# taz.de -- Medien-Generalstreik in Tschechien: Schwarze Fahnen, leere Schreibtische
> Tschechiens öffentlich-rechtliche Sender streiken. Die redaktionelle
> Unabhängigkeit sei durch die geplante Finanzierung durch den Staat
> gefährdet, warnen sie.
IMG Bild: Tausende demonstrieren vor dem Gebäude des Tschechischen Fernsehens in Prag, 21. Juni 2026
Montag, kurz nach Mitternacht, blieb der Schreibtisch des
Nachrichtenstudios leer. Eine lange Minute lang geschah: nichts. Dann erst
kam der Moderator und begann mit den Nachrichten. Was wie eine technische
Panne aussah, war der Beginn eines 24-stündigen Warnstreiks der
Beschäftigten des tschechischen Fernsehens (ČT) und des tschechischen
Rundfunks (ČRo).
Hunderte Mitarbeitende beider Häuser beteiligten sich an der Aktion, die
alle Kanäle mit Ausnahme der Kindersender Déčko und Radio Junior betraf.
[1][Mit dem Streik protestieren sie gegen die letzte Woche vom
Regierungskabinett beschlossene Finanzierung] aus dem Staatshaushalt
anstelle der bisherigen Rundfunkgebühren.
Die Regierung, bestehend aus der rechtspopulistischen ANO und zwei
rechtsextremen Kleinparteien, ließ zudem das Budget des ÖRR um 15 Prozent
kürzen. Zwischen 450 und 700 der insgesamt rund 4.250 Stellen stehen damit
laut den Senderchefs zur Disposition, außerdem drohen Programmkürzungen.
Die Regierung begründet den Schritt mit Wahlversprechen und Einsparzielen
und verweist darauf, dass ähnliche Finanzierungsmodelle auch in anderen
EU-Ländern funktionierten.
Den ganzen Tag über war der Streik im Programm erkennbar: Nachrichten, die
mit Verzögerung starteten, eine Informationsleiste am oberen Bildschirmrand
mit QR-Code zu den Streikgründen, Moderatoren in schwarzer Kleidung. Vor
dem Rundfunkgebäude in der Prager Vinohradská-Straße versammelten sich
Mitarbeitende zu Musik und einer Menschenkette, aus den Fenstern hingen
schwarze Fahnen. Viele trugen T-Shirts mit dem Slogan „Für euch. Nicht für
Politiker.“
## Breite Kritik
Schon mehrmals kam es zu Protesten gegen die Medienpläne der Regierung.
Auch am Vortag des Streiks waren Tausende dem Aufruf des
zivilgesellschaftlichen Vereins Milion chvilek pro demokracii (Eine Million
Momente für die Demokratie) gefolgt und durch Prag zur ČT-Zentrale gezogen.
Hunderttausende Menschen haben zudem eine Onlinepetition unterzeichnet, die
mit dem Satz schließt: „Man verliert die öffentlichen Medien nur einmal.“
„Wir lehnen es ab, dass Fernsehen und Radio zu staatlichen Medien werden.
Ihre Aufgabe ist unter anderem, die Regierung zu kontrollieren“, schreibt
die Streikinitiative in einer Stellungnahme. Kritiker verweisen auf den
Umbau des ÖRR in Ungarn u[2][nd der Slowakei, wo eine staatliche
Finanzierung schrittweise zur politischen Kontrolle über die
Berichterstattung geführt hat].
Kulturminister Oto Klempíř von der rechtsextremen Motoristenpartei
reagierte auf die Streikankündigung vor einigen Tagen unbeeindruckt: Er
respektiere den Protest, sehe darin aber vor allem Einwände gegen die Höhe
der zugewiesenen Mittel, nicht gegen die Finanzierungsform an sich.
Kritik kommt auch von außen: Reporter ohne Grenzen und der Internationale
Journalistenverband verlangten bereits vor Wochen die Rücknahme der Pläne.
Auch der liberale Staatspräsident Petr Pavel sagte, das bisherige
ÖRR-Modell habe sich bewährt. Dennoch: Der Gesetzesentwurf wurde vom
Kabinett am 15. Juni beschlossen. Abgeordnetenhaus und Senat müssen ihm
aber noch zustimmen, bevor er in Kraft treten kann. Die Opposition hat
bereits Verzögerungstaktiken angekündigt, auch im Senat ist Widerstand
absehbar. Ob die Reform aber noch verhindert werden kann, ist fraglich.
22 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Florian Bayer
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