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       # taz.de -- Rücktritt von Keir Starmer: Alternativlos – und doch ist kein Problem gelöst
       
       > Das ging dann doch schnell: Der britische Premierminister ist
       > zurückgetreten. Und ergänzt damit eine Reihe glückloser
       > Regierungsversuche.
       
   IMG Bild: Keir Starmer sucht Trost bei seiner Ehefrau Victoria
       
       Am Ende fällt es schwer, kein Mitleid zu empfinden. Wieder einmal verlässt
       ein britischer Premierminister keine zwei Jahre, nachdem er unter großen
       Erwartungen und Hoffnungen die Regierung übernommen hatte, das Amt als
       gescheiterter Politiker. Wieder ein Abschied – vom „Land, das ich liebe“.
       Und von seiner Einsicht, dass er nicht mehr der Richtige sei, um es zu
       führen. Wieder einmal bringt sich ein frisches, unverbrauchtes Gesicht in
       Stellung, auf das jetzt alle Erwartungen und Hoffnungen neu projiziert
       werden.
       
       Die Rede ist von [1][Keir Starmer, dem zurückgetretenen britischen
       Labour-Premierminister], und von [2][Andy Burnham, seinem so gut wie
       sicheren Nachfolger]. Aber genauso lief es 2019 ab, als die freud- und
       glücklose Theresa May dem fröhlichen und energischen Boris Johnson wich.
       Oder 2022, als der hoffnungslos versagende Boris Johnson der ambitionierten
       Liz Truss wich, die wiederum verpuffte wie ein nasses Feuerwerk und dem
       technokratischen Rishi Sunak Platz machte. Bis der nicht einmal zwei Jahre
       später 2024 dem strahlenden Wahlsieger Keir Starmer von Labour weichen
       musste.
       
       Was genau Keir Starmer seitdem falsch gemacht hat, ist angesichts dieser
       Vorgeschichte gar nicht so leicht zu erkennen. Eigentlich nichts – und
       eigentlich alles. Die unangekündigten Sparmaßnahmen, die nach dem Wahlsieg
       plötzlich alternativlos waren. Der Hang, Dinge anzukündigen und dann das
       Gegenteil zu machen. Das Unvermögen, sich den Menschen verständlich zu
       machen. Die Nähe zu halbseidenen Gönnern und diskreditierten
       Blair-Veteranen aus der politischen Mottenkiste. Und Starmers Neigung, für
       diese Fehler immer andere verantwortlich zu machen: Berater, Minister,
       Abgeordnete, Spitzenbeamte – alle außer sich selbst. Und dann irgendwann
       erstaunt festzustellen, dass ihn niemand mehr mag. Was am Anfang als
       Haltung daherkam, erschien am Ende als Selbstgerechtigkeit.
       
       Starmers Rücktritt fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem
       Brexit-Referendum erinnert daran, dass die britische Politik sich von dem
       Schock dieses Volksaufstandes bis heute nicht erholt hat. [3][Der Brexit]
       ist nicht die Ursache der Probleme Großbritanniens – er war 2016 ein
       unbeholfener Versuch, sie zu lösen. Das hat nicht geklappt, und seitdem
       werden Premierminister andauernd in der vergeblichen Hoffnung
       ausgewechselt, irgendjemand regiere mal überzeugend.
       
       Starmers Rücktritt war alternativlos. Aber Großbritanniens Krise ist kein
       Personalproblem. Sie ist ein Strukturproblem, mit einem kurzatmigen
       Politbetrieb, der langfristiges Handeln im Sinne der Menschen so gut wie
       unmöglich macht. Solange das so bleibt, können wohl weder der Brexit noch
       sein Gegenteil und weder Starmer noch Burnham das Land glücklich machen.
       
       22 Jun 2026
       
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