außenhandelsüberschusses gegenüber der EU von 1
       Milliarde Euro – pro Tag. Im Fall eines europäischen Kursschwenks drohen
       indes Vergeltungsmaßnahmen Pekings. Deshalb sei er skeptisch, ob Europa
       bereit ist, seiner schärferen Rhetorik Taten folgen zu lassen, sagte Alicia
       García Herrero, Senior Fellow beim Brüsseler Thinktank Bruegel, vor allem
       in Hinblick auf das chinafreundliche Spanien.
       
       ## Präsident Selenskyj spricht über Friedensperspektiven
       
       Vor der China-Debatte wird auf dem Gipfel in Brüssel der ukrainische
       Präsident Wolodymyr Selenskyj über Friedensperspektiven für sein Land
       unterrichten – nach den Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump am Rande
       des G7-Treffens im französischen Évian in den letzten Tagen.
       
       „Unser zweigleisiger Ansatz – Unterstützung der Ukraine und [1][zunehmender
       Druck auf Russland – zeigt Wirkung]“, betonte Costa. Die Ukraine habe an
       der Front Erfolge, während Russland seine militärischen und strategischen
       Ziele verfehle. „Russlands zunehmend rücksichtsloses und unverantwortliches
       Verhalten“, das Costa anprangerte, soll nun darein münden, die Ukraine und
       Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.
       
       Das hatte Selenskyj – [2][unterstützt von Merz, Frankreichs Präsident
       Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer] – zuletzt mehrfach
       gefordert, Kremlchef Wladimir Putin abgelehnt. Trump hatte nach Telefonaten
       mit beiden zu Friedensverhandlungen gedrängt. Während sich Polen und
       Italien beim sogenannten E3-Format Deutschlands, Frankreichs und
       Großbritanniens herausgedrängt fühlen, unterstützen [3][nach der Abwahl
       Viktor Orbáns in Ungarn] nun alle 27 EU-Staaten die gerade aufgenommenen
       Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau.
       
       „Dies ist eine Anerkennung der Entschlossenheit, des Mutes und der harten
       Arbeit, mit der beide Länder Reformen vorangebracht haben, selbst
       angesichts enormer Herausforderungen“, betonten Costa und
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
       
       Daneben geht es um die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und ihre
       weitreichenden Folgen, insbesondere für die Energiepreise.
       
       18 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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