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       # taz.de -- Nach Messerangriff durch Rechtsextremen: Göttinger Antifaschist lebensgefährlich verletzt
       
       > In Göttingen schwebt ein Antifaschist in Lebensgefahr. Ein bekannter
       > Rechtsextremer soll ihm knapp neben das Herz gestochen haben.
       
   IMG Bild: Sperren den Tatort im Fridtjof-Nansen-Weg ab: Polizist:innen bei der antifaschistischen Demonstration am Sonntagabend
       
       Seit zwei Tagen kämpft ein Göttinger Student um sein Leben. In der Nacht
       zum Sonntag ist der 23-Jährige niedergestochen worden. „Er liegt im
       künstlichen Koma, wird abgekühlt“, sagt Sven Adam, Rechtsanwalt in der
       niedersächsischen Stadt. Der Verletzte habe fünf Liter Spenderblut
       erhalten.
       
       Der mutmaßliche Täter soll aus der rechtsextremen Szene kommen.
       Antifaschist:innen haben Max D. erkannt und geoutet. Die Polizei nahm
       den 17-Jährigen kurzfristig fest. Er durfte aber inzwischen wieder gehen.
       
       Im Fridtjof-Jansen-Weg soll D. den Studenten angegriffen haben. Um zwei Uhr
       morgens waren sie aufeinandergetroffen. Beide waren nicht allein. Mit einem
       Messer soll D. knapp neben das Herz seines Opfers gestochen haben. Eine
       Halsschlagader wurde verletzt. Der genaue Anlass für den Angriff ist bisher
       unklar. Betroffene aus dem Umfeld des Studenten, der sich antifaschistisch
       engagiert, lassen über Anwalt Adam mitteilen, sie stünden „noch unter
       Schock“. Der Täter habe unvermittelt zugestochen.
       
       „Niemand von linker Seite war bewaffnet und es gab kein Interesse an einer
       körperlichen Auseinandersetzung“, lassen die Begleiter des Opfers wissen.
       Das Opfer und seine Freunde seien ohne irgendwelche Gegenstände unterwegs
       gewesen, die für einen Angriff genutzt werden könnten, berichtet Adam, auch
       kein Pfefferspray oder ähnliches.
       
       Der Tatverdächtige hat sich mittlerweile in einer Vernehmung durch die
       Polizei geäußert und erklärt, er habe aus Notwehr gehandelt. Gleich in
       ihrer ersten Pressemitteilung hatte die Polizei hervorgehoben, dass eine
       „politische Motivation“ nicht auszuschließen sei. Der Staatsschutz ist
       eingeschaltet.
       
       Ein anderer Verdacht bestätigte sich nicht: Die Polizei hatte zunächst
       geprüft, ob der Angriff mit dem Christopher Street Day am Samstag im
       Zusammenhang stand, so eine Polizeipressesprecherin am Sonntagmorgen zur
       taz. Diesen Kontext schließt die Polizei mittlerweile aus. Denn am
       Sonntagmittag outeten Antifaschist:innen auf dem linksradikalen Portal
       Indymedia den möglichen Täter – mit Namen und Bild. Der „Jungfascho“ wohne
       nahe dem Tatort.
       
       In der Nacht konnte D. nach dem Angriff mit einem Begleiter fliehen. Er
       wurde aber erkannt, da er zu einer rechten Clique gehört. Auf Indymedia
       heißt es, er gehöre zur selben Gruppe wie ein anderer Rechtsextremist, der
       in der Nacht zum 3. Juni am Albaniplatz szenetypische Parolen gesprüht und
       eine in Regenbogen-Farben angesprühte Treppe mit einer Deutschlandfahne
       übersprüht haben soll.
       
       In derselben Nacht war auch eine an der Mauer neben dem Treppenaufgang
       hängende Gedenktafel zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 besprüht
       worden. Das eingravierte Heinrich-Heine-Zitat „Wo man Bücher verbrennt,
       verbrennt man auch am Ende Menschen“ war [1][dabei unlesbar geworden].
       
       Nach dem Online-Outing nahm die Polizei D. und eine weitere Person in
       seiner Wohnung fest. „Ungeachtet des geäußerten Tatverdachtes gehen die
       intensiven Ermittlungen der Mordkommission sowohl zum Tathergang als auch
       zur Motivation des oder der Täter mit Hochdruck weiter“, erklärt die
       Polizeipressesprecherin.
       
       Zeugen sollen bereits vernommen wurden sein, ohne den Geouteten zu
       belasten. Weil sich ein dringender Tatverdacht derzeit nicht begründen
       lasse, sei der Beschuldigte wieder freigelassen worden, teilte die
       Staatsanwaltschaft am Montag mit und erklärte weiter, da „die Begleiter des
       Geschädigten derzeit nicht zu einer Aussage bereit sind“, sei auch „eine
       Notwehrsituation nicht auszuschließen“.
       
       ## Mehr sehr junge, gewaltorientierte Rechtsextreme
       
       Erst vor wenigen Tagen hatte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens
       (SPD) den Landesverfassungsschutzbericht vorgestellt. Die rechtsextreme
       Szene ist nicht nur von 2.000 Personen auf 2.700 Personen angewachsen. Seit
       2024 beobachtet der Verfassungsschutz zudem, dass „zum Teil sehr junge“
       Rechtsextreme [2][ausgesprochen aktions- und gewaltorientiert seien]. Sie
       vernetzten sich im digitalen Raum, „um dann auf der Straße aktiv zu
       werden“.
       
       Rechtsextremismusexpert:innen haben schon länger gewarnt, dass über
       [3][niedrigschwellige Kampfsportangebote] für die Auseinandersetzung mit
       politischen Gegner:innen geübt wird. Die Hemmschwelle zur Gewalt könnte
       dadurch sinken.
       
       Am Sonntagabend haben in Göttingen über 1.000 Menschen spontan gegen
       Rechtsextremismus demonstriert.
       
       22 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Offensichtlich-rechtsextrem-motiviert/!6184083
   DIR [2] /Verfassungsschutzbericht-Niedersachsen/!6186423
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       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Speit
       
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