# taz.de -- Ergebnis der Klima-Verhandlungen der UN: Freiwillige vor – solange es nicht zu viel kostet
> Die internationalen Klima-Zwischenverhandlungen in Bonn wurden vom Streit
> ums Geld ausgebremst. Es setzt sich aber auch ein positiver Trend fort.
IMG Bild: Dürre in Ostkenia, Februar 2026: Die Länder des Globalen Südens sind besonders vom Klimawandel betroffen
Vor dem Hintergrund der fossilen Energiekrise infolge des Irankriegs sind
Donnerstagnacht die Klima-Zwischenverhandlungen der Vereinten Nationen (UN)
in Bonn zu Ende gegangen. In wichtigen Verhandlungssträngen blieben
Fortschritte aus: Die Diplomat*innen aus fast 200 Ländern konnten sich
weder auf gemeinsame Positionen zur Ausgestaltung der
CO2-Emissionsreduktion einigen noch zur Klimaanpassung. Es deutete sich
aber auch an, wie die Zukunft der Klimadiplomatie aussehen könnte.
„[1][Die Bruchlinien der UN-Klimakonferenz in Belém] 2025 kommen wieder
hoch“, berichtet Laura Schäfer von der Umweltorganisation Germanwatch, die
bei den Verhandlungen in Bonn dabei war. „Vor allem das Thema
Klimafinanzierung.“
Unter Klimafinanzierung fallen in der Sprache der UN-Klimaverhandlungen die
Zahlungen, die die Industrieländer an ärmere Staaten leisten, um sie bei
Klimaschutz und -anpassung zu unterstützen. „In Belém haben sich die
Staaten darauf geeinigt, ein Arbeitsprogramm für die Klimafinanzierung
aufzusetzen“, sagt Schäfer. „In Bonn gab es dann noch nicht mal eine
Einigung, wann es anfängt oder wie es gestaltet wird.“
Mehrere Beobachter*innen berichten zudem, dass die EU und andere
Industrieländer im Verhandlungstext nicht darauf verweisen wollten, dass
die UN-Klimakonferenz in Belém sich auf eine Verdreifachung der Zahlungen
für Klimaanpassung an den Globalen Süden geeinigt hat. Die meisten dieser
Länder kürzen derzeit ihre Gelder für Entwicklungszusammenarbeit.
„Deswegen haben die Verhandler*innen des Globalen Südens versucht, das
Thema Klimafinanzierung in den Verhandlungstext zum Anpassungsziel zu
bringen“, sagt Schäfer. Diese Dynamik – die Industrieländer wollen Verweise
auf konkrete Zahlungen vermeiden, ärmere Länder ohne Geldzusagen aber keine
Versprechen abgeben – zeigte sich auch in anderen Verhandlungsräumen.
## Fossiler Block griff Wissenschaft an
Entsprechend genervt war UN-Klimachef Simon Stiell am Donnerstagabend:
Verpflichtungen zur 1,5-Grad-Grenze, Klimafinanzierung und zur
Verdreifachung der Anpassungsgelder, auf die sich bereits geeinigt wurde –
„das ist die Grundlage.“ Aber in manchen Verhandlungsräumen „haben wir den
altbekannten Hang zum ‚du zuerst‘ gehört“, beschwerte sich Stiell.
„Gruppen, die Verpflichtungen nicht nachkommen wollen, außer andere bewegen
sich zuerst“ – das sei ein „Rezept für Stillstand“.
Für Besorgnis sorgten zudem Angriffe auf die wissenschaftliche Grundlage
der UN-Verhandlungen. „Saudi-Arabien und der fossile Block haben versucht,
Verweise zum Beispiel auf den Weltklimarat und Forschung zu Kipppunkten zu
verhindern“, berichtet Schäfer.
„Falls die Wissenschaft beiseitegeschoben wird, hilft das nur den fossilen
Interessen“, sagt Rachel Cleetus, Ökonomin und Teil der Vereinigung
besorgter Wissenschaftler*innen. „Die Wissenschaft kann uns informieren,
wie wir Menschen schützen können, und sagt uns, wie schnell wir die
CO2-Emissionen reduzieren müssen.“
## Elektrifizierungsziel angekündigt und gelobt
In Bonn setzte sich aber auch ein Trend fort, der die internationale
Klimadiplomatie voranbringen könnte: Zunehmend treiben freiwillige
Koalitionen der Willigen den Klimaschutz voran. Der türkische
Umweltminister Murat Kurum, Gastgeber der im Herbst stattfindenden
UN-Klimakonferenz in Antalya, kündigte ein Ziel für die Elektrifizierung
[2][der Wirtschaft] an. Demnach sollen Länder versprechen, ihre Industrie,
Heizungen, Autos und Züge bis 2035 zu 35 Prozent mit Strom zu betreiben.
Derzeit sind es etwa 20 Prozent.
Kurum will das Elektrifizierungsziel aber nicht in die offiziellen
UN-Verhandlungen aufnehmen, wo das Konsensprinzip eine Einigung
unwahrscheinlich macht. Stattdessen präsentiert er es als Teil der
sogenannten Action Agenda, die freiwillige Initiativen bündelt. „35 Prozent
sind nicht ambitioniert – China und Japan sind schon bei über 30 Prozent,
Deutschland noch bei 21“, sagt Laura Schäfer. „Aber es ist ein Signal in
die richtige Richtung und passt gut zu den bestehenden
Elektrifizierungszielen im Rahmen der aktuellen Energiekrise.“
Auch der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) begrüßte Kurums
Vorstoß. Das Elektrifizierungsziel sei „ein wichtiges Signal für die
internationale Energiewende“, sagte er. Schneider hofft: Die aktuelle
Erfahrung mit der Straße von Hormus, „also wie verwundbar die meisten von
uns für fossile Preisschocks sind, kann den entscheidenden Unterschied
machen“.
Wissenschaftlerin Cleetus mahnte allerdings, dass der Strom für die
Elektrifizierung aus Erneuerbaren kommen müsse, nicht aus Gas-, Öl- oder
Kohlekraftwerken. Schließlich gehe es nicht nur darum, mehr Strom aus
Erneuerbaren zu erzeugen, sondern „wir müssen [3][auch das Verbrennen
fossiler Brennstoffe herunterfahren]“.
19 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Jonas Waack
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