# taz.de -- Düsseldorfbesuch mit Farbexplosion: Wolfgang Welt macht Disco
> In Düsseldorf wird des Popautors Wolfgang Welt gedacht. Draußen sorgt
> derweil ein Gewitter für echtes Feuerwerk.
Die Essener Freundin sagt für Düsseldorf ab. 33 Grad sind ihr zu heiß. Mir
nicht, ich reise aus Berlin an. Ich komme fast ohne einkalkulierte
Verspätung an und so bleibt mir vor der Abendveranstaltung Zeit, um auf der
Kö, dem Herzensort meiner Lieblingstante, Damenmodeverkäuferin im Kölner
Kaufhof, zu flanieren. Am Ende der Allee steht eine Filiale ihres Ladens.
Während ein babyblauer Ferrari vorbeiröhrt, biege ich Richtung
Heinrich-Heine-Institut ab.
Martin Willems hat dorthin eingeladen, damit der [1][Schriftsteller
Wolfgang Welt] nicht in Vergessenheit gerät. Die Schauspielerin
Jasmin-Nevin Varul liest aus größtenteils unveröffentlichten Briefen. Herr
Willems kommentiert, belegt. Welts Telefonbucheintrag als
Universaldilettant leuchtet auf der Leinwand. Währenddessen prasselt und
rumort es draußen – wir sind sicher. Alle Schotten sind dicht. Wir sehen
nichts von dem Gewitter.
Die Zuhausegebliebene textet, „Warnstufe rot, Weltuntergang für Herrn
Welt“. Mich beseelt seine Schreibe, sein literarisches Wissen, seine coole
Ansprache honoriger Herren samt Absendergruß auf Latein für „Jedes
Lebewesen ist nach dem Sex traurig“, sein Stacheln für angemessene
Bezahlung für alle im Plattenladen, seine Liebe für den Rock ‚n‘ Roll. Er
ist jetzt 10 Jahre tot. Er schrieb sich verrückt.
Später hat es kaum abgekühlt. Einer der Gäste begleitet mich zur U-Bahn.
Unterwegs gibt es Pizza. Was ihn mit Wolfgang Welt verbindet? Er war auch
in der Psychiatrie. Seine Bücher hat er nicht gelesen. Wenn jemand für ihn
den Weg von Berlin hierher macht, muss er ja toll sein.
Essen sendet ein Foto mit roten und orangen Leuchtbändern am Firmament: „Es
wird immer wilder im Himmel. Wolfgang Welt macht Disco.“ Als weiteres
Weltgeschehen knallt von zwei bis drei Uhr nachts ein echtes Feuerwerk vor
meinem Fenster.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Silke Mohr
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