# taz.de -- Initiative zum Ärger um Zwischenlager: „Es werden wieder Tatsachen geschaffen“
> Betriebsgenehmigungen für die Atommüllzwischenlager laufen bald aus. Die
> BI Lüchow-Dannenberg fordert, an den Entscheidungen zur Zukunft beteiligt
> zu werden.
IMG Bild: In Zeiten von Krieg und Terror wird in Gorleben Atommüll in Leichtbauhallen gelagert
taz: Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung lädt an
diesem Dienstag zu einer Statuskonferenz. Worum geht es?
Asta von Oppen: Um die 16 Zwischenlager für hochradioaktiven Atommüll in
Deutschland: Dort stehen fast 2.000 Castorbehälter, die darauf warten,
endlich in ein Endlager abtransportiert zu werden – und so ein sorgenfreies
Leben vor Ort wieder zu ermöglichen. Allerdings wird sich die Suche nach
einem solchen Endlager [1][bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts
hinziehen], für viele dieser Zwischenlager läuft die Betriebsgenehmigung
aus. Das Bundesamt will auf der Veranstaltung informieren, wie es weiter
geht.
taz: Sie kommen von der [2][Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg], die
angekündigt hat, gegen die Veranstaltung zu protestieren. Warum?
von Oppen: Wir wehren uns dagegen, wie die Verantwortlichen im Bundesamt
und im Bundesumweltministerium vorgehen: Sie tragen vor, was geschehen
soll, eine Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft ist nicht geplant.
Wir aber müssen vor Ort mit dem Zwischenlager und den Gefahren, die von ihm
ausgehen, leben. Deshalb fordern wir, auf Augenhöhe in die Entscheidungen
zur Zukunft einbezogen zu werden.
taz: Aber ist es nicht gut, wenn ein Ministerium oder eine Behörde erst mal
informieren, welche Pläne sie sich vorgenommen haben?
von Oppen: Dafür hätte man eine Presseerklärung verschicken können. Die
Informationspolitik, die im Moment betrieben wird, ist so wie in den 80er
Jahren, als man den Leuten die Welt erklärte, sich aber nicht mit ihnen
auseinandersetzte. Wir als Bürgerinitiative haben immer kritische
Wissenschaftler eingeladen und Missstände am Salzstock Gorleben aufgedeckt,
der von den Behörden lange als geeignet für ein Endlager eingeschätzt
worden ist. Statt jetzt die Sorgen der Leute vor Ort anzuhören, werden
wiederum nur Tatsachen vorgestellt.
taz: Gorleben ist eines der ältesten Zwischenlager. Was sind denn Ihre
Forderungen, Ihre Sorgen?
von Oppen: Unsere Hauptkritik ist die Leichtbauhalle. In Zeiten von Krieg
und Terror kann man so gefährlichen Atommüll nicht einfach in so einer
einfachen Halle lagern. Der zweite Kritikpunkt ist, dass das Bundesamt
offensichtlich nicht vorsieht, jeden einzelnen Castorbehälter zu
überwachen. Stattdessen soll einfach nur gemessen werden, ob Radioaktivität
in der Abluft ist. Hitze und Radioaktivität: Keiner weiß, was in so einem
Castor passiert, die Alterungsprozesse machen uns extreme Sorgen. Unsere
Forderung deshalb: Jeder einzelne Behälter muss kontinuierlich überwacht
werden.
taz: Das kostet Geld. Woher soll das kommen?
von Oppen: Aus dem „Kenfo“, dem Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen
Entsorgung. In den haben die Atomkonzerne vor fast zehn Jahren 24
Milliarden Euro eingezahlt und sich so aus der Verantwortung herausgekauft.
Dadurch, dass die Endlagersuche so komplex ist und sich die Zeiten nach
hinten verschoben haben, bezweifle ich aber, dass das Geld ausreicht. Die
Gewinne wurden privatisiert, die Lasten der Allgemeinheit aufgedrückt: Ich
fürchte, die Kosten bleiben beim Steuerzahler und der Steuerzahlerin
hängen.
taz: Die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager in Gorleben läuft am 31.
Dezember 2034 aus. Bleibt da nicht genügend Zeit für eine neue?
von Oppen: Im Gegenteil, das neue Genehmigungsverfahren für den
Weiterbetrieb hat in Gorleben schon begonnen, es gab den Einstieg in eine
Umweltverträglichkeitsprüfung. Wir können aber nicht das, was in den 80er
Jahren „Stand der Technik“ war, heute als zukunftsfähig genehmigen. Wir
fordern einen Neubau der Hallen und neue Sicherheitsstandards.
taz: Mit welcher Begründung?
von Oppen: Wir leben in Zeiten des Krieges und Terrors, jedes Zwischenlager
ist ein potenzielles Angriffsziel. Darüber muss sich die Gesellschaft klar
werden, die Politik muss sich damit auseinandersetzen. Das Thema gehört in
den Bundestag – nicht auf eine Statuskonferenz. Wir protestieren auch
dagegen, dass uns das Bundesamt suggeriert, es gebe keinen Grund zur
Beunruhigung. Die Menschen, die vielleicht noch bis zum Jahrhundertende mit
den Zwischenlagern leben müssen, sind jedenfalls beunruhigt.
taz: Wenn Sie jetzt gegen die Veranstaltung des Bundesamtes protestieren,
dann bekommen Sie doch gar nicht mit, welche Pläne es gibt?
von Oppen: Wir demonstrieren vor Beginn der Veranstaltung, einfach damit
die Öffentlichkeit sieht, was vor sich geht. Natürlich werden wir uns dann
anhören, was die Verantwortlichen vorhaben. Das ist nicht nur wichtig für
Gorleben, sondern für alle Zwischenlagerstandorte: Schließlich liefert das
Verfahren zu Gorleben eine Blaupause für alle anderen 15 Zwischenlager.
22 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Nick Reimer
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