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       # taz.de -- Die Wahrheit: Der hässlichste Fahnenmast der Welt
       
       > In Dublin rätselt man über den richtigen Umgang mit einem unpassend
       > geschmückten Wahrzeichen. Bombensichere Tipps dazu könnte die IRA geben.
       
       Wie wird man eine Fahne los, die an der falschen Stelle weht? Damit
       beschäftigt sich der Dubliner Stadtrat seit vergangenem September. Damals
       haben Unbekannte eine palästinensische Flagge mit der Aufschrift „Stop
       Genocide in Gaza“ am 120 Meter hohen Spire angebracht, vermutlich mitilfe
       einer Drohne.
       
       Der Spire, der offiziell „Monument of Light“ heißt, ist eine
       Edelstahlnadel, die seit 2003 auf Dublins Hauptstraße, der O’Connell
       Street, steht. Eigentlich sollte sie zur Jahrtausendwende fertiggestellt
       sein, aber Pünktlichkeit war noch nie eine irische Tugend. Die Dubliner
       haben sich immer noch nicht mit dem Wahrzeichen angefreundet und ihm den
       Spitznamen „Stiletto im Ghetto“ verpasst. 2021 ist die Nadel bei einer
       europaweiten Umfrage auf dem fünften Platz der hässlichsten Monumente
       gelandet.
       
       Daran ändert auch die Verzierung mit der Fahne nichts. Ein Ingenieur der
       Stadtverwaltung sagte: „Derzeit gibt es keine Methode, Objekte in dieser
       Höhe vom Turm zu entfernen.“ Man habe alles Mögliche in Betracht gezogen,
       darunter einen „300-Tonnen-Kran“, doch „Kosten und Beeinträchtigungen“
       stünden in keinem Verhältnis zum Problem. „Hinzu kommt, dass jemand eine
       weitere Flagge auf dem Spire anbringen könnte“, sagte der Ingenieur. Aber
       die irische Luftfahrtbehörde könnte die Gegend zur roten Zone für Drohnen
       erklären, überlegte er: „Dann könnte man einen Spezialisten für einen
       Außenklettereinsatz beauftragen.“ Spiderman vielleicht?
       
       ## Nähen für Irland
       
       Mein Schwiegervater John Lyons hatte mir eine Geschichte über eine andere
       Fahne erzählt – die irische Trikolore. Er war neun Jahre alt, als der
       Osteraufstand gegen die britischen Besatzer 1916 scheiterte. Sein Bruder
       Mick, der sechs Jahre älter war, trat 1917 der Irisch-Republikanischen
       Armee (IRA) bei. Jeden Samstag schlich er sich nachts mit einer
       gigantischen irischen Fahne aus dem Elternhaus in einem Dorf an der
       Westküste. „Zur Sonntagsmesse hing die Fahne dann an einem Baum vor der
       Kirche, wo das ganze Dorf sie sehen konnte“, erzählte mir John. „Genauso
       schnell kassierte die Polizei das Ding jedoch wieder ein. Mick war
       pausenlos mit Nähen beschäftigt.“
       
       Eines Tages gelang es ihm, die Fahne auf die Spitze des höchsten Baums im
       Dorf zu stecken. „Der Dorfpolizist war zu fett, um hinaufzuklettern“, sagte
       John. „Er besorgte eine Leiter und einen Stock, an dessen Ende er einen
       ölgetränkten Lappen band. Damit wollte er die Fahne verbrennen.“ Das gelang
       ihm auch, aber der Baum brannte dabei unter dem Hohngelächter der
       Kirchgänger komplett ab.
       
       Wäre das nicht eine Lösung für den Spire? Er brennt zwar nicht, aber man
       könnte ihn sprengen, wie es die IRA 1966 mit der Nelson-Säule gemacht hat,
       die damals an derselben Stelle wie der Spire stand. Dann wäre die
       Palästina-Fahne weg, und die Dubliner wären das ungeliebte Wahrzeichen los.
       
       22 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
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