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       # taz.de -- WM-Rekord bei Frankreich gegen Irak: 132 Minuten Hydration-Break
       
       > Blitze, Regen und Sturm haben für das längste WM-Spiel ever gesorgt. Der
       > Klimawandel könnte eine Rolle spielen. Mit dem ist die Fifa auf Du und
       > Du.
       
   IMG Bild: Endzeitmovie? Apokalypse? Vielleicht für Europäer:inne. Für Zuschauer:innen in den USA völlig normal: Pause wegen Extremwetter
       
       Klimakrise? Hä? War doch nur Wetter. Ganz normal in dieser Jahreszeit und
       dazu noch mit Ansage. Eine Herausforderung für die Logistik vielleicht –
       und für die Frage, wie man die Zuschauer:innen während des Wartens bei
       Laune hält. Mehr war die unwetterbedingte Unterbrechung des Spiels
       Frankreich gegen Irak in Philadelphia am späten Montagnachmittag (Ortszeit)
       nicht – jedenfalls, wenn man US-Medien liest.
       
       Fox-News langweilte in der Pause mit einer Wiederholung des Spiels USA
       gegen Australien vom Freitag, andere erklärten unermüdlich die
       Schlechtwetterregeln: In den USA gelten die Empfehlungen der [1][National
       Oceanic and Atmospheric Administration] – eine der vielen
       Klimainstitutionen übrigens, die Präsident Donald Trump massiv geschwächt
       hat. Laut dieser NOAA muss ein Spiel für 30 Minuten unterbrochen werden,
       wenn es einen Blitzschlag in einem Umkreis von 8 Meilen um ein Stadion
       gibt. Blitzt es erneut, beginnt der Countdown von Neuem. Eine Höchstgrenze
       gibt es nicht.
       
       In Philadelphia kamen so 132 Minuten Verzögerung zusammen. Insgesamt
       dauerte die Partie deshalb 229 Minuten, das längste WM-Spiel aller Zeiten –
       dabei fiel im zweiten Durchgang sogar die Trinkpause aus.
       
       Anders als die US-Kolleg:innen schreckten die Ticker- und
       Rundfunkjounalist:innen in Europa gleich auf und sahen einen
       Zusammenhang mit der Erderhitzung: [2][dass Starkregen] und
       [3][Blitzeinschläge durch den Klimawandel] wahrscheinlicher und heftiger
       werden. Mal abgesehen davon, dass Hurrikans und Gewitter in Nordamerika
       ohnehin schon viermal häufiger vorkommen als in Europa.
       
       ## Guter Fifa-Plan
       
       Natürlich könnte man das auch in den USA wissen und erst recht bei der
       Fifa. Die hat sich schon vor fünf Jahren bei der UN-Klimakonferenz in
       Schottland verpflichtet, ihre Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu
       reduzieren und bis 2040 auf Netto-Null zu senken. Fifa-Präsident Gianni
       Infantino rief schon zur letzten WM in Katar dazu auf, persönliche Beiträge
       für die Umwelt zu leisten.
       
       Geschenkt, dass die Praxis ganz anders aussieht: Heute fliegt Infantino im
       Privatjet zu den Spielen, die Klimabilanz dieser WM dürfte die bei Weitem
       schlechteste ever werden. Die unabhängige britische Organisation
       [4][Scientists for Global Responsibility etwa rechnet in einer Studie mit
       einem CO₂-Ausstoß von neun Millionen Tonnen] - nicht eingerechnet bis zu 30
       Millionen weitere Tonnen durch Geschäfte, die Saudi Aramco, der weltgrößte
       Ölförderer, durch seine Partnerschaft mit der Fifa generieren könnte. Der
       Thinktank New Weather Institute hat Szenarien mit bis zu 15 Millionen
       Tonnen CO₂ entworfen. Sie alle kommen jedenfalls mindestens auf annähernd
       doppelt so viel Treibhausgas wie die 4,7 Millionen Tonnen, die die Turniere
       zwischen 2010 und 2022 im Schnitt produziert haben.
       
       Den größten Anteil von 7,7 bis 7,8 Millionen Tonnen CO₂ (nicht eingerechnet
       die [5][zusätzlichen Klimaeffekte des Fliegens]) steuern bei der aktuellen
       Dreiländer-WM die vielen Flüge von Mannschaften, Funktionär:innen und
       Fans bei. Hinzu kommen Baumaßnahmen, die weitere Logistik sowie Energie für
       Stadien und Hotels.
       
       ## Challenge Kompensation
       
       Aber immerhin: Die Fifa weiß Bescheid und hat gesagt, dass sie den
       Mehrausstoß ausgleichen will. Interessant wird sein, wie. Von weniger
       Fliegen war – siehe oben – nie die Rede, mit besserem öffentlichen Verkehr
       und weniger Verpackungsmüll hat es offenbar auch nicht wirklich geklappt.
       Dass Stadien nicht neu gebaut werden mussten, hat ihr immerhin in die
       Karten gespielt. Nun aber auch möglichst wenig Energie für den Betrieb
       dieser Paläste zu verbrauchen, wird allerdings bestimmt nicht einfacher,
       wenn noch mehr Spiele noch mehr verlängert werden. Der Kauf von
       Emissionszertifikaten und letztlich [6][Schönrechnerei] wie schon bei der
       WM in Katar werden es wohl rausreißen müssen.
       
       Aber bei der Fifa hat man sich offenbar nicht mal so richtig Gedanken über
       das Wetter gemacht – und das könnte schon ab diesen Mittwoch neue Fragen
       aufwerfen. Am dritten Spieltag finden die beiden Spiele jeder Gruppe immer
       parallel statt, der Fairness halber, um so etwas wie die „Schande von
       Gíjon“ zu verhindern. Was passiert, wenn nun eins der Spiele wegen Regen
       und Sturm unterbrochen werden muss? Muss das andere dann auch pausieren?
       Dazu gibt es noch keine Ansage.
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Donald-Trump-kuendigt-massenhaft-Vertraege/!6143804
   DIR [2] https://www.klimafakten.de/sites/default/files/downloads/deueber-extremwetter-und-klimawandel-berichtenfinal.pdf
   DIR [3] https://www.science.org/doi/10.1126/science.1259100
   DIR [4] https://www.sgr.org.uk/resources/2026-fifa-men-s-world-cup-be-most-polluting-ever
   DIR [5] /Neue-Richtlinie-fuer-Flugzeugkraftstoffe/!5927581
   DIR [6] /CO2-Rekordwert-bei-Katar-WM/!5893932
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Beate Willms
       
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