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       # taz.de -- Schüler-Sternmarsch für die Demokratie: Was diese Schüler-Demo mit der DDR zu tun hat? Nicht viel.
       
       > Bei der Debatte um den Schüler-Sternmarsch vergreifen sich konservative
       > Kritiker schwer im Register. Die städtische Förderung war trotzdem
       > falsch.
       
   IMG Bild: Nur so mittel frei: „Freie Deutsche Jugend“ der DDR marschiert zu Gitarrenbegleitung beim Pfingsttreffen 1947
       
       Am vergangenen Freitag stand ich im Nieselregen auf dem Opernplatz, bei der
       Abschlusskundgebung des Schüler-Sternmarsches für die Demokratie. Ich
       beobachtete die Schüler*innen mit ihren handgeschriebenen Plakaten, wie
       sie den Oberbürgermeister um Selfies baten und in die Mikrofone und Kameras
       der professionellen Beobachter redeten und dachte über diesen DDR-Vergleich
       nach.
       
       Den hatte ein konservativer Kollege im „Rundblick“ angestellt, weil ihn vor
       allem eines störte: Dass die Stadt Hannover als Mitveranstalterin der
       Schüler-Demo auftrat. Die wurde zwar von Schülersprechern angeschoben – am
       Ende war die Stadtverwaltung von der Idee aber so begeistert, dass sie
       nicht nur Anmeldung und Organisation unterstützte, sondern auch gleich noch
       20.000 Euro raustat und die Schulen anschrieb und zur Teilnahme
       aufforderte.
       
       Nun weiß jeder, dass diese albernen Diktaturvergleiche bloß eine
       rhetorische Zuspitzung sind. Aber wenn man sie mal für einen kleinen
       Augenblick ernst nimmt, diese Frage, die da im „Rundblick“ stand: „Erinnert
       das an die DDR?“ – Dann muss man mit einem Blick auf das tatsächliche
       Geschehen sagen: Nö. Wirklich nicht im Geringsten.
       
       Das fängt schon mit der Teilnehmerzahl an: Um die 3.000 Schüler*innen
       waren da. Das ist eine solide Ausbeute für eine freiwillige Veranstaltung.
       Immerhin weiß jeder, wie schwer es in einer saturierten
       [1][Wohlstandsgesellschaft] ist, Menschen zu mobilisieren.
       
       ## Faszinierend ist vor allem die Debatten-Dynamik
       
       Wenn dies eine staatlich gelenkte Demonstration wie in der DDR wäre, hätte
       der zuständige Bezirksleiter allerdings ein Riesenproblem. Und die Genossen
       Schulleiter auch. Und im Ministerium für Volksbildung wäre die Aufregung
       sehr groß, weil man gar nicht wüsste, wessen Kopf jetzt zuerst rollen
       sollte.
       
       Immerhin gibt es in Hannover mehr als 30.000 Schüler und Schülerinnen an
       weiterführenden Schulen, die zur Demo aufgerufen waren. [2][In der DDR]
       hätten sich die Nicht-Teilnehmer jetzt einer Reihe von sehr unangenehmen
       Befragungs- und Demütigungsrunden aussetzen müssen.
       
       Sie hätten sich auch Gedanken um ihre berufliche Zukunft machen müssen. Ein
       Studium wäre nicht mehr drin gewesen. Und wenn sie schon vorher öfter
       aufgefallen wären, weil sie sich der „Erziehung zur sozialistischen
       Persönlichkeit“ verweigern, hätte vielleicht auch irgendwann eine dieser
       als Besserungsanstalt getarnten Jugend-Folter-Einrichtungen auf dem
       Programm gestanden.
       
       Aber natürlich geht es nicht wirklich um DDR-Geschichte. Faszinierend an
       diesem Fall ist vor allem die Debatten-Dynamik. Denn die konservative
       Steilvorlage, zu der neben dem „Rundblick“ auch der
       [3][CDU-Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer] mit einem großen Interview in
       der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) beitrug, wurde von rechten
       Netzwerken dankbar aufgegriffen.
       
       Die stören sich in Wirklichkeit vor allem daran, dass die AfD (und ihr
       kommunalpolitisches Zerfallsprodukt „Die Hannoveraner“) bei der
       Veranstaltung unerwünscht war – im Gegensatz zu allen anderen Parteien und
       ihren Bürgermeisterkandidaten. Aber verpackt wird das Ganze wie üblich in
       vorgeschobene Bedenken um arme Kinderseelen, eingeschüchterte
       Schulleitungen und Neutralitätsforderungen.
       
       Blöd finde ich, dass man das bei der Stadtverwaltung nicht kommen sieht
       oder bewusst ignoriert. Viele Schulen tun sich schwer, den Kulturkämpfen zu
       begegnen, die durch Facebook- und Telegram-politisierte Eltern an sie
       herangetragen werden. Da ist es nicht unbedingt hilfreich, wenn die Stadt
       so leichtfertig für Munition sorgt.
       
       Zumal diese seltsam üppige finanzielle Förderung vor allem gegen die
       goldene Regel der Pädagogik verstößt: Machen lassen ist der effektivste
       Lehrmeister. Nicht abnehmen. Nicht vorkauen. Machen lassen. Denn zumindest
       da muss man dem CDU-Abgeordneten Toepffer ja recht geben: Die [4][Fridays
       haben das doch auch geschafft].
       
       20 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Getir-und-Gorillas-verlassen-Deutschland/!6003614
   DIR [2] /Dating-in-der-DDR/!6054654
   DIR [3] /Untersuchungsausschuss-Gehaltsaffaere/!6047143
   DIR [4] https://fridaysforfuture.de/
       
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