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       # taz.de -- EU-Gipfel: Merz gegen Handelskrieg mit China und Dialog mit Russland
       
       > Auf dem EU-Gipfel in Brüssel gab es Streit über den richtigen Kurs in der
       > Außen- und Wirtschaftspolitik. Schnelle Lösungen zeichnen sich nicht ab.
       
   IMG Bild: EU-Gipfel in Brüssel, 19. Juni: António Costa und Friedrich Merz auf dem Weg zu Beratungen
       
       In der EU ist ein Streit über die Russland- und China-Politik entbrannt.
       Bei einem Gipfeltreffen in Brüssel wies Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       den Plan von EU-Ratspräsident António Costa zurück, einen diplomatischen
       Draht zum Kreml in Moskau aufzubauen. Zudem blockte Merz den Vorstoß
       mehrerer EU-Länder ab, wegen der chinesischen Handelsüberschüsse härter
       gegen China vorzugehen. Einen Handelskrieg dürfe es nicht geben, hieß es.
       
       [1][Der Streit über China zeichnete sich schon zu Beginn des zweitägigen
       Gipfeltreffens ab]: Merz vermied es, China beim Namen zu nennen, und sprach
       vage von „geoökonomischen Ungleichgewichten“. Damit sind die massiven
       Defizite gemeint, die Deutschland und die meisten EU-Länder mittlerweile im
       Handel mit China einfahren. „Die Bedrohung ist systemischer Natur“, warnt
       Industriekommissar Stéphane Séjourné – und fordert Gegenwehr.
       
       Doch Deutschland und Spanien haben harte Gegenmaßnahmen wie [2][Strafzölle
       nach US-Vorbild] vorerst abgeblockt. Der „konstruktive Dialog mit unseren
       wichtigsten Wirtschaftspartnern“ müsse fortgesetzt werden, sagte ein
       EU-Vertreter. Europa könne in einen „Währungsdialog“ mit China eintreten,
       schlug Merz vor. Die EU-Kommission wurde beauftragt, weitere
       Schutzmaßnahmen auszuarbeiten. Man werde aber weiter das Gespräch mit
       Peking suchen.
       
       ## Merz verärgert über Costas Vorstoß in Moskau
       
       Keinen Dialog soll es hingegen mit Moskau geben – jedenfalls, wenn es nach
       Deutschland und den baltischen Staaten geht. Merz zeigte sich verärgert
       über einen Vorstoß von Ratspräsident Costa. Der Portugiese hatte seinen
       Kabinettschef Pedro Lourtie ohne Absprache mit den EU-Chefs beauftragt,
       diplomatische Kanäle zum Kreml zu öffnen. Dabei sei es aber nicht um
       inhaltliche Absprachen oder gar Verhandlungen gegangen, betonte Costa.
       
       Costas Vorstoß sei „unprofessionell“ und ein „Affront“, hieß es in
       deutschen Regierungskreisen. Außerdem sei jetzt noch nicht der richtige
       Zeitpunkt für Gespräche. Dies meinen auch die Balten. „Es macht keinen
       Sinn, diplomatische Kanäle zu unterhalten, wenn es keinen Grund für
       Gespräche gibt“, erklärte der lettische Ministerpräsident Andris Kulbergs.
       „Es sollte nicht ein einzelnes ‌Land geben, das diese Rolle übernimmt“,
       fügte er hinzu.
       
       Das richtet sich gegen Frankreich, das bereits einen Unterhändler nach
       Moskau geschickt hat – aber auch gegen Deutschland, das in der Ukraine- und
       Russland-Politik eine Führungsrolle beansprucht. [3][Berlin und Paris
       arbeiten zudem mit London in der sogenannten E3-Gruppe an einer möglichen
       Friedenslösung für die Ukraine]. Das beunruhigt Polen und Italien, die
       dabei sein wollen – aber auch die kleineren EU-Länder, die bisher gar keine
       Rolle spielen.
       
       Eine Lösung wurde beim EU-Gipfel nicht gefunden. Die EU fordert zwar eine
       „Schlüsselrolle“ bei möglichen Ukraine-Gesprächen. Auf einen Namen oder
       eine Verhandlungsstrategie konnte man sich jedoch nicht einigen. Statt auf
       Diplomatie setzen die 27 EU-Staaten auf mehr Druck – und mehr Sanktionen
       gegen Russland. Das 21. Sanktionspaket ist in Arbeit. Die bestehenden
       Sanktionen wurden um ein Jahr verlängert, und nicht wie sonst nur um sechs
       Monate.
       
       ## Streit um EU-Beitritt der Ukraine
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde auch diesmal wie ein
       Held empfangen, trotz der [4][aktuellen ukrainischen Angriffe auf die
       russische Ölindustrie]. Auch der Streit über den EU-Beitritt konnte die
       Stimmung nicht trüben. Selenskyj will schon 2027 in die EU, Merz und andere
       bremsen. [5][Die „historischen“ Beitrittsgespräche] waren am Montag formell
       eröffnet worden. Normalerweise dauern sie viele Jahre.
       
       Bisher ist die EU selbst nicht auf Zuwachs vorbereitet. Vor allem fehlt das
       Geld. Erste Beratungen über das Budget für 2028 bis 2034 in Höhe von fast
       zwei Billionen Euro waren am Freitag nicht von Erfolg gekrönt. „Der auf dem
       Tisch liegende Vorschlag ist deutlich zu hoch“, sagte Merz. Andere
       EU-Staaten wollen aber mehr Geld. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht, dabei
       drängt die Zeit: Merz fordert eine Einigung bis Jahresende. Das dürfte
       schwierig werden, Insider halten es sogar für unmöglich.
       
       19 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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