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       # taz.de -- Russischer Künstler ermordet: Auf dem Parkplatz erschossen
       
       > Semyon Skrepetzki begeisterte und verstörte mit seinen Kunstwerken, in
       > denen er das Putin-Regime hart kritisierte. Nun wurde er in Polen
       > erschossen.
       
   IMG Bild: Kompromissloser Künstler: der russische Maler Semyon Skrepetsky, bürgerlich Robert Kysowkow
       
       Er habe Semyon Skrepetzki immer wieder gebeten, vorsichtig zu sein. „Alter,
       sie sind hinter dir her. Bitte sei immer auf der Hut, das kann böse enden“,
       habe er ihm gesagt. Doch sein Freund habe es immer wieder zu weit
       getrieben, zitiert der russische Dienst der BBC den russischen Tätowierer
       und Künstler Bulat Subchankulow.
       
       Jetzt ist Semyon Skrepetzki, mit bürgerlichem Namen Robert Kysowkow, tot.
       Der 44-Jährige wurde am Montag auf einem Parkplatz in Biała Podlaska
       erschossen. Die polnische Kleinstadt ist 40 Kilometer von der
       belarussischen Grenze entfernt. Die Leiche wies fünf Schusswunden auf, am
       Tatort wurden fünf Patronenhülsen und ein 9-mm-Luger-GEC-Projektil
       gefunden.
       
       Skrepetzki wurde in der sibirischen Region Altai geboren. Dort lebte er in
       einem Dorf in der Nähe der Stadt Bijsk. 2021 verließ der Karikaturist
       Russland und ging nach Polen. Zunächst lebte Skrepetzki in Biała Podlaska
       in einer Flüchtlingsunterkunft. Nach der Anerkennung seines Antrags auf
       politisches Asyl bezog er dort eine Wohnung.
       
       Bekannt wurde der verheiratete Vater von fünf Kindern vor allem durch seine
       Karikaturen, die einige als genial, andere jedoch als absolut geschmacklos
       bezeichnen. Darauf sind häufig männliche Genitalien und Exkremente zu sehen
       sowie nackte Politiker bei sexuellen Handlungen miteinander oder mit Tieren
       sowie beim Verrichten ihrer Notdurft.
       
       ## Großer Stalin, kleiner Putin
       
       Bevorzugt arbeitete er sich an der russischen und belarussischen
       Führungsspitze sowie dem [1][tschetschenischen Präsidenten Kadyrow] nebst
       dessen Sohn Adam ab. Auf einem seiner Werke ist ein kleiner Wladimir Putin
       zu sehen, den Stalin in der linken Hand hält. Eine andere Karikatur zeigt
       den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko als Hitler mit einem
       Eimer voller Kartoffeln.
       
       Aber auch vor der russischen Opposition, genauer gesagt dem 2024 in Haft zu
       Tode gekommenen [2][Alexei Nawalny, den er einmal als ein „Produkt des
       Kremls“ bezeichnete, und dessen Ehefrau Julia,] machte er nicht Halt. Die
       ukrainische Regierung, allen voran Präsident Wolodymyr Selenskyj,
       verschonte er ebenfalls nicht.
       
       Nicht zuletzt dieser Umstand führte dazu, dass Skrepetzki auf einer
       ukrainischen Webseite namens „Mirotworez“ (Friedenstifter) landete. Die
       Betreiber dieser inoffiziellen Plattform veröffentlichen dort persönliche
       Daten (auch die Wohnadresse) von Personen, deren Handlungen ihrer Meinung
       nach gegen die nationale Sicherheit der Ukraine gerichtet sind.
       
       Am 12. Juni, einem nationalen Feiertag in Russland, tauchte Skrepetzki vor
       der russischen Botschaft in Berlin auf – mit einer traditionellen
       russischen Pelzmütze und Bastschuhen, die Brust mit zahlreichen selbst
       gefertigten Orden behängt, in der Hand die Stalin-Putin-Karikatur. Aus
       einem Loch in seiner Hose hing eine russische Flagge, die Skrepetzki
       demonstrativ in einen Mülleimer entsorgte.
       
       ## Massive Drohungen
       
       Nach seinem Auftritt in Berlin habe der Künstler, so sagen es Insider,
       massive Drohungen erhalten – übrigens nicht zum ersten Mal. Doch Drohungen,
       welcher Art auch immer, habe Skrepetzki, so sein Freund Subchankulow, nie
       ernst genommen. Das Angebot, sich von polnischen Sicherheitsdiensten
       schützen zu lassen, hatte er mehrfach abgelehnt.
       
       Am Donnerstagmorgen wurde in der Stadt Piastów bei Warschau ein
       Tatverdächtiger festgenommen. Laut Polizeiangaben habe der Mann einen
       Reisepass genutzt, der auf einen 36-jährigen georgischen Staatsbürger
       ausgestellt war. Polnische Medien berichten, dass der Pass gefälscht
       gewesen sei und es sich bei dem Festgenommenen um einen gebürtigen
       Tschetschenen handele.
       
       18 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Barbara Oertel
       
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