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       # taz.de -- Domiziana Performance: 59 Mal Intimität auf Knopfdruck
       
       > Mit einer Schaufenster-Performance hinterfragt die Hyperpop-Künstlerin
       > Domiziana die permanente Verfügbarkeit von Musik im Streaming-Zeitalter.
       
   IMG Bild: Hyperpop-Künstlerin Domiziana: Neue Single „Haut an Haut“
       
       Wie oft kann man in vier Stunden einen dreiminütigen Track performen? 59
       Mal. Genau das hat Domiziana am Freitagnachmittag in einem Schaufenster an
       der Skalitzer Straße in Kreuzberg bewiesen. Die deutsch-italienische
       Hyperpop-Künstlerin sitzt auf einem Stuhl in einem grell erleuchteten
       weißen Raum. Ihre dunklen Haare kleben an ihrer verschwitzten Stirn, sie
       atmet schwer, ihre Wangen glühen. 3 Stunden 33 zeigt eine Stoppuhr hinter
       ihr in großen roten Zahlen an. Noch 37 Minuten.
       
       Für die Veröffentlichung der Single „Haut an Haut“, die am Freitag
       erschienen ist, wagt die Popmusikerin eine ungewöhnliche Inszenierung.
       Statt klassischer Release-Party setzt sie auf eine vierstündige
       Live-Performance hinter Glas.
       
       Der Laden an der Ecke Köpenicker Straße ist mit schwarzer Plastikfolie
       abgedeckt, nur das Schaufenster bleibt sichtbar. Dahinter sitzt Domiziana à
       la Marina Abramović wie eine Puppe mit ausdrucksloser Miene auf einem
       Stuhl. Vor der Scheibe steht ein roter Buzzer mit der Aufschrift: PRESS
       PLAY – eine Anspielung auf [1][die Abruflogik von Streaming-Diensten].
       Drücken Passant:innen den Button, macht sich die 29-Jährige
       konsumierbar: springt auf, räkelt sich auf dem Stuhl, tanzt eine
       Choreografie zu ihrer neuen Single, die von der Suche nach Intimität und
       der Angst davor erzählt.
       
       Ziel des Experiments ist es, die Verfügbarkeit und den Konsum von Popmusik
       in Zeiten des flüchtigen Online-Entertainments zu hinterfragen: Reduziert
       die ständige Verfügbarkeit Kunst auf ein Produkt? [2][Hören wir Musik oder
       konsumieren wir sie nur noch?] Und: Was passiert, wenn die ständige
       digitale Verfügbarkeit ins echte Leben geholt wird? Die Antwort der
       Künstlerin: „Die Kunst bleibt menschlich imperfekt.“
       
       Obwohl der PRESS-PLAY-Button eine scheinbar perfekte Reproduzierbarkeit der
       Performance verspricht, gleiche keine Aufführung von „Haut an Haut“ der
       anderen, so die Wahlberlinerin. „Kein Blick zum Publikum, keine Bewegung in
       der Choreografie, kein Ton, keine Betonung sind eine perfekte Wiederholung
       des Moments davor.“
       
       Hyperpop steht für das genaue Gegenteil: verzerrte Stimmen, überdrehte
       Synthesizer, Autotune und ein gewollt künstlich-digitaler Sound. Das Genre
       lebt von viralen Trends und den sozialen Medien. Auch Domiziana hatte 2022
       ihren Durchbruch mit dem Hyperpop-Hit „Ohne Benzin“, der auf TikTok viral
       ging, Tausende luden Tanzvideos dazu hoch.
       
       ## Ein persönlicher Moment zwischen Künstlerin und Publikum
       
       Während Domizianas Online-Persona über Social Media permanent verfügbar
       ist, sich liken oder scrollen lässt, will sie mit der Performance testen,
       was passiert, wenn ein Song plötzlich kein perfektes Fertigprodukt mehr
       ist, sondern ein persönlicher Moment zwischen Künstlerin und Publikum. Den
       Zuschauenden soll bewusst werden, [3][was hinter einem jederzeit
       abrufbereiten Track steckt]: Wochen gefüllt mit Proben, Produktion und
       Training, verschwitzte Tanzstunden, stundenlange Sessions im Studio,
       seitenlange Notizen mit spontanen Anmerkungen.
       
       Bei den Fans scheint das anzukommen: Während die U1 über die Schienen
       rattert und Feuerwehrwagen sich mit Sirenen den Weg über die Skalitzer
       bahnen, drängen sie sich bewundernd vor dem Schaufenster von Domiziana. Als
       der Countdown im Sekundentakt auf die vier Stunden zuläuft, beginnt die
       Menge zu jubeln, Domiziana verbeugt sich völlig erschöpft und verschwitzt,
       aber zufrieden. Die Ironie des Ganzen: Die Performance läuft parallel für
       alle abrufbar im TikTok-Livestream.
       
       21 Jun 2026
       
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