# taz.de -- Studie zu Gewalt an Schulen: Macht es doch wie nach der Silvesternacht
> Die Studie zu Gewalt in Berliner Schulen zeigt einen deutlichen Anstieg
> der Vorfälle. Lösungsansätze gibt es genug. Was fehlt, ist Mut – und
> Geld.
IMG Bild: Schüler*innen erleben tagtäglich, dass die Institution Schule ihre Sicherheit und ihre Rechte nicht schützt
Das Ergebnis ist besorgniserregend, gleichzeitig aber für Lehrer*innen
und Schulleiter*innen keine Überraschung: [1][Gewalt ist an Schulen in
Berlin ein großes oder sehr großes Problem]. Zum Teil macht sie einen
Schulalltag unmöglich und Präventionsarbeit bleibt auf der Strecke. Das
zeigt nun im Detail eine repräsentative Studie. Berlin hat dafür rund
14.000 Schüler*innen und 2.500 Lehrer*innen und Pädagog*innen zu
Gewalt und Konflikten unter Schüler*innen befragt. Es ist das erste Mal,
dass ein Bundesland es sich leistet, so genau hinzugucken. Deutlich ist: Es
braucht umfassende Anstrengungen, um dagegen vorzugehen, und die Schulen
sollten sich auf breite Unterstützung verlassen können.
Und tatsächlich liefert die Studie wertvolle Einblicke, die dabei helfen
können, [2][präzise gegen Gewalt an Schulen vorzugehen]. Gewalt entzündet
sich demnach besonders häufig an Kleinigkeiten, oft spielen auch der
Körper, das Aussehen oder Kleidungsstücke eine Rolle. 27 Prozent der
Schüler*innen sagen auch, dass es gar keinen besonderen Grund gab.
Herkunft, Religion, die eigene Meinung oder die sexuelle Orientierung
spielen als Gewaltauslöser eine untergeordnete Rolle – allerdings bewerten
die Betroffenen die Gewalt hier als besonders schlimm. Das zeigt, dass
Schule es nur unzureichend schafft, Minderheiten wie etwa queere oder
jüdische Jugendliche zu schützen. Auch bei muslimischen Schüler*innen
zeigt sich, dass sie teils unter Druck stehen, etwa weil andere Jugendliche
sie als nicht religiös genug brandmarken. Fatal ist in dem Zusammenhang,
dass bei Trägern, die zu queerer Bildung oder zum Minderheitenschutz
arbeiten, eher gekürzt wurde.
Die Studie zeigt zudem, dass sich Gewalt zu einem Demokratieproblem
auswächst. Denn Schüler*innen erleben tagtäglich, dass die Institution
Schule ihre Sicherheit und ihre Rechte nicht schützt.
## Religiöse Regeln über den Schulregeln
Andererseits alarmiert der Befund, dass 29 Prozent der Schüler*innen in
der 9. Klasse religiöse Regeln als höher bewerten als die Regeln der
Schule. Dies sehen 41 Prozent der muslimischen Jugendlichen so, 33 Prozent
der christlichen Jugendlichen und sogar 19 Prozent der Jugendlichen, die
sich keiner Religion zugehörig fühlen. In beiden Fällen zeigt sich: Kinder
und Jugendliche müssen von der Kita an mitbestimmen, damit ihnen Demokratie
selbstverständlich wird.
Gleichzeitig zeigt sie, dass Gewalt die Schulen und die Jugendlichen, die
sozial benachteiligt und armutsbetroffen sind, noch mal besonders belastet.
Es ist also nicht nur ein Schulproblem – es ist ein soziales Problem. Die
Ergebnisse der Studie sind als ein Abbild der gesamten Gesellschaft zu
sehen. Bei Maßnahmen gegen die Gewalt sollte daher die gesamte Gesellschaft
einbezogen werden.
Die Bildungsverwaltung will nun zu „Workshops“ einladen und benannte am
Montag [3][pauschal Ahmad Mansour, Seyran Ateș, Güner Balci und Düzen
Tekkal als „Stakeholder“ (also als Projektbeteiligte)] für kommende
Treffen, in denen die Maßnahmen näher bestimmen werden sollen. Das zeigt
[4][eine gewisse Einfallslosigkeit und ein Misstrauen gegenüber lang
etablierten Trägern] in der Stadt. Alle vier können sicher etwas zur
Debatte beitragen – doch dass sie maßgeblich die Richtung angeben sollen,
kann kaum ausreichen. Statt auf große Namen sollte der Senat lieber auf
breite Fachexpertise setzen.
Die Studie stellt außerdem viele politische Vorstöße der aktuellen
Bildungssenatorin, Katharina Günther-Wünsch (CDU), infrage. Der
Lehrer*innenmangel verringerte sich rein zahlenmäßig, weil Schulen
Stellen an andere Professionen vergeben konnten. Diese bräuchte es aber
zusätzlich. [5][Günther-Wünsch nahm auch einen Steuerungsmechanismus
zurück], der die [6][Lehrer*innen tendenziell mehr an belastete Schulen]
verteilte. [7][Sie entlastete und begünstigte die Gymnasien], an denen etwa
die Prüfung für den mittleren Schulabschluss wegfiel. [8][Mit dem 11.
Pflichtschuljahr führte sie eine Maßnahme ein], die die Jugendlichen viel
zu spät erreicht, und kürzte Projekte gegen Schuldistanz. Immerhin gibt es
ab dem kommenden Schuljahr kleinere Klassen an den besonders belasteten
Grundschulen – dies geschah durch eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft
Erziehung und Wissenschaft (GEW).
## Entlastungen für alle Schulen
Das zeigt, wohin es weitergehen muss: Solche Entlastungen sollten allen
Schulen zugutekommen und multiprofessionelle Teams beim Unterrichten, aber
auch bei der Organisation von Schulen oder der Gewaltprävention helfen. Die
Senatorin selbst dachte laut über verpflichtende Schulpsycholog*innen
an allen Schulen nach.
Das alles kostet – und auch dies machte die Senatorin deutlich, wenn Berlin
wirksam gegen Gewalt an Schulen vorgehen will, dann braucht es mehr
Ressourcen. Ideen gibt es längst, auch welche, die kaum kosten (etwa
weniger Klassenarbeiten). Die GEW fordert seit Langem kleinere Klassen und
eine Entlastung von Lehrer*innen, auch die Eltern- und
Schüler*innenvertretung fordern inklusivere, gerechtere und
demokratischere Schulen.
All das wird in den Workshops auch Thema sein – aber warum eigentlich so
zaghaft und verhuscht – und in den Sommerferien? Warum kommt jetzt kein
großer Gipfel? Nach dem Eindruck der Jugendgewalt in einer einzigen
Silvesternacht brachten die Verantwortlichen in mehreren Gipfeln gegen
Jugendgewalt Feuerwehr, Polizei, Jugendhilfe, Politik und noch viele mehr
an einen Tisch. Und [9][sie legten Geld darauf: Rund 107 Millionen Euro
flossen in den kommenden Jahren in die Gewaltprävention], die [10][Projekte
etwa mit der Feuerwehr gelten als Erfolg]. Das ist ein gutes Vorbild für
die Reaktion auf ein Gewaltproblem an Schulen, das diesmal sogar
wissenschaftlich festgestellt ist.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Uta Schleiermacher
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