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       # taz.de -- Besuch im Atommüll-Lager Brokdorf: Eine Schicht Helium für die Sicherheit
       
       > Deutschland hat alle seine Atommüll-Abfälle aus dem Ausland zurückgeholt.
       > Nun müssen sie gelagert werden – zum Beispiel im Zwischenlager Brokdorf.
       
   IMG Bild: Da ist der Atommüll drin: Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) vor dem Zwischenlager Brokdorf
       
       Stacheldrahtbewehrte Zäune, davor ein Wassergraben, geschützte Einlasstore:
       Ein wenig erinnert das Gelände des Atomkraftwerks Brokdorf an eine
       mittelalterliche Burg. Drinnen sprießen Wiesenblumen und Gräser zwischen
       Wegen, die Parkplätze sind zu großen Teilen abgesperrt. Eine summende
       Stromleitung hängt über dem Gelände, aber die Drähte verlaufen zum
       Kraftwerk, nicht von ihm weg: Brokdorf ist [1][seit Januar 2022
       abgeschaltet], und die Energie, die hier noch gebraucht wird, stammt von
       Wind und Sonne.
       
       Was noch lange bleiben wird, ist der Atommüll. Die letzten Castor-Behälter
       mit aufbereiteten Brennstäben sind nun [2][aus England zurückgekehrt] und
       werden auf unbestimmte Zeit in Brokdorf zwischengelagert.
       
       Auch er habe in den 1970er Jahren gegen Atomkraft protestiert, sagte Jochen
       Flasbarth (SPD), Staatssekretär im Bundesumweltministerium, das auch für
       nukleare Sicherheit zuständig ist. Am Freitag war er gemeinsam mit
       Landesenergiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) an die Elbe gereist,
       um den historischen letzten Castor-Transport zu würdigen.
       
       „Deutschland hat von dieser Energie profitiert, und es gehört zu unserer
       Verantwortung, dass wir nun mit den Folgen umgehen“, so Flasbarth. Er
       erinnerte daran, dass Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg 2014 als
       erste Länder bereit waren, die Müllfässer zwischenzulagern. Inzwischen gibt
       es solche Standorte in ganz Deutschland.
       
       ## Dicke Wände aus Stahlbeton
       
       Das Zwischenlager in Brokdorf ist ein kastenförmiges, beigefarbenes
       Gebäude. Hinter dicken Wänden aus Stahlbeton lagern bereits 76 Castoren.
       Die übrigen 7, die in den vergangenen Tagen per Schiff aus der englischen
       Aufbereitungsanlage Sellafield transportiert wurden, kommen demnächst dazu.
       Die Behälter erhalten zuvor noch einen zweiten Deckel, zwischen beiden
       liegt eine Schicht Helium. Eine Druckveränderung würde sofort vom
       Behälterüberwachungssystem bemerkt, berichtet Jonas Wingert, Pressesprecher
       der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ).
       
       Das Unternehmen betreibt bis auf wenige Ausnahmen die Zwischenlager an den
       deutschen AKWs. Sie wurden nötig, nachdem Gorleben als Auffangstelle für
       alle Atomfässer der Republik aufgegeben wurde.
       
       Der Betrieb der Zwischenlager kostet einiges: Rund 16 Millionen Euro seien
       es allein für Brokdorf im Jahr 2024 gewesen, so Wingert. Investitionen und
       externe Wachdienste seien die größten Kosten-Posten. Das Geld stammt aus
       dem milliardenschweren Fonds, über den die Unternehmen der
       Energiewirtschaft die Folgekosten der Atomkraftnutzung abbezahlen wollen.
       
       Wie lange das Zwischenlager besteht und wie teuer es damit insgesamt wird,
       ist unabsehbar. Es hängt davon ab, wann die Bundesgesellschaft für
       Endlagerung [3][ihre Arbeit beendet hat]. Und danach werde es weitere Jahre
       oder gar Jahrzehnte dauern, bis alle Müllfässer von allen Zwischenlagern
       umgezogen sind, sagte Flasbarth. So könnte der tatsächlich letzte
       Castor-Transport in Deutschland gegen Ende des 21. Jahrhunderts rollen.
       
       ## Erfolgreiche Klage
       
       Aber sind die Zwischenlager überhaupt so lange sicher?
       Atomkraft-Gegner:innen zweifeln: „Das Hin- und Herverschieben von Castoren
       bringt uns einer sicheren Lagerung nicht näher“, sagte etwa Helge Bauer von
       „ausgestrahlt“ der taz.
       
       Aus Sicherheitsbedenken entzog das Oberverwaltungsgericht in Schleswig
       bereits im Jahr 2013 dem Zwischenlager im benachbarten Brunsbüttel seine
       Betriebsgenehmigung. Ein Ehepaar aus der Nachbarschaft des Meilers hatte
       geklagt, unter anderem wegen der Risiken durch Flugzeugabstürze oder
       Terrorangriffe. Fragen dazu konnten die Behörden nach Meinung des Gerichts
       nicht vollständig beantworten. 2015 bestätigte ein Bundesgericht das
       Urteil. Der damalige Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne)
       [4][erteilte dennoch eine Duldung]: Man könne die Castoren schließlich
       nicht einfach an den Deich stellen.
       
       „Brunsbüttel ist sicher“, beteuerte Flasbarth beim Termin in Brokdorf. Es
       gebe die erforderlichen Schutzmaßnahmen, es sei aber vor Gericht aus
       Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen, sie öffentlich zu machen. Wegen
       der rechtlich unklaren Situation wird das Zwischenlager Brunsbüttel weiter
       von Vattenfall betrieben. Im Genehmigungsverfahren sind auch extrem
       unwahrscheinliche Ereignisse betrachtet worden, bis hin zu einem gezielt
       herbeigeführten Flugzeugabsturz, sagt BGZ-Sprecher Wingert. Gerichtlich
       überprüft wurde das allerdings nie: In Brokdorf gab es keine Klagen.
       
       20 Jun 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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