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       # taz.de -- Großbritanniens Premier in der Krise: Tritt Starmer am Montag zurück?
       
       > Laut einem Zeitungsbericht könnte Premier Starmer schon zu Wochenbeginn
       > zurücktreten. Unklar ist, wie schnell eine Nachfolge geregelt würde.
       
   IMG Bild: Viele Gespräche geführt am Wochenende: Premierminister Keir Starmer
       
       Großbritannien steht vor einem Machtwechsel. Wie die Labour-nahe
       Sonntagszeitung Observer und weitere gut informierte Journalisten in der
       Nacht zum Sonntag berichteten, erwägt Premierminister Keir Starmer, am
       Montag seinen Rücktritt anzukündigen. Dies folgt auf den unerwartet hohen
       [1][Wahlsieg seines innerparteilichen Kontrahenten Andy Burnham] bei der
       Nachwahl zum Parlament im Wahlkreis Makerfield bei Manchester am
       Donnerstag.
       
       Burnham, bisher Bürgermeister des Großraums Manchester, holte den bereits
       von Labour gehaltenen Wahlkreis mit 54,8 Prozent, deutlich mehr als bei der
       Parlamentswahl 2024. Vor allem aber war es ein Vorsprung von über 20
       Prozentpunkten gegenüber den Rechtspopulisten von „Reform UK“, die
       eigentlich in dieser Region die stärkste Kraft sind. Burnham gilt nun als
       Hoffnungsträger für Labour, um bei den nächsten Parlamentswahlen spätestens
       2029 ein Debakel zu vermeiden.
       
       Am Montag wird Burnham nach London reisen, um im Parlament als Abgeordneter
       vereidigt zu werden. Ab diesem Zeitpunkt kann er eine Neuwahl der
       Labour-Parteiführung einfordern, vorausgesetzt, er wird darin von
       mindestens einem Fünftel der Parlamentsfraktion unterstützt, die 403
       Abgeordnete zählt. Berichten zufolge unterstützt bereits über die Hälfte
       der Fraktion eine solche Neuwahl, ebenso ein Großteil der Regierung. Auch
       Außenministerin Yvette Cooper hat laut dem Sender Sky Starmer den Rücktritt
       nahe gelegt.
       
       Wirtschafsminister Peter Kyle räumte gegenüber der BBC ein: „Ich möchte
       hier nicht so tun, als gäbe es keinen Prozess, keine Kräfte, die den
       Premierminister als Parteivorsitzenden herausfordern – das ist ganz klar
       der Fall.“
       
       Sollte Burnham zögern, könnte ein anderer Nachfolgekandidat das
       Neuwahlverfahren anstoßen.[2][ Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting steht
       dafür schon bereit.]
       
       ## Rückzug nach Chequers
       
       Starmer zog sich am Freitag nach Chequers zurück, dem Landsitz aller
       Premierminister außerhalb Londons. Er wollte dort am Wochenende über seine
       Zukunft nachdenken, hieß es. Den Berichten zufolge telefonierte er reihum
       mit Ministern, Gewerkschaftsführern und Parteispendern und beriet sich mit
       Freunden. Die Gespräche waren für ihn offenbar ernüchternd. Bisher hatte er
       immer betont, eine Neuwahl der Parteiführung sei eine Ablenkung von den
       Problemen des Landes, und falls es doch eine gäbe, werde er um sein Amt
       kämpfen. Dafür hat er nun offenbar weniger Rückhalt gefunden, als er
       hoffte.
       
       „Ich glaube, er sieht die Realitäten: Chaos zu verhindern, wie er es
       ausdrückt, ist jetzt nicht möglich, wenn er bleibt“, [3][zitiert der
       Observer einen Vertrauten]. „Es bleibt nur eine Option. Ich glaube, er
       sieht ein, dass das seine Pflicht ist, für das Land und die Partei.“
       Labour-Fraktionschef Jonathan Reynolds sagte, die Parlamentsfraktion wolle
       einen „geordneten Übergang“.
       
       ## Abtritt vor dem Nato-Gipfel?
       
       Es wird erwartet, dass Starmer nicht einfach zurücktritt, sondern sein Amt
       zur Disposition stellt und geht, sobald die Nachfolge geklärt ist. Eine
       förmliche Neuwahl der Labour-Parteiführung mit mehreren Kandidaten könnte
       die komplette Sommerpause in Anspruch nehmen. Falls aber die verbreitete
       Stimmung, ein schneller Wechsel sei sowohl wünschenswert als auch sinnvoll,
       sich durchsetzt, und niemand Burnham herausfordern will, könnte Starmer
       noch in der kommenden Woche das Amt niederlegen – rechtzeitig vor dem
       Nato-Gipfel am 7. und 8. Juli in der Türkei und dem
       EU-Großbritannien-Gipfel am 22. Juli. Beides Termine, bei denen die
       britische Regierung Klarheit über ihre Verteidigungspolitik und ihr
       Verhältnis zu Europa schaffen muss.
       
       Was Burnham in diesen beiden Politikbereichen vorhat, sagt er bisher nicht.
       Aber eine Amtsübergabe von Starmer zu Burnham wäre mehr als ein
       Personalwechsel. Viele Labour-Politiker insbesondere vom linken
       Parteiflügel unterstützen Burnham. Starmers strenge Sparpolitik, die mit
       sozialen Härten einherging, wurde bisher von Finanzministerin Rachel Reeves
       verantwortet, die als eine der ganz wenigen Spitzenpolitikerinnen weiter zu
       Starmer steht – ob sie bleibt oder geht, wird der wichtigste Indikator für
       einen Politikwechsel sein.
       
       ## Mandelson-Vertraute setzen auf Burnham
       
       Es gibt auch Figuren im Umfeld des [4][in Ungnade gefallenen ehemaligen
       Spitzenpolitikers Peter Mandelson], die auf Burnham als Chance setzen,
       ihren Einfluss innerhalb der Partei zurückzugewinnen – anders als Starmer
       saß Burnham gemeinsam mit Mandelson in der Regierung des letzten
       Labour-Premierministers Gordon Brown vor 2010.
       
       Bei einer raschen Machtübergabe steht die erste Bewährungsprobe für Burnham
       bereits fest. Am 30. Juli wird sein Nachfolger als Bürgermeister des
       Großraums Manchester gewählt. Sollte Labour dieses wichtige Amt, das
       Burnhams Sprungbrett nach ganz oben ist, an Reform UK verlieren, wäre der
       Lack ganz schnell wieder ein Stück abgeplatzt.
       
       21 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Nachwahlen-Grossbritannien/!6189058
   DIR [2] /Regierungskrise-in-UK/!6178999
   DIR [3] https://observer.co.uk/news/politics/article/starmer-expected-to-resign-on-monday-and-set-out-orderly-exit
   DIR [4] /Mandelson-Affaere-in-Grossbritannien/!6172691
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Dominic Johnson
       
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