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       # taz.de -- Labour-Krise in Großbritannien: Starmer-Herausforderer Andy Burnham gewinnt Nachwahl
       
       > Andy Burnham hat die Nachwahl in Makerfield gewonnen. Mit seinem Einzug
       > ins britische Parlament dürfte es für Premierminister Keir Starmer eng
       > werden.
       
   IMG Bild: Gute Laune: Andy Burnham am Freitagmorgen nach der Wahl
       
       dpa | Dem britischen Premierminister Keir Starmer droht nach der Nachwahl
       im Kreis Makerfield mehr denn je das politische Aus. Wie die Auszählung in
       der Nacht ergab, gewann Starmers potenzieller [1][parteiinterner
       Herausforderer Andy Burnham] den vakanten Parlamentssitz des Bezirks. Als
       MP (Member of Parliament) kann Burnham nun den Premierminister in eine
       Führungswahl zwingen – und mit dem Rückhalt der Regierungspartei Labour
       ablösen.
       
       Dies könnte der „Wendepunkt“ sein, sagte Burnham in seiner Rede am frühen
       Morgen. „Ich werde alles geben, was ich habe, um dafür zu sorgen, dass der
       Name Makerfield für immer ein Synonym dafür ist, den Wandel herbeizuführen,
       den dieses Land braucht – und etwas zurückzubringen, das wir verloren
       haben: Hoffnung, Hoffnung auf die Zukunft.“
       
       Burnham holte in dem kleinen Wahlkreis, der normalerweise wenig mit der
       großen Politik in Westminster zu tun hat, 24.927 Stimmen und damit knapp
       10.000 Stimmen mehr als der Kandidat der rechtspopulistischen Partei Reform
       UK, Robert Kenyon (15.696). Die Wahlbeteiligung lag bei 58,78 Prozent, von
       den weiteren Kandidatinnen und Kandidaten holte niemand mehr als 3.200
       Stimmen.
       
       Seinen Posten als Bürgermeister von Greater Manchester gibt Burnham
       zugunsten des Labour-Parlamentssitzes auf. „Es wird keine zweite Chance
       geben, aber es ist jetzt eine Chance, aus diesem Ergebnis heute Nacht eine
       neue Politik aufzubauen, die auf Einheit und Hoffnung gründet“, sagte
       Burnham. Starmer erwähnte der Wahlsieger in seiner Rede nicht.
       
       ## London seit Monaten tief in der Krise
       
       Der amtierende Premierminister steht seit Monaten massiv unter Druck,
       mehrere Minister kehrten ihm bereits den Rücken – [2][zuletzt der
       einflussreiche Verteidigungsminister John Healey]. Schlagzeilen wie
       „Starmer am Abgrund“ oder „Das Chaos kehrt nach Westminster zurück“ häuften
       sich in den vergangenen Wochen in verschiedenen Abwandlungen.
       
       Zugespitzt hatte sich die Lage insbesondere durch die herben Verluste für
       Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und
       Wales Anfang Mai zugunsten von Reform UK. Einen Rücktritt oder zumindest
       die Ausarbeitung eines Zeitplans für einen geregelten Rückzug hat Starmer
       aber bislang ausgeschlossen. Der Premier verwies immer wieder auf seinen
       großen Wahlsieg im Sommer 2024 und den Auftrag, das Land aus der Krise zu
       führen.
       
       Entsprechend groß war die Hoffnung der Kritiker auf einen Nachwahlsieg von
       Burnham. Der charismatische 56-Jährige gilt als Liebling des moderat-linken
       Parteiflügels. In Manchester erarbeitete er sich den Ruf eines
       bodenständigen Machers mit Visionen. Vor knapp zehn Jahren hatte Burnham
       das Parlament nach einem gescheiterten Versuch, an die Parteispitze zu
       gelangen, verlassen. Jetzt gilt als sicher, dass er sehr bald den nächsten
       Versuch ankündigt.
       
       Um Starmer herauszufordern, benötigen Burnham und weitere mögliche
       Kandidatinnen und Kandidaten die Unterstützung von jeweils 20 Prozent der
       Labour-Abgeordneten, derzeit sind das 81. Dann würde eine Urabstimmung
       unter den Mitgliedern und weiteren Wahlberechtigten folgen. Als aktueller
       Vorsitzender stünde Starmer automatisch zur Wahl. Als weiterer Bewerber
       gilt der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting.
       
       ## Labour-Chaos spielt Gegnern in die Karten
       
       Die Führungswahl wäre allerdings nicht innerhalb weniger Tage erledigt –
       sondern folgt einem festen Prozess, der sich über Wochen oder gar Monate
       ziehen könnte. Weil dieser naturgemäß von einem parteiinternen Wahlkampf
       begleitet werden wird, spielt das Labour-Chaos vor allem auch den Gegnern
       im Parlament in die Karten. Reform UK, [3][die Partei von Brexit-Vorkämpfer
       Nigel Farage], macht seit Monaten Stimmung gegen die Regierung. Farage
       selbst hat kein Geheimnis daraus gemacht, selbst Premierminister werden zu
       wollen. Die nächste reguläre Unterhauswahl ist erst für 2029 vorgesehen.
       
       Dass ausgerechnet ein Bezirk im Nordwesten Englands plötzlich so
       entscheidend für die britische Zukunft wurde, hat nichts mit der Region an
       sich zu tun. Ausgelöst wurde die Nachwahl durch den Rücktritt des
       bisherigen Parlamentsabgeordneten Josh Simons, der nach den desaströsen
       Kommunal- und Regionalwahlen seinen Sitz räumte, um Burnham die Rückkehr
       nach Westminster zu ermöglichen und einen Führungswechsel bei Labour
       anzustoßen.
       
       Verbunden war das mit dem Risiko, dass Reform UK die Wahl gewinnen könnte –
       am Ende ging die Rechnung der Starmer-Gegner aber auf. Am Wahltag am
       Donnerstag wimmelte es in dem Bezirk von Wahlkämpfern aller Parteien.
       Farage klopfte Medienberichten zufolge an Türen, um die Menschen zur
       Stimmabgabe zu bewegen. Auch Burnham fuhr groß auf und machte auf den
       letzten Metern Werbung für sich.
       
       Gewonnen hat er Beobachtern zufolge nicht, weil er Labour angehört –
       sondern weil er als Typ beliebt ist. Auf die Frage, wo das Kreuzchen
       gesetzt wird, hieß es in Ashton-in-Makerfield, der größten Stadt des
       Wahlbezirkes, oft: Burnham oder Reform UK – aber kaum Labour oder Reform
       UK. „Hoffentlich Andy“ war das Motto vieler – offiziell auch von Starmer,
       der seinen Parteikollegen unterstützen musste. Stark gemacht hat er damit
       aber eben auch seinen jetzt größten Herausforderer.
       
       19 Jun 2026
       
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