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       # taz.de -- Israel und Donald Trump: Vom Bumerang getroffen
       
       > Israels Ministerpräsident Netanjahu ist der Verlierer im
       > US-amerikanisch-iranischen Waffenstillstandsabkommen. Das enge Bündnis
       > mit Trump rächt sich nun.
       
   IMG Bild: Die Freundschaft zwischen Trump und Netanjahu beruhte auf gemeinsamen Interessen. Doch damit ist es vorbei
       
       Es ist noch nicht lange her, da wurde Donald Trump in Israel gefeiert.
       Riesige Plakate mit seinem Konterfei schmückten Tel Aviv, und eine geplante
       jüdische Siedlung auf den Golanhöhen erhielt gar den Namen Ramat Trump.
       Regierungschef Benjamin Netanjahu wurde nicht müde, den US-Präsidenten für
       seine Politik zu loben.
       
       Und hatte er im Sinne der Rechtskonservativen nicht recht? Jerusalem als
       Hauptstadt anerkannt, im Abraham-Abkommen Frieden mit den Golfstaaten
       vermittelt, die Palästinenser marginalisiert: Trump war ein Bundesgenosse,
       wie ihn sich die Regierung in Jerusalem erträumt hatte. Entsprechend eng
       band sich Netanjahu an den US-Präsidenten.
       
       Heute fällt Netanjahu dieses Bündnis vor die Füße. Es stellt sich heraus,
       dass die Interessen in Washington und Jerusalem nicht so identisch sind wie
       gedacht. Die Tatsache, dass beide Protagonisten vor wichtigen Wahlen stehen
       – Trump vor den Midterms, [1][Netanjahu vor der Parlamentswahl] – hat zu
       einer gegensätzlichen Politik geführt. Netanjahu droht im Wahlkampf als
       lahme Ente dazustehen. Wie konnte es dazu kommen?
       
       Vor einigen Monaten glaubten beide Seiten noch, sie könnten mit einem Krieg
       das iranische Mullah-Regime, das sich die Vernichtung Israels auf seine
       Fahnen geschrieben hat und die eigene Bevölkerung unterdrückt, entscheidend
       schwächen. Im Ergebnis ist das Gegenteil dessen eingetreten, was man sich
       gewünscht hat.
       
       ## Hauptsache, das Benzin wird billiger
       
       Noch dazu ist der Krieg in den USA höchst unpopulär. Deshalb hat sich Trump
       auf einen [2][für den Iran höchst vorteilhaften Waffenstillstand]
       eingelassen, der sich auch auf den Libanon und die dort aktive
       pro-iranische Hisbollah-Miliz erstreckt. Hauptsache, die Waffen schweigen
       und Benzin wird wieder billiger.
       
       In Israel hatte Ministerpräsident Netanjahu mit Kriegsbeginn von einer
       Beseitigung der iranischen Nuklear- und Raketenbedrohung gesprochen, dazu
       einen Sturz des Regimes erträumt. Nichts davon ist eingetreten. Bleiben die
       Militärschläge gegen die Hisbollah und die Besetzung von Teilen des Libanon
       durch die israelische Armee.
       
       Netanjahu verspricht den Israelis, damit die Terroranschläge auf den Norden
       des Landes ein für alle Mal zu beenden. Der Konflikt wird als
       Verteidigungskrieg legitimiert. Es ist ein Krieg, den Netanjahu benötigt,
       um die Wahlen zu gewinnen, gepaart mit dem Versprechen, dieser Waffengang
       erledige die Probleme, die der letzte hinterlassen hat. In Israel hat
       dieses Vorgehen viele Unterstützer.
       
       Jetzt aber verlangt der zwischen den USA und dem Iran ohne Beteiligung
       Israels abgeschlossene Text über den Waffenstillstand, dass die Waffen an
       allen Fronten schweigen müssen, also auch im Libanon. Damit sind der
       Souveränität Israels Fesseln angelegt. Geht es nach dem Buchstaben des
       Vertrags, darf Netanjahu die Hisbollah nicht länger so verfolgen, wie er
       sich das wünscht. Schwieriger noch: Der Iran und seine Helfer im Libanon
       können indirekt Einfluss auf die israelische Politik nehmen.
       
       ## Trump plötzlich gar nicht freundschaftlich
       
       Greift die Hisbollah israelische Stellungen an, dann ist dies zugleich ein
       Test, wie weit Israel von den USA unter Druck gerät, nicht
       zurückzuschlagen. Der Iran kann Israels mögliche Militäraktionen jederzeit
       dazu nutzen, Verhandlungen mit den USA zu suspendieren und die Straße von
       Hormus wieder zu schließen – was er am Samstag auch mit genau dieser
       Begründung getan hat.
       
       Trump hat gezeigt, dass ihm in diesem Fall die Hose näher ist als die
       Jacke. Gar nicht mehr freundschaftlich hat der US-Präsident vor einigen
       Tagen Netanjahu am Telefon für seine [3][Angriffe im Libanon
       zusammengefaltet].
       
       So ist der Krieg gegen den Iran für Netanjahu zum Bumerang geworden.
       Erwidert er die Aggressionen der Hisbollah, riskiert er, dass Donald Trump
       ihn fallen lässt und Israel damit seinen wichtigsten Verbündeten verärgert.
       Hält er still, enttäuscht er seine Wähler und könnte sein Amt verlieren.
       
       21 Jun 2026
       
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   DIR Klaus Hillenbrand
       
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