# taz.de -- Verhandlungen zwischen USA und Iran: „Daran wäre früher nicht einmal zu denken gewesen“
> Iran sehe sich durch den Ausgang des Konflikts mit den USA gestärkt, sagt
> der frühere US-Beauftragte für Iran, Robert Malley. Das zeige sich an den
> Forderungen des Regimes.
IMG Bild: Beirut am 22. Juni, Plakate zeigen Ajatollah Modschtaba Chamenei und dessen verstorbenen Vater Ali Chamenei sowie den Slogan „Danke an den treuen Iran“
taz: Herr Malley, US-Vizepräsident J. D. Vance hat die erste
Verhandlungsrunde mit Iran in der Schweiz als „schwierig“, aber „produktiv“
beschrieben. Wo sehen Sie die größten Streitpunkte?
Robert Malley: Der größte Streitpunkt ist derzeit offensichtlich der
Waffenstillstand im Libanon, aber es gab auch ein Hin und Her bezüglich der
Situation in der [1][Straße von Hormus]. Ist sie nun offen oder nicht?
Zudem hören wir von anhaltenden Diskussionen über den Zugang zu Geldern und
Vermögenswerten, auf dem Iran beharrt. Ich glaube, dass all die Probleme,
die den Weg bis hierher erschwert haben, auch künftig Hindernisse
darstellen werden.
taz: Sie waren Sonderbeauftragter für Iran und zuvor bereits Teil des
US-Verhandlungsteams für das Atomabkommen von 2015. Hat Iran, wie von
vielen Experten beschrieben, aktuell die bessere Ausgangsposition?
Malley: Sie haben meine früheren Kontakte zu den Iranern angesprochen. Ja,
es gibt da gewisse Parallelen, aber viele der Lehren aus der Vergangenheit
sind komplett irrelevant. Iran ist überzeugt, ohne Grund angegriffen worden
zu sein, und fühlt sich als Opfer. Gleichzeitig sehen sie sich durch den
Ausgang des Konflikts gestärkt. Deshalb bringen sie Themen zur Sprache, an
die in früheren Verhandlungen nicht einmal zu denken gewesen wäre –
insbesondere die Verknüpfung, die sie zwischen dem iranischen und dem
libanesischen Kriegsschauplatz herstellen.
taz: Israels [2][fortgesetzte Angriffe auf den Libanon] drohten die
Gespräche in der Schweiz aus der Bahn zu werfen. Wie sehen Sie das
Verhältnis zwischen den USA und Israel heute?
Malley: Es ist fast schon paradox, wie sich das Verhältnis im Kriegsverlauf
entwickelt hat. Der Krieg begann mit einer beispiellosen militärischen und
nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit zwischen den USA und Israel, die es
so vielleicht noch nie gegeben hatte. Inzwischen offenbaren die
[3][öffentlichen Äußerungen des US-Präsidenten] über seinen israelischen
Amtskollegen ein tiefes Zerwürfnis. Die Botschaft an Netanjahu ist klar:
„Ihr müsst eure Militäroffensive im Libanon stoppen – und zwar zugunsten
eines Abkommens, das euch eigentlich gar nicht gefällt.“
taz: Seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen Iran und den
USA in der vergangenen Woche gibt es immer wieder Vergleiche mit dem
Atomabkommen (JCPOA) von 2015. Wie sehen Sie das?
Malley: Ich halte diese Vergleiche zum jetzigen Zeitpunkt für irrelevant.
Das JCPOA umfasst unzählige Seiten mit Details zum Atomprogramm und zu den
Sanktionen; es ist ein akribisch und sorgfältig ausgearbeitetes Dokument.
Die Ausarbeitung der Absichtserklärung lässt hingegen zu wünschen übrig;
sie umfasst gerade einmal anderthalb Seiten und ist voller Ungenauigkeiten.
Es macht also wenig Sinn, beide Dokumente inhaltlich zu vergleichen.
taz: Sind Sie trotzdem überrascht, dass es von republikanischer Seite so
viel Kritik an der Absichtserklärung gegeben hat?
Malley: Nein, es überrascht mich nicht. Es war wohl absehbar, dass die
Republikaner, insbesondere die Hardliner unter ihnen, heftige Kritik an
dieser Absichtserklärung üben. Denn ihre Theorie lautete immer, man müsse
die iranische Wirtschaft strangulieren oder militärisch angreifen, um das
gewünschte Ergebnis zu erzielen – einen Regimewechsel, den Zusammenbruch
des Regimes oder ähnliches. Präsident Trump hat beides versucht: „maximalen
Druck“ und einen Militärschlag. Seine Schlussfolgerung lautet nun aber,
dass wir eine Absichtserklärung brauchen, die im Wesentlichen den
Grundgedanken des damaligen Atomabkommens aufgreift: eine Einschränkung des
iranischen Atomprogramms im Austausch für eine Lockerung der Sanktionen.
taz: Wie viel Innenpolitik steckt in der Entscheidung der Trump-Regierung?
Malley: Ganz klar: Er hatte die Innenpolitik im Blick. Er hatte die
Inflationsrate im Blick. Er hatte die anstehenden Kongresswahlen im
November im Blick. All das spielte eine entscheidende Rolle. Dass er dies
inzwischen offen zugibt, ist einerseits ein Dementi seiner früheren
Aussagen, aber auch etwas Erstaunliches. Denn wenn er jetzt sagt, die USA
könnten diesen Krieg aus wirtschaftlichen Gründen schlichtweg nicht führen,
dann bestärkt das zwangsläufig Iran.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Hansjürgen Mai
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