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       # taz.de -- Hochhäuser am Gleisdreieck: Mal eben die SPD hinters Licht führen
       
       > 2.000 zusätzliche Wohnungen soll der Investor versprochen haben.
       > Daraufhin gab die SPD grünes Licht. Doch die Rechnung geht nicht auf,
       > sagt Matthias Bauer.
       
   IMG Bild: Wer hat da wen getäuscht? Eine Simulation der „Urbanen Mitte“ am Gleisdreieck
       
       taz: Herr Bauer, Tausende neue Wohnungen hat der Investor der Urbanen Mitte
       am Gleisdreieck versprochen, wenn der Bebauungsplan „Urbane Mitte Süd“
       verabschiedet wird. Die Wohnungen sollten auf anderen Flächen des
       [1][Investors] gebaut werden. [2][Nun haben Sie herausgefunden], dass statt
       2.000 zusätzlichen Wohnungen nur 250 realisiert werden können. War der
       Senat leichtgläubig? 
       
       Matthias Bauer: Ob der Senat leichtgläubig war, weiß ich nicht.
       Leichtgläubig waren sicherlich die Abgeordneten der SPD, die das Vorhaben
       zunächst kritisiert haben und auf Basis dieser Botschaft schließlich dem
       Bebauungsplan doch zugestimmt haben.
       
       taz: Auf ihrem Parteitag im November 2025 hatte sich die Berliner SPD für
       eine Neuplanung der Urbanen Mitte ausgesprochen. Gefordert wurde vor allem
       der Bau neuer Wohnungen. 
       
       Bauer: Ich habe auf dem Umweltfest am 7. Juni mit dem Spitzenkandidaten
       Steffen Krach gesprochen und auch mit Linda Vierecke, Sprecherin der SPD im
       Abgeordnetenhaus für Umwelt. Beide waren davon ausgegangen, dass 2.000
       zusätzliche Wohnungen an anderer Stelle für die Zustimmung zum B-Plan ein
       gutes Verhandlungsergebnis waren.
       
       taz: Ihre Recherchen haben ergeben, dass die Wohnungen auf den fünf
       besagten Standorten des Investors Periskop ohnehin schon geplant waren.
       Also kann von zusätzlichen Wohnungen, etwa durch Verzicht auf Bürobauten,
       keine Rede sein. 
       
       Bauer: Es gibt zwei große Flächen in Pankow. Das sind landwirtschaftlich
       genutzte Flächen, wo es Jahrzehnte dauern kann, bis da gebaut wird. Es
       fehlt die Abwasserleitung, die Erschließung für den öffentlichen Nahverkehr
       und auch mit Straßen. Was auf den anderen drei Flächen passiert, bleibt
       abzuwarten. Für die Rhinstraße 165 in Lichtenberg wird berichtet, dass der
       Bezirk letztes Jahr schon die Umwandlung von Gewerbe in Wohnen beschlossen
       habe. Nun wurde aber doch ein Bauantrag für Büros, Gewerbe und Tiefgarage
       eingereicht.
       
       taz: Dann ist das von Seiten Periskops eine vorsätzliche Täuschung? 
       
       Bauer: Wir wissen nicht, was der Investor mit der Senatsverwaltung
       verhandelt hat. Der ehemalige SPD-Finanzsenator und heutige baupolitische
       Sprecher, [3][Matthias Kollatz, hat allerdings der Morgenpost gegenüber von
       2.000 zusätzlichen Wohnungen gesprochen.] Das sei der „Durchbruch des
       Bauturbos“. Uns gegenüber haben Kollatz und Matthias Schulz,
       stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD, von einem guten
       Verhandlungsergebnis gesprochen. Periskop habe Verzichtserklärungen für
       Baurechte für Gewerbe abgegeben. Vor diesem Hintergrund würde die SPD dann
       dem Bebauungsplan am Gleisdreieck zustimmen.
       
       taz: Und Periskop? 
       
       Bauer: Der Investor hat sich dazu nie öffentlich geäußert.
       
       taz: Die Verzichtserklärung und die Verpflichtung zusätzliche Wohnungen zu
       bauen, liegen Ihnen also nicht vor. 
       
       Bauer: Nein.
       
       taz: Seit der [4][Veröffentlichung im Amtsblatt im April] ist der
       Bebauungsplan gültig. Wären denn solche Kopplungsgeschäfte, Wohnungen an
       anderer Stelle gegen einen B-Plan, überhaupt rechtens? 
       
       Bauer: Gute Frage. Eigentlich sollte ein Ja für einen Bebauungsplan
       erfolgen, wenn man die Inhalte richtig findet. Und wenn man sie falsch
       findet, sollte man dagegen stimmen. Die Kritik am Bebauungsplan war
       jedenfalls groß. Zu viel Versiegelung, zu viel Volumen, keine einzige
       Wohnung. Nach der Kritik und dem Votum des SPD-Landesparteitags war der
       Bebauungsplan eigentlich gescheitert. Nun ist er unverändert beschlossen
       worden. Er ist mit dem Versprechen auf Wohnen gerettet worden – aber das
       Wohnen findet nicht statt.
       
       taz: Auch nicht Hotelnutzungen und studentisches Wohnen auf dem
       Gleisdreieck, das Matthias Kollatz immer wieder ins Spiel gebracht hat. 
       
       Bauer: In der Verordnung zur Festsetzung des Bebauungsplans vom April ist
       wieder von den Glasfassaden der Büros die Rede. Und wenn Hotel und
       möbliertes Kurzzeitwohnen dazu kommen, bringt das den Wohnungssuchenden
       nichts.
       
       taz: Ein weiterer Punkt, den Kollatz angeführt hat, ist die Zusicherung des
       Investors, auf dem zweiten Teilgelände, der „Urbanen Mitte Nord“,
       Sozialwohnungen zu bauen. Dort sind die Bedingungen für Wohnungsbau
       allerdings weitaus schlechter als im Süden. 
       
       Bauer: Im Nordteil gibt es Lärm von allen Seiten. Das haben auch zahlreiche
       Gutachten bestätigt. Es handelt sich um einen schmalen Streifen zwischen
       der U2 und der Fernbahn, der auch noch von der U1 gequert wird. Unter den
       Hochhäusern soll außerdem die zukünftige S21 verlaufen. Hochhäuser, die auf
       eine Bahnlinie aufgedockt werden sollen, sind extrem aufwendige und teure
       Baukonstruktionen. Das Land Berlin müsste die Sozialwohnungen mit vielen
       Millionen subventionieren. Wenn Wohnungen, dann hätte man die auf dem
       südlichen Baufeld planen können, denn da gibt es wenigstens eine
       lärmabgewandte Seite zum Wäldchen. Im Südbereich hätte man wenigstens eine
       Seite lärmabgewandt mit Wohnungen bebauen können.
       
       taz: Welche Rolle spielt SPD-Bausenator Christian Gaebler? Der hatte ja das
       Verfahren vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an sich gezogen. 
       
       Bauer: Wir wissen aus Akteneinsichten, dass sich Gaebler und die
       Senatsspitze mit dem Investor regelmäßig treffen. Mit uns, den Kritikern,
       hat er dagegen nie gesprochen.
       
       taz: Werden Sie als Initiative auf die Herausgabe von Dokumenten drängen
       oder auch gegen den B-Plan Rechtsmittel einlegen? 
       
       Bauer: Wir planen am 2. Juli eine Veranstaltung. Da wird unser Rechtsanwalt
       erklären, dass wir gegen den Bebauungsplan Klage erheben. Der erste Schritt
       ist Akteneinsicht in alle Dokumente des Bebauungsplans. Die müssten dann
       alle erstmal gesichtet werden.
       
       taz: Haben Sie, wenn es denn so ist, eine solche Täuschung der
       Öffentlichkeit und der eigenen Partei jemals erlebt? 
       
       Bauer: Nein, das habe ich nicht erlebt. Ich habe auch nicht gedacht, dass
       es so leicht ist, das alles aufzudecken. Das hat mich sehr erstaunt.
       
       25 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.periskop.ag/news/bebauungsplan-urbane-mitte-sud-rechtskraftig---meilenstein-fur-die-quartiersentwicklung-am-gleisdreieck
   DIR [2] https://gleisdreieck-blog.de/2026/06/07/urbane-mitte-sued-vi-140cab-durchgesetzt-mit-dem-argument-wohnen-ohne-eine-einzige-richtige-wohnung-zu-schaffen/
   DIR [3] https://www.morgenpost.de/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/article410991462/wohnungen-statt-bueros-weg-frei-fuer-hochhaeuser-am-gleisdreieck-park.html
   DIR [4] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/verordnungen/vo19-321.pdf
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Uwe Rada
       
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