# taz.de -- WM-Torschützin Marta: Die abgelöste Rekordhalterin
> Lionel Messi holt sich die alleinige WM-Torjägerkrone. Ein Porträt
> derjenigen, die sie vorher inne hatte.
IMG Bild: „Wie Messi“? Nein, wie Marta
Alle Welt ist im Messi-Fieber. Allerspätestens seit der 38-Jährige mit
seinem Doppelpack gegen Österreich alleiniger Rekordtorschütze bei
Weltmeisterschaften geworden ist. Natürlich meldete sich anschließend
Miroslav Klose, der irgendwann früher auch 16 WM-Tore erzielt hat, zu Wort:
„Ich habe doch immer gesagt, der Messi ist kein Schlechter.“ Fast unter
ging dabei, wen der Argentinier tatsächlich überholt hat: die
brasilianische Fußballerin Marta. Denn die war es, die seit 2019 mit 17
WM-Toren den bisherigen Rekord hielt. Auch sie gratulierte dem Argentinier
und postete ein Bild von Messi in ihrer Instagram-Story – versehen mit zwei
Applaus-Emojis.
Marta ist für den Frauenfußball das, was Messi für den Männerfußball ist.
Sechs Mal wurde sie zur Weltfußballerin gewählt. Auf Vereinsebene gewann
sie nahezu alles, fünf Meistertitel in Schweden sowie die Women's Champions
League. Hinzu kamen zwei Triumphe in der Copa Libertadores Femenina, dem
südamerikanischen Pendant zur Champions League. In den USA wurde sie
außerdem zwei Mal Nordamerika-Meisterin. Wo Marta spielte, war der Erfolg
meist nicht weit entfernt.
Außer im Nationalteam. Marta debütierte bereits 2002 als 16-Jährige für
Brasilien und nahm – wie Messi – an sechs Weltmeisterschaften teil. Doch
für den ganz großen Wurf reichte es nicht. 2007 verschoss Marta im Finale
einen Elfmeter, die Partie ging mit 0:2 verloren. Bei Olympischen Spielen
stand sie drei Mal mit Brasilien im Endspiel, drei Mal blieb nur Silber.
Was ihr auf der Weltbühne verwehrt war, holte sie auf kontinentaler Ebene
nach. Die Südamerikameisterschaft gewann Marta insgesamt vier Mal.
2024 beendete sie zunächst ihre Karriere in der Seleção, gab jedoch im Mai
2025 überraschend ihren Rücktritt vom Rücktritt bekannt. Eine Parallele zu
Messi, der 2016 nach der Niederlage im Finale der Copa América aus der
argentinischen Nationalmannschaft zurücktrat, später zurückkehrte und dann
Weltmeister wurde. Ob Marta bei der Weltmeisterschaft 2027 im eigenen Land
noch einmal auflaufen wird – dann wäre sie 41 Jahre alt –, ist allerdings
offen.
Doch auch wenn sie auf der ganz großen Bühne unvollendet bleibt, hat sie
Maßstäbe gesetzt. Sie trug zu etwas bei, das größer ist als Titel und
Rekorde. „Wenn wir gut 20 Jahre zurückblicken, also auf die Zeit, als ich
mit dem Fußball anfing, drehte sich alles um die Welt der Männer. Die Leute
sahen Fußball damals einfach als Sportart für Männer an“, sagte sie 2024.
Heute verbindet man die legendäre 10 nicht mehr nur mit Messi, Maradona
oder Pelé: Auch Marta hat dieser Rückennummer ihren Stempel aufgedrückt.
23 Jun 2026
## AUTOREN
DIR Rico Setz
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