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       # taz.de -- Die Wahrheit: Mehr Licht!
       
       > Lichte Momente entstehen durch gute Beleuchtung. Funzeln und Kerzen
       > dagegen bringen Traurigkeit in die Welt. Ein Plädoyer für viel, viel Lux.
       
       Ich weiß nicht, wer als erster Mensch fehlendes Licht mit dem Adjektiv
       „gemütlich“ assoziiert hat. Aber dieser Link hat sich offensichtlich
       durchgesetzt. Googelt man „Gemütlichkeit“ oder vergleichbare Wörter in
       anderen Sprachen – „cosiness“, „hygge“ – und lässt sich dazu Bilder
       anzeigen, sieht man neben Wolldecken, Strickstrümpfen und Teekannen vor
       allem: Kerzen jeder Größe. Und schummrige Zimmer, in denen mehrere Lampen
       mit Watt-Zahlen unter der Wahrnehmungsgrenze verteilt wurden. Oder einen
       Kamin, der nicht nur als Wärme-, sondern offensichtlich auch als einzige
       Lichtquelle dient. Kurzum: Man sieht saumäßig schlecht beleuchtete Räume!
       
       Ich selbst empfinde helles Licht als angenehm und behaglich – und genau so
       definiert der Duden das Wort „gemütlich“. Aber kaum fühle ich mich
       solchermaßen in einem hellen Raum wohl, fühlt sich irgendjemand befleißigt,
       das zu ändern. Ich höre dann Sätze, die für mich wie Drohungen klingen. Zum
       Beispiel: „Das ist ja wie auf’m OP-Tisch. Ich mach’s uns mal ein bisschen
       netter“. Und schwupps wird die mein Gemüt auf- und den Raum erhellende
       Deckenlampe ausgemacht und vier bis fünf kleine, oft hinter Sofas
       versteckte oder gegen die Wand gerichtete Leuchten, sogenannte „indirekte
       Lichtquellen“, werden angeknipst. Und mir wird schlagartig das Herz schwer.
       
       Ich sehe mich diesbezüglich durchaus im Einklang mit der Biologie. Und der
       Menschheitsgeschichte. Früher bedeutete Dunkelheit: Schlafen! Und bis heute
       will unser Körper dementsprechend reagieren. Möchte man sich aber gegen
       diese Bevormundung durch die Natur wehren und im Winter nicht schon um 16
       Uhr 30 ins Bett gehen, muss man es eben hell machen. Richtig hell. Die
       technischen Möglichkeiten dazu wurden ja inzwischen erfunden. Dieses
       dustere und düstere „Ich zünde uns eine Kerze an und mach uns noch ’ne
       Flasche Wein auf“ ist so gesehen halbgarer Quatsch.
       
       ## Zufrieden und hellwach
       
       Die Biologie erklärt das so: Zufrieden, ausgeglichen und wach fühlen wir
       uns, wenn das Hormon Serotonin in unserem Körper ausreichend vorhanden ist.
       Und was regt die Serotoninproduktion an? Licht. Am besten helles
       Sonnenlicht. Zur Not tut es aber auch eine Tageslichtlampe, 10.000 bis
       20.000 Lux stark.
       
       Auch auf Theaterbühnen hängen Regisseure und von ihnen gedungene Beleuchter
       gerne dem Irrglauben an, fehlendes Licht schaffe „Atmosphäre“ oder eine
       „Stimmung“. Die Einstellung der Scheinwerfer in einer bestimmten Szene wird
       ja auch tatsächlich als „Lichtstimmung“ bezeichnet. Kann ich aber auf der
       Bühne nicht richtig erkennen, was die Figuren machen, stellt sich bei mir
       nur eine Stimmung ein: schlechte Laune. Ich habe schon Stücke gesehen, in
       denen ich größtenteils raten musste, wer gerade redet.
       
       Dabei lautet die meiner Meinung nach wichtigste und deswegen auch gereimte
       Theaterregel: Wer spricht, kriegt Licht! Schöner, poetischer und
       apodiktischer kann man es nicht sagen.
       
       24 Jun 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Hartmut El Kurdi
       
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