# taz.de -- Neuer Datenschutzbeauftragter: Mr Moderat hat das Amt sicher
> Der Rechtsprofessor Moritz Hennemann soll auf Wunsch der Union
> Bundesdatenschutzbeauftragter werden. Die SPD will ihn am Donnerstag
> mitwählen.
IMG Bild: Moritz Hennemann wird neuer Datenschutzbeauftragter
Auf Vorschlag der CDU/CSU wird der Freiburger Rechtsprofessor Moritz
Hennemann am Donnerstag im Bundestag zum neuen Bundesbeauftragten für
Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) gewählt. Der Jurist (Jahrgang
1985) wird Nachfolger von [1][Louisa Specht-Riemenschneider], die ihr Amt
schon nach zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss.
Moritz Hennemann ist seit 2023 Professor für Zivilrecht, Informationsrecht,
Medienrecht und Internetrecht an der Universität Freiburg. Dass ein
Wissenschaftler zum Datenschutzbeauftragten gewählt wird, ist nicht
selbstverständlich. Oft hatten Politiker das Amt inne, etwa Peter Schaar
(Ex-Grünen-Vorsitzender von Hamburg), Andrea Voßhoff (Ex-CDU-Abgeordnete)
und Ulrich Kelber (Ex-SPD-Abgeordneter). Hennemanns Vorgängerin Louisa
Specht-Riemenschneider war aber parteilose Wissenschaftlerin. Sie kam 2024
während der Ampelkoalition auf Vorschlag von FDP und Grünen ins Amt. Ihre
eigentlich fünfjährige Amtszeit muss sie aus gesundheitlichen Gründen
beenden. Sie kündigte bereits im März ihren Rücktritt an und wartet nur
noch auf die Wahl des Nachfolgers. Hennemann steht dabei für Kontinuität.
Er hat mehrfach gemeinsam mit Specht-Riemenschneider publiziert.
## Strengere Regeln für Tech-Konzerne als für den Mittelstand
Hennemann gilt als moderater Datenschützer. In einem Beitrag für die
Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte Hennemann im vergangenen Dezember die
Vorschläge der EU-Kommission zur Vereinfachung der
EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) begrüßt. Es sei richtig, die
„Strukturbedingungen für Innovationen“ zu stärken, so Hennemann. Die
„Schwarzmalerei der Datenschutzlobby“ lehnte Hennemann ab. Er möchte auch,
dass im Datenschutzrecht nicht überall das gleiche Schutzniveau gilt. Für
[2][Tech-Konzerne wie Alphabet (Google) und Meta (Facebook)] könnten
strengere Regeln gelten als für den Mittelstand und nicht kommerzielle
Aktivitäten.
Wissenschaftlich hat sich Hennemann bisher mehr mit der Datennutzung als
mit dem Datenschutz beschäftigt. Stefan Brink, Ex-Datenschutzbeauftragter
von Baden-Württemberg, sieht darin aber kein Problem. Es sei Aufgabe des
Datenschutzes, die verantwortungsvolle Nutzung der Daten zu ermöglichen.
Die Wahl Hennemanns gilt als sicher. Erforderlich ist die einfache Mehrheit
aller Abgeordneten. Neben der CDU/CSU hat sich auch Koalitionspartner SPD
für Hennemann ausgesprochen. Dass Hennemann kein harter Datenschützer ist,
sprach in der SPD eher für ihn. Der SPD-Mann Ulrich Kelber war der Partei
zu kompromisslos, sodass die SPD in der Ampel-Koalition seine Wiederwahl
verhinderte.
Nach seiner Wahl wird Hennemann aus der Wissenschaft an die Spitze einer
Behörde mit rund 370 Mitarbeiter:innen und 50 Millionen Euro
Jahresetat wechseln. Der Bundesdatenschutzbeauftragte kontrolliert die
Behörden des Bundes inklusive Bundeskriminalamt und Bundesamt für
Verfassungsschutz sowie Telekommunikationsunternehmen. Die aufgedeckten
Missstände und Probleme veröffentlicht er jährlich in einem Bericht. Das
Amt gibt es seit 1978. Seit 2006 ist der Datenschutzbeauftragte zudem für
die Informationsfreiheit zuständig und vermittelt, wenn Bürger von
Bundesbehörden nicht die erwünschten Informationen erhalten. Neben dem
Bundesbeauftragten gibt es noch 16 Landesbeauftragte für Datenschutz, die
die Landesbehörden kontrollieren sowie die meisten Privatunternehmen.
23 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Christian Rath
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