# taz.de -- Antifaschistin Bianca Klose ist tot: An der Seite der Engagierten
> Entschlossen und zuversichtlich im Kampf gegen Rechtsextremismus: Bianca
> Klose, Pionierin der Mobilen Beratung in Deutschland, ist gestorben. Ein
> Nachruf.
IMG Bild: Rückschläge schreckten sie nicht: Bianca Klose
Wer Bianca kannte, merkte schnell: Diese Frau ist nahezu körperlich mit der
Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) verbunden, die sie
2001 gegründet hatte. Die enormen Ansprüche, die sie an sich selbst und an
das Team stellte, haben die Arbeit mit ihr nicht immer leicht gemacht.
Aber die zähen Verhandlungen um aus Projektsicht ungünstige Urlaubsanträge
und die persönliche Kränkung, als die sie meine Entscheidung empfand, nach
sechs Jahren das Projekt zu verlassen, waren nur eine Seite dieser
Identifikation. Die andere war die völlig zweifelsfreie Gewissheit, dass
sie sich immer und gegen alle vor mich und sämtliche Kolleg*innen
stellen würde, wenn es die Situation erforderte.
Als die damalige Ministerin Kristina Schröder 2011 von geförderten
Projekten verlangte, dass sie eine sogenannte Extremismusklausel
unterschreiben sollten, durch die vor allem antifaschistische Initiativen
in Misskredit gebracht werden sollten, weigerte sich Bianca standhaft, dies
zu tun.
Nicht aus politischer Gegnerschaft zum Kurs der Bundesregierung, sondern
aus Loyalität zu denjenigen, die in der ersten Reihe und unter großer
Gefahr das machen, was die politisch Verantwortlichen fordern, wenn es
nichts kostet: Haltung zeigen.
Mehr als einmal stand die Finanzierung der MBR auf wackligen Beinen. Bianca
tat alles dafür, diese Beine zu stabilisieren.
## Großes Ansehen im demokratischen Spektrum
Ich halte den [1][Ansatz der Mobilen Beratung, den Bianca maßgeblich
mitentwickelt hat], für ein einzigartiges und überaus erfolgreiches Konzept
im Kampf gegen die extreme Rechte. Weil er in konkreten Erfahrungen wurzelt
und weil er mit Haltung verbunden ist.
Er geht davon aus, dass die Beratungssuchenden Expert*innen ihrer Sache
sind. Niemand kennt das Feld, die besonderen Bedingungen und
Herausforderungen so gut wie die Menschen, die sich täglich mit
Rechtsextremismus, Antisemitismus oder Rassismus konfrontiert sehen. Diesen
Menschen beratend zur Seite zu stehen und sie dabei zu unterstützen, nicht
nur ein Bewusstsein ihrer Expertise zu entwickeln, sondern auch, aus ihren
Erfahrungen passgenaue Lösungen, Handlungssicherheit und Wirkmächtigkeit
entstehen zu lassen, zählt zu meinen prägendsten Erfolgserlebnissen.
Die aus dieser Praxis entstehende dynamische Expertise der Berater*innen,
das Erfahrungswissen der MBR, zeichnet auch deren zahlreiche Handreichungen
und Beiträge aus und ist der Hauptgrund dafür, dass sie in sämtlichen
demokratischen politischen Spektren großes Ansehen genießen.
Die konkrete, erfahrungsbasierte Dimension der Beratungsarbeit bedeutet
auch: Know your enemy. Wer über Rechtsextremismus spricht, sollte diesen
kennen, wissen, wo sich Neonazis treffen, was ihre Codes bedeuten, wer die
Aufmärsche organisiert. Das geht nicht ohne den Austausch mit
antifaschistischen Gruppen und nicht ohne Risiko.
## Hinnehmen war nicht ihre Art
Bianca war entschlossen zuversichtlich, und zwar, weil sie es so wollte.
Hinnehmen, dass etwas nicht auch anders sein könnte, war nicht ihre Art.
Und sie war in der Verfolgung dieser Zuversicht beharrlich. Rückschläge
schreckten sie nicht, Bedrohungen, egal ob von rechts oder von oben, nahm
sie ernst, und zwar [2][als Herausforderung und als Motivation,
weiterzumachen].
Am 17. Juni ist Bianca Klose gestorben. Die Lücke, die sie hinterlässt,
wird nicht gefüllt werden können. Sie zu durchmessen wird zu den
schmerzvollen Erfahrungen gehören, die wir Freund*innen, Kolleg*innen
und Wegbegleiter*innen von nun an machen. Aber wir können den Weg, den
wir mit ihr beschritten haben, weitergehen, an ihrer statt und in ihrem
Eingedenken, selbst wenn es diesen Weg noch nicht gibt.
Der Schmerz ist auch darin schonungslos ehrlich, dass er in direktem
Verhältnis zur Liebe steht, die uns mit ihr verbindet. Was habe ich für ein
Glück, dass ich eine solche Freundin, Lehrerin und Beraterin an meiner
Seite wissen konnte.
In meiner Zeit bei der MBR hing ein Satz von Hugo von Hofmannsthal an
meinem Bildschirm, der nicht nur die Beratungsnehmenden und das von Bianca
sorgfältig und mit glücklicher Hand kuratierte Team treffend beschreibt,
sondern auch Bianca selbst.
„Wie wundervoll sind diese Wesen,
Die, was nicht deutbar, dennoch deuten,
Was nie geschrieben wurde, lesen,
Verworrenes beherrschend binden
Und Wege noch im Ewig-Dunkeln finden.“
Sebastian Wehrhahn arbeitete von 2010 bis 2015 als Berater für die MBR.
22 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Sebastian Wehrhahn
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