# taz.de -- Film „Das Sommerbuch“: Der Sommerhut hängt noch am Haken
> Im Film „Das Sommerbuch“ nach dem Roman von Tove Jansson brilliert Glenn
> Close als Großmutter. Statt Witz und Leichtigkeit herrscht aber
> Melancholie.
IMG Bild: Die Großmutter (Glenn Close) und das Meer in „Das Sommerbuch“
Es ist ein Wagnis, dieses Buch zu verfilmen. „Das Sommerbuch“ der
finnlandschwedischen [1][Autorin Tove Jansson] spielt in der finnischen
Schärenlandschaft und handelt von der Freundschaft zwischen dem kleinen
Mädchen Sophia und ihrer Großmutter. Es ist durchzogen von einer
einzigartigen Atmosphäre, gleichsam durchatmet von einer in sich ruhenden
Heiterkeit, über die die Autorin mit leichter Hand Momente von
alltagsphilosophischem Witz und von aufblitzendem Trotz gegenüber den
Zumutungen des Lebens gesprenkelt hat.
Diese Grundstimmung ist, vielleicht ja sogar absichtlich, nicht
wiederzufinden im gleichnamigen Film von Charlie McDowell, „based on the
novel by Tove Jansson“, dessen Drehbuchautor Robert Jones zwar viele Szenen
aus dem Roman übernommen hat, aber dem Stoff genau jene zugleich heitere
wie weise Leichtigkeit entzieht, die Janssons Buch ausmacht. Stattdessen
wendet er den Film auf der Stimmungsskala um hundertachtzig Grad ins
Melancholische.
Ins Bild kommt, das ist wörtlich zu nehmen, Sophias Vater (Anders Danielsen
Lie), der im Buch lediglich als freundliche Instanz irgendwo im Hintergrund
existiert. Im Film fungiert er als Träger trostloser Trauer um seine
verstorbene Frau, deren Strohhut noch am Haken neben der Tür hängt, als die
auf drei Personen geschrumpfte Familie in ihr Sommerhaus auf der
Schäreninsel kommt.
Für seine verwaiste Tochter (Emily Matthews) hat er, gefangen in
selbstmitleidiger Seelenschwärze, keine emotionalen Kapazitäten übrig. So
bleibt es der Großmutter überlassen, sich um das Kind zu kümmern. [2][Glenn
Close] als gebrechliche Alte ist großartig und sorgt quasi im gebückten
Alleingang dafür, dass der Film trotz allem sehenswert ist. Aber das
natürlich auch noch wegen der Landschaftsaufnahmen, die nebenbei ein
bittersüßes Fernweh nach den klimatisch begünstigten Regionen des Nordens
auslösen.
## Gestank der Trauer
Eine gewisse kognitive Dissonanz entsteht dadurch, dass die
Darsteller:innen – und das mit unterschiedlichen Akzenten – Englisch
sprechen, dass aber Gegenstände, von denen sie umgeben sind, von der
Ausstattung eigens mit schwedischen Aufschriften versehen wurden. Es wäre
ja durchaus möglich gewesen, die Handlung in eine andere Weltgegend zu
verlegen oder aber auf Schwedisch zu drehen. Ebenso inkonsequent ist die
Art und Weise, wie Romanszenen im Film angedeutet werden, aber ihren Kern
oft nicht berühren.
Die Beschäftigung von Sophia und ihrer Großmutter mit dem Tod hat bei
Jansson, neben vielen anderen Dingen, große Bedeutung – immerhin ist die
Mutter des Mädchens gestorben –, doch geschieht das ohne Worte, nur im
Spiel, und ohne dass die Autorin jemals einen expliziten Bezug herstellen
würde. Solche hintergründigen Szenen fehlen im Film. Stattdessen wird eine
ausgesprochen vordergründige Last der Trauer eingeführt – „Gestank der
Trauer“ nennt es der Vater einmal gar –, die ganz allein von der Vaterfigur
zu tragen ist.
Wie das Kind den Verlust der Mutter verarbeitet, dazu hat der Film nichts
zu sagen. Was hat dieser Stimmungskiller von Vater sowieso in der
Sommergeschichte von Sophia und ihrer Großmutter zu suchen? Konnte das rein
männliche Team aus Regisseur und Drehbuchautor sich vielleicht schlicht
nicht vorstellen, einen Film mit zwei weiblichen Hauptfiguren zu drehen?
Oder ohne ein love interest, und sei es tot?
Wie auch immer; die Verschiebung des Sujets der menschlichen Endlichkeit in
den thematischen Vordergrund macht es platt und gleichzeitig den finnischen
Sommer zu einer unverdient traurigen Angelegenheit. Wenn der Film doch
einmal ein bisschen Komik wagt, wie in jener Szene, als Sophia und die
Großmutter beim unerlaubten Erkunden einer Nachbarinsel erwischt werden, so
wirkt das Ergebnis nicht hintergründig, sondern verdruckst. Aber nun ja.
Glenn Close gleicht ja vieles aus und brilliert mit einer altweiberhaften
Widerständigkeit, die frau und man gesehen haben sollten.
24 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Katharina Granzin
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