# taz.de -- Ehemalige PSOE-Politiker verurteilt: Urteil sorgt für Koalitionskrach in Spanien
> Ehemalige enge Vertraute des Ministerpräsidenten Pedro Sánchez werden zu
> langen Haftstrafen verurteilt. Die Rechte fordert den Sturz der
> Regierung.
IMG Bild: José Luis Ábalos war Teil eines Korruptionsnetzwerks und muss dafür lange hinter Gitter
Spaniens Oberster Gerichtshof hat den ehemaligen Verkehrsminister und
einstigen Organisationssekretär der sozialistischen PSOE von
[1][Ministerpräsident Pedro Sánchez], Luis Ábalos, wegen organisierter
Kriminalität, Bestechung, Veruntreuung und Einflussnahme i[2][m sogenannten
„Maskenfall“] zu 24 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
Seine rechte Hand, Koldo García, muss für 19 Jahre und acht Monate Jahre
hinter Gitter. Victor Aldama, der Unternehmer, der die beiden nach eigenen
Angaben bestochen hatte, kommt mit viereinhalb Jahren davon.
Aldama, der sich mittels Ábalos und García um 3,7 Millionen Euro bereichert
haben soll, muss – erstaunlicherweise – die Haft nicht antreten. Das
Gericht dankt ihm damit für seine „Beiträge zur Aufdeckung der Straftaten“.
Von ihm stammen die meisten Aussagen, die den anderen beiden zum Verhängnis
wurden. Seine Auflage: nicht rückfällig werden, halbjährlich einen
Tätigkeitsbericht einreichen und ein Jahr gemeinnützige Arbeit leisten.
Der Oberste Gerichtshof kommt zu dem Schluss, dass „die drei Angeklagten,
möglicherweise unter Beteiligung anderer, die hier nicht angeklagt sind,
eine Organisation bildeten, in der jeder von ihnen unterschiedliche, sich
ergänzende Rollen einnahm“. Das 224-seitige Urteil sieht den ehemaligen
Minister als Chef der kriminellen Organisation. García habe stets in seinem
Namen gehandelt.
## In Sanchez’ Regierungskoalition rumort es
Aldama habe Unternehmen und Einzelpersonen gesucht, die mit der Verwaltung
Geschäfte machen wollten und dafür kassiert. Die Gelder teilte er mit
Ábalos und García. Im Mittelpunkt standen dabei mehrere Masken-Deals unter
anderem mit den spanischen Hafenbehörden und dem Netzbetreiber der Bahn,
die sich auf über 37 Millionen Euro beliefen.
Aldama soll diese dank der Informationen und mit dem Druck aus dem
Transportministerium getätigt haben. Ábalos’ soll, so Aldamas Aussage, die
jetzt von den Richtern als gut befunden wurde, ein monatliches Gehalt von
10.000 Euro erhalten haben und die Miete für mehrere Wohnungen in Madrid
und an der Mittelmeerküste erhalten haben, während sich Aldama um 3,7
Millionen Euro bereicherte. Laut Aldama soll auch Ábalos eine Zahlung von
zwei Millionen Euro eingesteckt haben. Die Ermittler fanden das Geld jedoch
nicht.
Das Urteil ist ein schwerer Schlag für Ministerpräsident Pedro Sánchez.
Zwar wurde Ábalos sofort bei Ermittlungsbeginn aus der PSOE geworfen, doch
der Fall schadet der Minderheitsregierung, die von katalanischen und
baskischen Kräften sowie von kleineren linken Parteien unterstützt wird.
Koalitionspartner Sumar geht immer mehr auf Distanz und fordert die
schonungslose Säuberung der PSOE. Podemos spricht gar von „Verrat“ und dem
Ende der Regierung. Und die baskischen und katalanischen Nationalisten
fordern Sánchez auf, die eigentlich erst Mitte 2027 anstehenden
Parlamentswahlen vorzuziehen.
## Streit zwischen konservativer PP und rechtsextremer VOX
„Das ist das Ende der Flucht“, erklärte der Chef der größten
Oppositionspartei, der rechts-konservativen Partido Popular (PP), Alberto
Nuñez Feijóo. Er [3][forderte Sánchez zum Rücktritt] auf. Die rechtsextreme
VOX, drittstärkste Partei im spanischen Parlament, will ein
Misstrauensvotum. „Worauf warten Sie noch?“, richtete sich Parteisprecher
José Antonio Fuster an die PP.
Doch Feijóo lehnt einmal mehr ab. Denn zusammen mit VOX reichen die Stimmen
im Parlament nicht. Und die konservativen Basken und Katalanen würden ein
solches Misstrauensvotum nicht unterstützen, da sie auf keinen Fall mit der
neofrankistischen VOX stimmen wollen. Sánchez selbst wird am Mittwoch vor
dem Parlament Rede und Antwort stehen.
Der jetzt von den Richtern begünstigte Aldama hatte bei der
Hauptverhandlung versucht, auch Ministerpräsident Sánchez zu beschuldigen.
Er sei die Nummer eins der kriminellen Vereinigung, behauptete er ohne
jegliche Beweise.
Der Unternehmer sieht sich gerne als eine Art Vaterlandsretter. Aldama war
parallel zu Ermittlungen und Gerichtsverhandlungen immer wieder in
Talkshows zu sehen. Außerdem beteiligte er sich an Protesten gegen die
Regierung von PP und VOX und ließ sich dort von den Beteiligten feiern.
„Die Rechte muss sich zusammen tun“, sagte er in einem Beitrag auf den
sozialen Netzwerken und forderte PP und VOX zur Kooperation auf. Spanien
würde sonst an einer „korrupten Regierung“ vor die Hunde gehen. „Ich
alleine kann das nicht“, forderte er PP und VOX auf, ihre Streitigkeiten
beizulegen, um die Regierung zu stürzen.
22 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Spaniens-Ministerpraesident/!6186039
DIR [2] /Korruptionsverfahren-in-Spanien/!6169194
DIR [3] /Zehntausende-protestieren-in-Spanien/!6134198
## AUTOREN
DIR Reiner Wandler
## TAGS
DIR Spanien
DIR Pedro Sánchez
DIR PSOE
DIR Schwerpunkt Korruption
DIR VOX
DIR Partido Popular
DIR Reden wir darüber
DIR Schwerpunkt Korruption
DIR Spanien
DIR Justiz
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Korruptionsverfahren in Spanien: Wenn Polizisten Beweise vernichten
In Spanien beginnen Gerichtsverfahren gegen führende Politiker der beiden
großen Parteien des Landes. Ministerpräsident Pedro Sánchez gerät unter
Druck.
DIR Korruptionsskandal in Spanien: Durchhalten um jeden Preis
Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez kämpft um sein politisches
Überleben, während die rechte Opposition auf vorgezogene Neuwahlen hofft.
DIR Maskendeals in Spanien: Verträge in Millionenhöhe
Ein Berater der spanischen Sozialisten soll beim Vermitteln von Maskendeals
gut verdient haben. Ähnliche Skandale gab es zuvor bei den Konservativen.