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       # taz.de -- Die Kunst der Woche: Schönheit und Geduld
       
       > Zwei aktuelle Ausstellungen kombinieren Fotografien und Gemälde. Gegen
       > die Hundertstelsekunden der Kamera stehen die langen Stunden der Malerei.
       
   IMG Bild: Installationsansicht, Boris Mikhailov und Ingeborg zu Schleswig-Holstein „… ihr werdet noch stille sein“
       
       Wenige Schritte von der [1][Kyiv Biennale] in den Kunst-Werken entfernt ist
       die Ukraine ebenfalls Thema: Der Kunstverein Werkstattgalerie am
       Koppenplatz in Mitte [2][zeigt den Dialog] zwischen dem ukrainischen
       Fotografen und Konzeptkünstler Boris Mikhailov und der abstrakten Malerin
       Ingeborg zu Schleswig-Holstein.
       
       Die in strengem Raster nebeneinander gesetzten Bilder – auf Alu-Dibond
       gedruckte Schwarz-Weiß-Fotografien wechseln mit Farbschüttungen – führen
       schnell zum Thema: die [3][Gewaltgeschichte der Ukraine im 20.
       Jahrhundert]. Ein ikonisches Motiv Mikhailovs, der britische Panzer Mark V,
       ist ein Ungetüm aus dem Ersten Weltkrieg, später von der Weißen Armee im
       russischen Bürgerkrieg genutzt. Die siegreichen Sowjets übergaben die
       Trophäe 1938 an die Stadt Charkiw.
       
       Die Malerin ergänzt Mikhailovs Bilder der Gewalt mit schweflig-giftigem
       Gelb und einem entschiedenen Pink, das jeden Gedanken an Blut verbietet.
       Sie antwortet mit Schönheit.
       
       Interessanterweise ist man verführt in Schleswig-Holsteins Farbauftrag,
       dessen je verschiedene Gestalt selbst fließend, autonom entsteht, eine
       Warburg’sche Pathosformel und demnach eine affektgeladene Geste zu sehen.
       Birgt Schönheit affektive Energie?
       
       ## Schallgeschwindigkeit und Geduld
       
       Flog man mit der Concorde – wie einst Phil Collins, der am selben Tag, dem
       13. Juli 1985, auf den Live-Aid-Konzerten in London und in Philadelphia
       auftrat –, dann kam man, wie Collins launig anmerkte, früher in New York
       an, als man in London aus dem Haus gegangen war. Zumindest laut Ortszeit.
       
       „Concorde“ heißt ein 1997 erschienenes Fotobuch von Wolfgang Tillmans.
       Obwohl der Flugbetrieb des Überschallpassagierflugzeugs 2003 eingestellt
       wurde, wird der Band stetig neu aufgelegt, zuletzt 2024 und 2025. Die
       interessanteste Neuauflage aber dürfte [4][die von Megan Francis Sullivan
       im Projektraum „schon“] sein. Dabei handelt es sich allerdings um Malerei.
       
       Im Format 16 × 24 Zentimeter hat Sullivan auf Alu-Dibond zwölf Seiten aus
       Tillmans „Concorde“ malerisch reproduziert, und zwar in der Form eines
       Diptychons. Dem Layout des Fotobuchs folgend, zeigt die linke Tafel das
       leere weiße Blatt während die rechte Tafel ihre malerische Version der
       Fotoseite zeigt. In dieser mit großer Sorgfalt und stupendem Können
       ausgeführte Replik wird unumgänglich das Thema Zeit zentral. Gegen die
       doppelte Schallgeschwindigkeit der Concorde und die Hundertstelsekunden der
       Fotografie stehen die geduldigen Stunden der Malerei. Noch hat sie Bestand.
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.kw-berlin.de/de/ausstellungen/kyiv-biennial-a-bird-that-cannot-land
   DIR [2] https://www.ingeborg-zu-schleswig-holstein.org/
   DIR [3] /Holodomor-in-der-Sowjetunion/!5895422
   DIR [4] https://schonen.online/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Brigitte Werneburg
       
       ## TAGS
       
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