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## Wohlwollen ist keine Einbahnstraße
Wohlwollen ist ein schönes Wort, da schwingt so etwas Behagliches mit. Bei
der Polarisierungshuberei der letzten Jahre, schien es fast in
Vergessenheit geraten zu sein. Und dann taucht es plötzlich in einer
Regierungserklärung von Friedrich Merz auf.
Steuern, Rente, Gesundheit, Arbeitszeit – bis zur Sommerpause will
Schwarz-Rot Reformpakete vorlegen. Nun wünscht sich der Kanzler, dass die
Bevölkerung dem Vorhaben mit Wohlwollen begegne. Das ist ein ambitioniertes
Anliegen angesichts der miesen Umfragewerte und der Fülle von
Kürzungsvorschlägen, die herumschwirren. Wer möchte schon mit Wohlwollen
die Verschlechterung der eigenen Lebensverhältnisse begleiten? Im Bundestag
forderte der Kanzler Politik und Bürger:innen auf, „wohlwollend mit Blick
auf das Wohl unseres Landes mitzudiskutieren“.
Wohlwollen ist keine Einbahnstraße. Und mit einem wohlwollenden Blick auf
die lohnabhängigen Beschäftigten hat sich Merz bislang nicht profiliert.
Harsche Appelle an die Arbeitsmoral und die Vorwürfe, wir seien zu faul, zu
oft krankgeschrieben, zu freizeitorientiert – will man das Wohl des ganzen
Landes in den Blick nehmen, ist es eher nicht so klug, das halbe Land vor
den Kopf zu stoßen. Bei seinen Kollegen aus der Union und bei den
Arbeitgeberverbänden scheint Merz’ Appell ohnehin nicht zu verfangen. Auf
das Papier aus dem SPD-Arbeitsministerium zur Reform des
Arbeitszeitgesetzes reagierten sie mit Schnappatmung. Und Innenminister
Dobrindt (CSU) plädiert gerade eifrig dafür, den Bürgergeld-Regelsatz zu
kürzen.
Dieses Treten nach unten ist der übliche Trick, wenn Sozialreformen
anstehen. Soll es einer großen Gruppe schlechter gehen, sorgt man dafür,
dass es einer anderen Gruppe noch schlechter geht. Martina Mescher
20 Jun 2026
## AUTOREN
DIR Martina Mescher
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