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       # taz.de -- Klaus Raab empfiehlt Serien: Hauptsache, Fußball!
       
       > Falls mal kein WM-Spiel läuft: taz FUTURZWEI empfiehlt Fußballserien über
       > die Geschichte von 1860 München, Mesut Özil und die des Fußballs der
       > Frauen.
       
   IMG Bild: Schwierig den Durchblick zu behalten: Klaus Raab empfiehlt die besten Serien abseits der Herren-WM
       
       [1][taz FUTURZWEI] | Eines ist amüsant an all den
       Fußballdokumentationsserien über Topvereine und Superstars, die seit etwa
       acht Jahren auf vielen Streamingdiensten laufen: zu sehen, wie viel Mühe
       sich die [2][Cristiano Ronaldos], Manchester Citys und Juventus Turins
       geben, interessant zu sein. Sie hätten halt auch gern richtig was über sich
       zu erzählen. Geschichten vom liebenswerten Underdog, der gegen alle
       Widerstände gewinnt.
       
       ## ARD-MEDIATHEK: Rise & Fall of 1860 München
       
       Das Schöne am Fußball ist allerdings, dass sie in dieser Hinsicht
       chancenlos sind gegen die Kleinen. Du kannst einfach nicht David sein, wenn
       du in der Liga der Goliaths spielst. Wer für seine Pokale ein Museum
       braucht, dessen Geschichte könnte selbst Sophokles nicht zur sportlichen
       Tragödie aufpimpen. Die besten Fußballerzählungen handeln immer von denen,
       die überraschend nach oben kommen. Oder die auf bittere, manchmal
       bemerkenswert dämliche Art abschmieren. Und so kann hiermit zum bisherigen
       Meister aller Fußballserien gekrönt werden: eine Serie des Bayerischen
       Rundfunks über den [3][TSV 1860 München].
       
       1860, die Löwen genannt, ist ein Verein, dessen Männerabteilung heute unter
       ferner liefen vor sich hindümpelt, der ein schrottiges Kleinstadion bespaßt
       und zu seiner besten Zeit mal einen lauten Wiesnwirt als Präsidenten hatte.
       Viele Fans denken aufgrund seiner Urviehhaftigkeit gern an ihn zurück,
       obwohl er den Klub mit der selbstsicheren Attitüde eines Kasinobetreibers
       erst in die Bundesligaspitze und dann mit Scheiße am Schuh (verschossener
       Elfer! 89. Minute! Abstieg! Welcher Betriebswirt würde so etwas
       vorhersehen?) in die Schulden gewirtschaftet hatte.
       
       Danach stieg ein jordanischer Investor ein. Der dachte, er würde für seine
       millionenschwere Rettungstat nun in den Eckkneipen der Löwen-Fans geliebt.
       Wird er aber nicht.
       
       Und von diesem Auf- und Abstieg und dieser Spannung zwischen global
       angelegtem Fußballbusiness und lokalem, vereinspolitisch wirksamem
       Fan-Traditionalismus, der unterhaltsam ist, sofern es gegen den großen FC
       Bayern geht, aber sehr eklig, wenn der Investor rassistisch beleidigt wird,
       handelt Rise & Fall of 1860 München.
       
       Es ist eine gut beobachtete, in diesem Jahr zu Recht für den
       [4][Grimme-Preise] nominiert gewesene Serie mit einer organischen
       Dramaturgie und mit vielen gut ausgewählten Gesprächspartnern vom
       Bierfahrer bis zum besagten Investor, dessen Blick auf 1860 gewinnbringend
       für das Gesamtbild ist.
       
       Wer Fußball nicht komplett hasst, sollte sich diese rasant geschnittene
       Mischung aus Burleske, Wirtschaftskrimi und babylonischem Drama wirklich
       ansehen. Lohnt sich fünf Folgen lang.
       
       ## ARD-MEDIATHEK: Mädchen können kein Fußball spielen
       
       Man stelle sich vor, alle Fußballfilme und -serien befänden sich in einem
       Lostopf. Wie wahrscheinlich wäre es nach den Regeln der Stochastik, eine
       Produktion zu ziehen, die von Frauenfußball handelt? Eins zu zwanzig?
       
       Anders als Männerfußballserien, die eigentlich immer Konjunktur haben,
       werden Frauenfußballserien offensichtlich nur im Vorfeld großer Anlässe wie
       Europa- und Weltmeisterschaften produziert. Auch daran kann man die
       strukturellen Unterschiede zwischen Frauen- und Männerfußball erkennen, die
       es nach wie vor gibt: Was zugeschriebene Bedeutung angeht, handelt es sich
       um verschiedene Sportarten. Von der Geschichte dieser Unterschiede und
       damit auch von der jahrzehntelangen Ignoranz des [5][Deutschen
       Fußball-Bunds] handelt der 90-minütige Film Mädchen können kein Fußball
       spielen von Torsten Körner.
       
       Der Filmtitel ist das Zitat der ehemaligen Spielerin Anne Trabant-Haarbach.
       Sie fasst damit die Reaktion der Jungs in ihrer Kindheit zusammen, die sie
       ins Tor stellten, als sie mitspielen wollte.
       
       Torsten Körner, bekannt für seine akribische Archivarbeit, erzählt die
       Geschichte von den Anfängen des Fußballs der Frauen in Deutschland bis zum
       Europameistertitel 1989 im eigenen Land. Er zeigt zum einen, wie viel in
       der Zwischenzeit dann eben doch geschehen ist. Männer, die den Frauen das
       Anlegen eines Brustpanzers empfehlen, wirken heute ja dann doch wie aus
       einer völlig anderen Ära. Und Kommentatoren, die Fußballerinnen für
       „ausgekochte Kombinationen“ loben, könnten wohl auch nur noch bei rechten
       Krawallmedien reüssieren.
       
       Zum anderen aber zeigt Körner, wie steinig der Weg war. Bekannte, aber
       nicht im allgemeinen Gedächtnis verankerte Episoden sind dabei: etwa die
       von der inoffiziellen Frauen-WM 1981 in [6][Taiwan], die Deutschland gewann
       – nicht mit einer Nationalmannschaft allerdings, sondern mit einer
       selbstfinanzierten Gruppe aus Bergisch Gladbach. Die vielen Spielerinnen,
       die zu Wort kommen, kommentieren die Geschichte im Rückblick süffisant und
       unverbittert.
       
       Dass auch die Geschichte des Fußballs der Frauen in der [7][DDR] ihren
       Platz erhält, in der Frauen selbstverständlicher Fußball spielten, gehört
       zum Besten des Films. Sie ist allein von Interesse, aber sie ist auch eine
       Vergleichsgröße. Denn sie verdeutlicht, wie zurechtkonstruiert die
       Verhinderungsdebatten im Westen über Jahrzehnte waren. Man kann am Ende
       nicht alles darauf schieben, dass die Zeiten eben so waren. Natürlich wäre
       es anders gegangen.
       
       ## ZDF-MEDIATHEK: Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden
       
       Und dann sind da, immer wieder, Fußballserien, die von einzelnen Stars
       handeln. Imagefilmartige Produktionen in der Regel. Aber manche eben auch
       nicht.
       
       Dazu gehört die ZDF-Serie über den Gelsenkirchener [8][Mesut Özil], der
       sich – statt für die türkische – für die [9][deutsche Nationalmannschaft]
       entschied und sie 2014 mit zum Weltmeistertitel führte. Wir erinnern uns:
       2018 ließ er sich mit dem autokratischen Präsidenten der [10][Türkei]
       fotografieren, beklagte – zurecht, wie die Serie herausarbeitet – fehlende
       Rückendeckung und rassistische Verurteilungen. Er sei Deutscher, wenn er
       gut spiele, und Türke, wenn er etwas falsch mache, sagte er. Das saß, weil
       es einleuchtete.
       
       Aber dass er [11][Recep Tayyip Erdoğan] damals im Wahlkampf half, ihn
       später zu seinem Trauzeugen machte, heute in einem Führungsgremium der
       Erdoğan-Partei [12][AKP] sitzt und einem eigenen Posting zufolge ein Tattoo
       der [13][Grauen Wölfe] trägt, stimmt eben auch. Özil war komplett schief
       gewickelt, sich einem Autokraten zuzuwenden und zu glauben, das werde in
       Deutschland als seine Privatsache behandelt. Und zugleich wurde ihm Unrecht
       getan; die Reaktionen waren unerbittlich, ganz anders als etwa im Fall des
       Deutschfranken [14][Lothar Matthäus], der, ebenfalls 2018, Russlands
       Präsident hofierte. Beides ist möglich.
       
       Es gelingt dem Filmemacher Florian Opitz, in der letzten Folge genau das
       herauszuarbeiten. Daran haben auch Opitz’ Gesprächspartner ihren Anteil,
       etwa Volkan Ağar, der zum Kader des taz-Betriebsfußballteams gehört, des
       taz Panter FC. Und dann ist da dieser Satz von Andreas Bock, Redakteur beim
       Fußballmagazin 11Freunde, den man über viele Debatten schreiben könnte, in
       denen Fußball ins Gesellschaftspolitische hineinragt: „Es war eine
       überkomplexe Debatte für eine unterkomplexe Branche.“ Volltreffer.
       
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       23 Jun 2026
       
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   DIR Klaus Raab
       
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