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       # taz.de -- Rote-Karte-Skandal bei der WM: Mit Fußball hat das nichts zu tun
       
       > Nach einem Anruf von Donald Trump nimmt Fifa-Präsident Infantino die
       > Rotsperre für einen US-Spieler zurück. Dabei geht es um viel mehr als
       > Sport.
       
   IMG Bild: US-Stürmer Folarin Balogun musste nach seinem Foul im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina mit Roter Karte den Platz verlassen
       
       Vertraut nie dem ersten Eindruck! Dafür hat der Fußball den Videobeweis
       erfunden. Durch dessen Nachhilfe musste der US-Stürmer [1][Folarin Balogun]
       im Spiel gegen Bosnien und Herzegowina mit Roter Karte den Platz verlassen.
       Er hatte einem Gegenspieler in die Hacken getreten, mit den Stollen zuerst.
       Unstrittig ein Foul.
       
       Weil Balogun nun im Achtelfinale seines Teams gegen Belgien in der Nacht zu
       Dienstag gesperrt gewesen wäre, schritt die US-Administration zur Tat.
       Außenminister Marco Rubio verlangte ein „Einspruchsverfahren“, das Weiße
       Haus beauftragte Anwälte, und US-Präsident [2][Donald Trump] himself
       telefonierte mit Fifa-Boss [3][Gianni Infantino]. Ergebnis dieser höchst
       ungewöhnlichen Staatsintervention: Balogun darf spielen.
       
       Der Anschein legt nahe, der Fifa-Boss sei zum Befehlsempfänger des
       mächtigen US-Präsidenten geworden. Aber kann das sein? Ist nicht der erste
       der falsche Eindruck? Warum sollte der mächtige Fußballverband, der gerade
       das größte Turnier seiner Geschichte abhält und dem es bei den meisten
       Weltmeisterschaften gelungen ist, gastgebende Staaten zur Abtretung
       hoheitlicher Rechte und zu Steuerfreiheit für sich und seine Sponsoren zu
       zwingen, ausgerechnet in seinem Kernbereich, dem Fußballregelwerk, zur
       Marionette eines Donald Trump schrumpfen?
       
       Trumps Interesse an der Intervention ist klar: Er will seiner Klientel
       zeigen, dass er das, was er für amerikanische Interessen hält, brutal und
       effizient durchsetzen kann. Doch auch Infantino hat Interessen an
       Nordamerika, dessen Fußballmarkt im Fifa-Sinne noch keineswegs voll
       erschlossen ist. Was TV-Rechte und andere Vermarktungsoptionen angeht,
       haben die Fifa-Strategen mit den USA große Pläne.
       
       Da kommt ihnen Trump entgegen, der seinen Kulturkampf ja auch gegen die
       hegemonialen Sportarten der USA führt: Die [4][Basketballer der NBA] hasst
       er, weil sie sich für die Rechte von Schwarzen starkmachen, und die
       Football-Liga NFL hat er wissen lassen, sie solle sich einen [5][neuen
       Namen] überlegen, der bisherige werde für den europäischen Fußball
       gebraucht. Der will auch in Amerika Number One werden.
       
       Gianni Infantino ist also nicht bei Trumps bizarrem Anruf eingeknickt,
       sondern die beiden üben sich in einem [6][Schulterschluss]: Jeder verfolgt
       erfolgreich seine Interessen, und dass sie dabei manchmal recht lächerlich
       aussehen, ist der Preis der Macht.
       
       Mit Fußball, den Milliarden Menschen lieben, hat das selbstverständlich
       nichts zu tun. Wie das Spiel der USA gegen Belgien ausgehen wird, ist dabei
       nicht von Belang. Leider.
       
       6 Jul 2026
       
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