# taz.de -- Parteitag der Linken: Wer ist neu im Vorstand?
> Der Bundesparteitag der Linken in Potsdam hat neue Mitglieder in den
> Vorstand gewählt. Wir stellen drei von ihnen vor.
IMG Bild: Karten heben für den Sozialismus: Linken-Parteitag in Potsdam
Die Linkspartei hat tausende neue Mitglieder – und wählt diese auch an die
Schaltstellen der Macht. Das zeigt der Bundesparteitag, der dieses
Wochenende in Potsdam stattfindet. Rund ein Viertel der Delegierten dort
ist neu, 53 Prozent sind weiblich. In den 26-köpfigen Vorstand wurden –
neben der Führung aus Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano – interessante
neue Mitglieder gewählt.
Eine der neuen Vize-Vorsitzenden ist Wenke Brüdgam, ehemalige
Gleichstellungsbeauftragte aus Mecklenburg-Vorpommern. Die heute 42-Jährige
ist schon mit 16 in die Partei – damals noch PDS – eingetreten und vor 17
Jahren das erste Mal in einen Kreistag gewählt worden. „Ich war sehr jung,
weiblich und für viele offensichtlich am falschen Platz“, sagt sie bei
ihrer Antrittsrede, die sie symbolisch auf drei Minuten begrenzt, „denn
alle drei Minuten erlebt eine Frau oder ein Mädchen häusliche Gewalt“.
Die Politikwissenschaftlerin, die parteiintern nicht sehr bekannt ist, ist
für den Vorstand angetreten, weil sie ihr Bundesland „mit einer starken
Stimme“ vertreten und Feminismus voranbringen will. „Wenn die nächste
Hebamme 40 Kilometer entfernt ist, wenn ein Frauenhaus um Finanzierung
kämpft oder eine alleinerziehende Mutter zwischen Job und Pflege
aufgerieben wird, dann ist das keine Debatte über Identitätspolitik, dann
ist das eine soziale Frage, eine konkrete feministische Frage“, sagt sie
und erntet lauten Applaus.
Nach den Stalin-, Honecker- und [1][„Israel verrecke“-Aussagen] in der
Linksjugend Solid, über die der Bayerische Rundfunk kurz vor dem Parteitag
berichtet hatte, findet sie: „Da sollte man über Ausschlüsse nachdenken.“
Die Verherrlichung der DDR und von Stalin einiger Solid-Mitglieder bereitet
der 1984 in Rostock geborenen Brüdgam „großen Schmerz“. Man dürfe „nichts
glorifizieren, was dieser Staat getrieben hat, und gleichzeitig darf man
die Lebenserfahrungen der Menschen nicht abwerten“, sagt sie der taz.
Auf die Frage, wie sie zu Waffenlieferungen an die Ukraine steht, sagt
Brüdgam, die dem Reformer-Lager der Partei zugerechnet wird: „Grundsätzlich
finde ich, dass wir die Ukraine dabei unterstützen müssen, sich zu
verteidigen.“ Die Zustimmung der Linken in MV zur Aufrüstung fand sie aber
nicht gut.
Bundesweite Bekanntheit erlangte Brüdgam, als sie Ende vergangenen Jahres
Deutschlandfahnen abgerissen und das in einem Video gepostet hatte.
[2][Ihren Job als Gleichstellungsbeauftragte musste sie danach aufgeben.]
„Ich brauchte echt einen Moment, um mich zu schütteln“, sagt sie
rückblickend. „Aber nach fünf Tagen saß ich wieder im Bildungsausschuss
meines Kreistages.“ Jetzt hat der Parteitag sie mit 66,7 Prozent zur
Vizevorsitzenden gewählt.
Das Erste, was sie in ihrer neuen Position besprechen will, ist, wie mit
der Linken eine AfD-Regierung im Osten verhindert werden kann – ohne dass
die Partei dabei ihr Profil verliert. Das heißt für sie notfalls auch:
Minderheitsregierung oder Kooperation mit der CDU.
## Auf keinen Fall mit der CDU
Eine spannende Personalie im erweiterten Vorstand ist Marlen Borchardt, die
es bei der Stichwahl geschafft hat. Denn sie will die basisdemokratische
Perspektive stärken. „Wie weit geht in der Linken die Organisierung von
unten? Da will ich mitreden“, sagt sie der taz zu ihrer Motivation. Die
27-jährige Soziologin ist seit 2020 in der Partei und seit 2024 aktiv. Bei
der Landtagswahl hat sie die erfolgreiche Kampagne für den Leipziger
Direktkandidaten Nam Duy Nguyen geleitet. Dafür habe man an 50.000
Haustüren geklopft.
Seitdem versucht sie, eine Basisorganisation aufzubauen, die das Mandat mit
dem Abgeordneten zusammen ausübt. „Bei uns in Leipzig-Ost sind wir ungefähr
50 Leute.“ Das Tagesgeschäft liege zwar bei Nam Duy Nguyen, aber „über die
großen Linien“ solle die Basis abstimmen. „Sie haben das Mandat ja
erkämpft, er ist nur derjenige, der es ausführt.“
Mitregieren findet Borchardt, die in Sachsen-Anhalt geboren wurde und
palästinasolidarisch eingestellt ist, falsch. „Wenn es zum Verhindern einer
AfD-Regierung nötig ist, eine Minderheitsregierung zu tolerieren, muss das
unter den Bedingungen der Linken passieren“, sagt sie. Da müssten vorher
klare „Dealbreaker“ formuliert werden. Wie Brüdgam findet sie das
wichtigste Thema für den Vorstand die anstehenden Wahlen im Osten. „Ich
will darüber sprechen, wie wir die noch drehen können und wie man als Linke
über Wahlen gesellschaftliche Macht aufbauen kann.“
## Für einen neuen Sicherheitsbegriff
Neben ihr amtiert [3][Mersedeh Ghazaei] im erweiterten Vorstand. Sie ist 29
Jahre, studierte Anglistin und Pädagogin und erst vor zwei Jahren in die
Partei eingetreten. Bei der Wahl in Baden-Württemberg trat sie als
Spitzenkandidatin an, doch die Linke verpasste den Einzug in den Landtag
knapp.
Den bisherigen Fokus der Linken auf Sozialpolitik findet Ghazaei richtig.
„Aber was ist mit Faschismus? Was ist mit der Wehrpflicht?“, fragt sie im
Gespräch mit der taz und verweist auf ihren Antrag an den Parteitag, einen
neuen Sicherheitsbegriff zu etablieren, der die Sicherheit von
Migrant*innen und Frauen beinhaltet. Dazu eine große Konferenz zu
organisieren, das sei ihr erstes Ziel im Parteivorstand.
Mit der CDU würde sie auf keinen Fall regieren. Wer das denke, spucke
„allen Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte ins Gesicht“. Zum
Skandal bei Solid sagt sie: Posts wie „Israel verrecke“ seien „nicht links“
und da brauche es eine Aufarbeitung. Einen Ausschluss der Mitglieder
fordert sie allerdings nicht.
Nicht gewählt wurden zwei Kandidatinnen, die in der Nahost-Frage für die
äußersten Pole in der Partei stehen: die Kurdin Hannah Deniz Akgül,
Solid-Vorsitzende aus dem Saarland vom antiautoritären Flügel des
Linken-Nachwuchses, die sich laut ihrer Bewerbung gegen die „autoritäre
Wende“ – [4][auch in der eigenen Partei –] stellt. Auch nicht geschafft hat
es Nicolette Naumann, Sprecherin der AG Palästinasolidarität, die sich in
ihrer Bewerbungsrede für einen Boykott von Israel ausgesprochen hat.
21 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Linkspartei-und-Nahost-Konflikt/!6188694
DIR [2] /Gleichstellung-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6135678
DIR [3] /Linke-in-Baden-Wuerttemberg/!6117944
DIR [4] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/israel-verrecke-was-die-linksjugend-intern-schreibt,VMiIbZZ
## AUTOREN
DIR Lotte Laloire
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