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       # taz.de -- Neuer Vorsitzender der Linken: „Mein Vertrauen in ihn ist erschüttert“
       
       > Eva von Angern ist Spitzenkandidatin der Linken in Sachsen-Anhalt. Den
       > neuen Parteichef Luigi Pantisano hat sie nicht gewählt. Was stört sie an
       > ihm?
       
   IMG Bild: All eyes on Sachsen-Anhalt: Eva von Angern hätte in Potsdam lieber über Sozialproteste gesprochen
       
       taz: Frau von Angern, der neue Co-Chef der Linken, Luigi Pantisano, wurde
       mit nur 53 Prozent gewählt. Wie finden Sie ihn? 
       
       von Angern: Mein Vertrauen in ihn ist erschüttert. Wegen seiner Äußerungen
       in der BILD, wo er die CDU mit Faschismus gleichgesetzt hat. Nicht nur,
       weil ich das so nicht wahrnehme, sondern auch, weil Faschismus so
       relativiert wird. Mit diesem Wort sollten wir nicht inflationär umgehen.
       
       taz: Er ist danach zurückgerudert. 
       
       von Angern: Sowas darf nicht rausrutschen.
       
       taz: Rutscht so etwas heraus oder ist so eine Aussage geplant? 
       
       von Angern: Das kann ich nicht einschätzen. Noch im Morgenmagazin am selben
       Tag hat er etwas komplett anderes gesagt.
       
       taz: Hat Ihnen seine Aussage für die im September anstehenden Wahlen in
       Sachsen-Anhalt geschadet? 
       
       von Angern: Ich hoffe nicht.
       
       taz: Während Pantisano für Verwirrung gesorgt hat, sind Sie sehr klar: Sie
       würden mit der CDU zusammenarbeiten.
       
       von Angern: Die Lebensrealität in Sachsen-Anhalt ist, dass wir sowieso
       längst zusammenarbeiten. Das ist auch gut und vernünftig. Deshalb ist es
       absurd, wenn CDU-Politiker uns mit der AfD gleichsetzen. Wir sind bereit,
       sehr viel zu tun, um ein Mitregieren der AfD zu verhindern. Wir werden aber
       keine AfD-Politik im Gewand der CDU unterstützen. Das heißt, die CDU wird
       von ihrem aktuellen Kurs Abstand nehmen müssen.
       
       taz: Ein nicht zu verachtender Teil der Linkspartei – auch einige aus
       Ost-Bundesländern – will auf keinen Fall mit der CDU kooperieren, zum
       Beispiel [1][Marlen Borchardt, die gestern in den Bundesvorstand der Linken
       gewählt wurde.] Sie ist gegen Regieren und fordert, selbst wenn die Linke
       eine Minderheitenregierung tolerieren soll, „Dealbreaker“. Haben Sie rote
       Linien? 
       
       von Angern: Ja, die Missachtung der Bürgergeldempfänger*innen, zu denen
       viele Alleinerziehende gehören, die sehr wohl arbeiten. Eine Arbeitspflicht
       ist mit uns nicht zu machen. Das Sozialstaatsprinzip darf nicht infrage
       gestellt werden. Wir wollen, dass die Starken den Schwachen helfen. Das
       erwarte ich auch in der Kommunikation der CDU, dieses
       Nach-unten-Treten-und-Trampeln muss ein Ende haben.
       
       taz: Rassismus und Abschiebungen haben Sie jetzt nicht genannt. Das ist ja
       ein Kernthema der CDU. Aus Sicht von Linken wie Mersedeh Ghazaei, auch neu
       im Bundesvorstand, wäre eine Zusammenarbeit mit der CDU „ein Schlag ins
       Gesicht von Menschen mit Migrationsgeschichte“. 
       
       von Angern: Einer Verschärfung von Reglungen werden wir nicht zustimmen.
       
       taz: Das geht ja kaum noch. Würden Sie also Abschiebungen auf dem aktuellen
       Niveau mittragen? 
       
       von Angern: Ich finde die Aussagen des Ministerpräsidenten à la „Alle Syrer
       sollen zurück“ absurd. Wir brauchen alle auf unserem Arbeitsmarkt. Viele
       der Kinder retten gerade die Kitas, durch sie werden Kitas und Schulen
       erhalten. Aber im Moment kämpfen wir um die Wahl im September, um unser
       Land und die Demokratie zu retten.
       
       taz: Wie finden Sie, dass es auch bei diesem Parteitag wieder mal um Nahost
       ging? 
       
       von Angern: Das hat keine Relevanz in unserem Wahlkampf. Ich hätte mir
       gewünscht, dass wir bei dem Beschluss vom Parteitag in Halle geblieben
       wären. Ich hätte lieber über die Sozialproteste gesprochen oder über Fragen
       wie: Wie können wir gemeinsam die Demokratie schützen? Wo haben wir
       vielleicht selbst Fehler gemacht?
       
       taz: Wo denn? 
       
       von Angern: Wir müssen anerkennen, dass wir mit unseren Angeboten zur
       Demokratiebildung nicht die Menschen erreicht haben, die wir erreichen
       wollen. Also in der Masse. Da müssen wir dringend ran.
       
       taz: Umfragen sehen die Linke derzeit [2][zwischen 12 und 13 Prozent]. Wie
       wird Ihre Partei im September abschneiden? 
       
       von Angern: Ich wünsche mir mehr als 11 Prozent.
       
       21 Jun 2026
       
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   DIR Lotte Laloire
       
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