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       # taz.de -- „Befreiung von der Mafia“: Magyar räumt mit der Brechstange auf
       
       > Ungarns neuer Premier will mit dem Maßnahmenpaket „Fegefeuer“ das
       > Orbán-System zerschlagen. Doch für die Art seines Vorgehens erntet er
       > Kritik.
       
   IMG Bild: Ein Präsident auf Abruf: Staatspräsident Tamás Sulyok könnte Péter Magyars „Fegefeuer“ zum Opfer fallen
       
       [1][Der neue ungarische Regierungschef Péter Magyar] will radikal mit dem
       System seines Vorgängers Viktor Orbán brechen. Bei einer Pressekonferenz
       stellte er am Montag sein „Fegefeuer“ genanntes Maßnahmenpaket vor, das auf
       das Spitzenpersonal der Orbán-Ära zielt. Mit einer Verfassungsänderung soll
       mit Magyars Zweidrittelmehrheit der Staatspräsident Tamás Sulyok des Amtes
       enthoben werden. Einen Rücktritt lehnte Sulyok bisher ab und warnte vor
       einer Verfassungskrise.
       
       Die Maßnahmen sollen Ungarn von der „politischen und wirtschaftlichen Mafia
       der vergangenen 16 Jahre“ befreien. Die geplante Verfassungsänderung würde
       am Tag nach ihrem Inkrafttreten Sulyoks Mandat beenden. Unterschreibt er
       seine eigene Abberufung nicht, droht eine Amtsenthebung, danach übernimmt
       der Parlamentspräsident kommissarisch und kann selbst unterzeichnen.
       
       Magyar rechnet damit, dass Sulyok um den 20. Juli sein Amt verliert. Bis
       zum Nationalfeiertag am 20. August soll dann ein Nachfolger gewählt sein.
       Auch das Verfassungsgericht wird umgebaut: Die Altersgrenze von 70 kehrt
       zurück, die Richter dürfen ihren Präsidenten künftig selbst wählen. Péter
       Polt, seit 2025 Präsident des Verfassungsgerichts, dürfte dann im Herbst
       altersbedingt aus dem Amt scheiden.
       
       Weiteres Herzstück ist ein neues Amt für Vermögensrückführung, das dem
       Parlament und nicht der Regierung untersteht. Vorbild ist die Europäische
       Staatsanwaltschaft: Das Amt soll Ermittler von Polizei, Staatsanwaltschaft
       und Steuerbehörde bündeln und Strafverfahren einleiten, mit dem Zugriff auf
       Bankdaten, aber auch zivilrechtlich gegen auffälligen Reichtum vorgehen
       können. Parallel streicht Magyar jene Gesetze, mit denen Orbán fast alles
       an die Zweidrittelmehrheit gebunden hat, und begrenzt die
       Abgeordnetenmandate auf zwölf Jahre.
       
       ## Magyars Vorgehen unterscheidet sich kaum von dem Orbáns
       
       So notwendig die Reformen auch sein mögen, sind sie äußerst heikel. Denn
       Magyar nutzt dieselben Methoden, mit denen Orbán einst seine Macht
       befestigte. Genau davor warnt Amnesty International Ungarn. Die
       Organisation teilt zwar die Kritik an Präsident Sulyok, hält die
       Vorgangsweise jedoch für falsch. Sie ignoriere Sulyoks Recht auf ein faires
       Verfahren, auch die Begutachtungsfrist von fünf Tagen sei zu kurz. Auf
       Magyars Pressekonferenz hagelte es kritische Fragen, die er größtenteils
       abwies. Eine Stellungnahme der in Verfassungsfragen beratenden
       Venedigkommission des Europarates wolle er nicht abwarten, auch eine
       Prüfung durch das Verfassungsgericht wischte er beiseite.
       
       Damit ist der wunde Punkt benannt. Wer eine „Mafia“ mit beschleunigten
       Mehrheitsbeschlüssen und maßgeschneiderten Verfassungsartikeln bekämpft,
       läuft Gefahr, die alte Machtlogik fortzuschreiben. [2][Zwar hat Magyar
       jüngst auch seine eigene Zeit als Ministerpräsident auf zwei Amtszeiten
       begrenzt], doch bleibt fraglich, ob seine Regierung nicht demselben
       Machtrausch verfällt wie einst Orbán. Lackmustest dafür wird unter anderem
       sein, ob die neue Regierung ihr Versprechen wahrmacht und das Wahlrecht –
       potenziell zu ihren Ungunsten – wieder umbaut und normalisiert.
       
       Unterdessen nahm Ungarns Parlament am Dienstag mit einem anderen
       Reformpaket die letzte Hürde für die Freigabe der eingefrorenen EU-Mittel
       von fast 20 Milliarden Euro. Das Geld war wegen
       Rechtsstaatlichkeitsbedenken unter Orbán eingefroren gewesen. Strengere
       Vermögenserklärungen und die Abschaffung der berüchtigten Stiftungen, über
       die Geld an Orbán-Günstlinge floss, ebneten den Weg für die Freigabe.
       
       Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der jahrelang fest in Händen
       Orbáns war, wird umgebaut: Sechs Sitze im Medienrat werden zu gleichen
       Teilen von Regierung und Opposition besetzt. Drei weitere Mandate in diesem
       Kontrollgremium werden von den journalistischen Berufsverbänden vergeben.
       Zugleich enden die Mandate der bisherigen Sendergeschäftsführer, bis eine
       Übergangsleitung bestimmt ist.
       
       Für September verspricht Magyar eine landesweite Debatte über eine völlig
       neue ungarische Verfassung, an deren Ende ein Volksentscheid stehen soll.
       
       23 Jun 2026
       
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   DIR Florian Bayer
       
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