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       # taz.de -- England gewinnt gegen Kroatien: God save the King
       
       > England zeigt sich beim 4:2-Erfolg gegen Kroatien wandlungsfähig. In der
       > zweiten Hälfte kommt die Offensive so richtig in Schwung.
       
   IMG Bild: Kane kann aus 11 Metern auch mit dem Kopf treffen
       
       [1][Thomas Tuchel] sah nach dem erfolgreichen Start in die Titelmission
       keinen Grund, tiefergehende Debatten zu führen, jedenfalls nicht in Bezug
       auf seine englische Nationalmannschaft. Beim Fußball-Weltverband Fifa
       allerdings wolle er schon intervenieren und um grundsätzliche Veränderungen
       bitten. Auf eine Mauer von 50 Fotografen habe er bei der Hymne geschaut und
       deshalb keinen einzigen seiner Spieler sehen können. Das habe ihm diesen
       lange erwarteten Moment ein wenig verdorben.
       
       Tuchel hofft, künftig eine freie Sicht zu genießen, wenn „God Save the
       King“ intoniert wird. Mitsingen möchte er allerdings erst, wenn seine
       Mannschaft im WM-Finale stehen sollte. Ob das übergeordnete Ziel
       tatsächlich erreicht werden kann, ließ sich nach dem 4:2 (2:2) gegen
       Kroatien am Mittwochabend natürlich noch nicht seriös einschätzen.
       Zumindest aber war es ein vielversprechender Auftakt gewesen, der einen
       älteren englischen Reporter sogar dazu bewog, seine Frage an Tuchel mit dem
       Befund einzuleiten, dass dies seiner Erinnerung nach die beste
       Offensivleistung einer englischen Nationalelf bei einem großen Turnier
       gewesen sei. Aber gebe zugleich die eher luftige und teils wacklige
       Defensive zu denken?
       
       Tuchel hatte sich kurz zuvor mit einem vergnügten Lächeln aufs Podium
       gesetzt, und auch jetzt verließ ihn sein Frohsinn nicht. Ja, seine
       Mannschaft habe nervös begonnen und zu langsam Entscheidungen getroffen,
       „aber ich habe die Reaktion nach der Halbzeit geliebt“, sagte er. Tuchel
       fand viele lobende Worte, vor allem zu den zahlreichen Torgelegenheiten und
       Balleroberungen. Aber klar sei auch: „Wir können Dinge verbessern, wir
       müssen im Turnier wachsen.“
       
       Im Grunde war das schon während des ersten Spiels in der Gruppe L passiert.
       Zunächst musste mit Fragezeichen versehen werden, ob dieser Mannschaft
       wirklich eine titelreife Stabilität zuzutrauen ist. Die Offensive der
       Engländer mit ihrem [2][Kapitän Harry Kane] in der Spitze war aber nach der
       Pause imposant aufgetreten und hatte gemessen an ihren Chancen eher noch zu
       wenige Ausrufezeichen durch die vier Tore gesetzt.
       
       ## Tuchels Mutrede
       
       Und zu tun hatte das offenbar viel mit Tuchels Halbzeitansprache, mit der
       er die Hemmungen gelöst habe, wie Kane erzählte. Der Trainer verdiene dafür
       „ein großes Lob“, befand der Mittelstürmer des FC Bayern. Tuchel sagte, er
       habe die Spieler zu jener Herangehensweise ermutigt, die sie sich gemeinsam
       vorgenommen hätten. Er sagte: „Ich möchte, dass sie mutig, tapfer, intensiv
       und offensiv sind.“ Auch furchtlos sollen sie sein. Es klang ein wenig, als
       wolle Tuchel Bravehearts formen.
       
       Dabei erstaunte, dass sich die Engländer zwei Führungen zunächst auch wegen
       ihrer Zögerlichkeit wieder nehmen ließen. Früh war Kroatiens [3][Kapitän
       Luka Modrić], 40, eine Unachtsamkeit unterlaufen, als er beim Versuch, den
       Ball aus dem eigenen Strafraum zu schlagen, einen Strafstoß verursacht
       hatte. Kanes ersten Versuch parierte Kroatiens Torwart Dominik Livaković,
       doch weil er sich zu früh von der Linie bewegt hatte, wurde der Strafstoß
       wiederholt. Kanes erfolgreichem zweiten Versuch in der zwölften Minute
       folgte der Ausgleich durch Martin Baturina (36.).
       
       Gegen Tuchels Willen hatten sich die Engländer nach ihrer Führung passiv
       verhalten. Und auch ihren zweiten Vorsprung durch Kanes Kopfball (42.)
       gaben sie noch vor der Pause erstaunlich leicht wieder her.
       
       Erst zu Beginn der zweiten Halbzeit entfaltete England seine Offensivwucht.
       Zunächst traf Jude Bellingham zum 3:2 (47.). Später bereitete Saka das 4:2
       durch Rashford vor (85.). Das englische Team demonstrierte dabei auch seine
       Möglichkeiten, von der Bank ohne nennenswerten Qualitätsverlust nachlegen
       zu können.
       
       Kroatien dagegen kann aus dem WM-Auftakt nicht viel Hoffnung schöpfen. Eher
       enttäuschend war die erfahrene Mannschaft aufgetreten. „Es war ein
       komisches Spiel, wir haben viele Fehler gemacht“, sagte Trainer Zlatko
       Dalić, „wir müssen im Angriff besser werden, wenn wir gegen Panama und
       Ghana gewinnen wollen.“ Für Tuchel und seine Engländer geht es in
       umgekehrter Reihenfolge gegen diese Gruppengegner weiter. Verbessern müssen
       sie eher ihre Defensive.
       
       18 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Maik Rosner
       
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