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       # taz.de -- Parteitag der Linkspartei: Krönung mit Schlagschatten
       
       > Die GenossInnen bereiten Jan van Aken einen tränenreichen Abschied – und
       > wählen Luigi Pantisano mit miserablen 53 Prozent zum neuen Co-Parteichef.
       
   IMG Bild: Jan van Aken (v. l. n. r.) geht, Luigi Pantisano kommt und Ines Schwerdtner bleibt
       
       Als es 2024 ganz finster für die Linkspartei aussah, wollte sich Parteichef
       Jan van Aken nackt an das Brandenburger Tor hängen. Damit die Partei
       wenigstens mal wieder wahrgenommen würde.
       
       Das erzählt [1][Ines Schwerdtner] in einer launig sentimentalen
       Abschiedsrede beim Parteitag in Potsdam. [2][Van Aken] (65) geht. „Ich höre
       auf, damit es mir in zehn Jahren auch noch gut geht“, sagt er. Es ist ein
       gefühlvoller Abschied.
       
       „Mein Traum ist eine sozialistische Volkspartei“, sagt van Aken und mahnt:
       „Der Hype wird nicht bleiben.“ Van Aken gibt seiner Partei, die sehr
       schnell viel jünger und größer geworden ist, etwas auf den Weg – streiten,
       aber mit Freundlichkeit. Man müsse „andere Sichtweisen auch mal aushalten“.
       
       Das ist nötig, denn die mitunter ideologiegetriebenen Debatten in der
       Potsdamer Metropolis-Halle klingen auch mal gereizt. Der Ex-Parteichef lobt
       überschwänglich die Zusammenarbeit mit seiner bisherigen Co-Vorsitzenden.
       „Für mich waren das die krassesten zwei Jahre meines Lebens, dafür danke
       ich euch“, sagt er zum Abschied. Als er von der Bühne abtritt, schießen
       Schwerdtner die Tränen in die Augen.
       
       Schwerdtner war früher Chefredakteurin des linken Magazins Jacobin. In die
       Linkspartei ist sie erst vor drei Jahren eingetreten. Jetzt verkörpert sie
       die Kontinuität an deren Spitze.
       
       Als van Aken vor ein paar Wochen ankündigte, nicht mehr zu kandidieren,
       präsentierte die Parteispitze flugs den Nachfolger: Luigi Pantisano. Das
       fanden nicht alle GenossInnen gut. Dieses Top-down-Verfahren passe nicht zu
       einer basisdemokratischen Mitmachpartei. Allerdings kristallisierte sich
       dieser aufflackernde Unmut nicht zu einer machtpolitischen Alternative. So
       gibt es in Potsdam keine Gegenkandidaten zu Schwerdtner und Pantisano.
       
       Allerdings rumpelt es am Samstag beim Parteitag auf eine für die neue Linke
       typische Art. Man zofft sich ausgiebig um das Prozedere. Sollen Schwerdtner
       und Pantisano sich sieben Minuten lang vorstellen dürfen – oder nur vier?
       Vier Minuten würden für „Parteifunktionäre“ doch reichen, so ein
       Delegierter.
       
       So stimmt der Parteitag am Ende wirklich ab, ob das neue ChefInnenduo vier
       oder sieben Minuten reden darf. Der Dauerfight zwischen selbst ernannten
       Basisvertretern und der mitunter überfordert wirkenden Tagungsleitung
       kostet Nerven – und Zeit.
       
       Schwerdtner umreißt in sieben Minuten knapp ihre Ideen – „raus aus der
       Blase, rein in die Betriebe“. Merz exekutiere „den größten Sozialraub seit
       der Agenda 2010 und eine kalte Kürzungspolitik“. Der Job der Linkspartei
       sei es, dagegen Widerstand zu organisieren.
       
       ## Ein Ergebnis fast wie ein Misstrauensantrag
       
       Luigi Pantisano bläst ins selbe Horn. Der Partei müsse Sprachrohr der
       Wütenden sein. Der 46-Jährige, von Beruf Architekt und Stadtplaner, gehört
       dem Bundestag seit dieser Legislaturperiode an. Zuvor war er
       wissenschaftlicher Mitarbeiter des früheren Linken-Chefs [3][Bernd
       Riexinger]. Bis zu seinem Wechsel in den Bundestag lag sein politischer
       Schwerpunkt allerdings als Mitglied des Stuttgarter Gemeinderats auf der
       Kommunalpolitik.
       
       Mit Pantisano steht erstmalig ein Mensch mit Migrationsgeschichte an der
       Spitze der Linkspartei. Seine Eltern kamen in den 1960er Jahren aus Italien
       als sogenannte GastarbeiterInnen nach Deutschland. Seine Herkunft ist
       Pantisano wichtig. „Meine Eltern haben ihr Leben lang hart gearbeitet,
       damit ihre Kinder es einmal besser haben“, sagt er in seiner
       Bewerbungsrede. „Von ihnen habe ich das Kämpfen gelernt, deswegen
       kandidiere ich für den Parteivorsitz.“
       
       In seiner etwas hölzernen Rede ruft er: „Machen wir die Themen der Arbeiter
       und Arbeiterinnen zu unserem Programm.“ Und: „Ich will die Werkstore für
       die Linke weit aufstoßen.“ Allerdings verhaspelt er sich mehrmals leicht
       und kommt mit 7 Minuten Redezeit nicht aus, sodass ihm das Mikrofon
       abgedreht wird. Der Applaus bleibt mäßig.
       
       Schwerdtner bekommt 85,7 Prozent, Pantisano nur 53,3 Prozent. Das Ergebnis
       ist fast ein Misstrauensantrag gegen den neuen Chef. Wahrscheinlich hat der
       allgemeine Basisunmut eine Rolle gespielt: Pantisano war das Ventil. Die
       Inthronisierung von oben hat auch nicht geholfen.
       
       Außerdem hatte Pantisano in einem Bild-Interview die CDU in die Nähe der
       Faschisten gerückt. Das kam bei dem östlichen Teil der Linkspartei nicht
       gut an. In Sachsen-Anhalt droht im September eine absolute Mehrheit der
       AfD. Da sind Feinderklärungen Richtung CDU mindestens ungeschickt.
       
       Aber die Herzen jener, die grundsätzlich jegliche Regierungsbeteiligung
       ablehnen, gewinnt Pantisano auch nicht. Über Regierungsbeteiligungen
       entscheiden „die Genossinnen und Genossen vor Ort in den Ländern“, sagt er
       in der Befragung nach seiner Rede.
       
       „Ihr werdet mit mir weiter Polarisierung bekommen“, hatte der neue Co-Chef
       in seiner Rede angekündigt. Das war allerdings vor seinem miesen
       Wahlergebnis.
       
       20 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Pascal Beucker
   DIR Stefan Reinecke
       
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