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       # taz.de -- Abschiebungen nach Afghanistan: Taliban zu Gast in Brüssel
       
       > 20 EU-Staaten hatten um Unterstützung bei Abschiebungen durch die
       > EU-Kommission gebeten. Kritik kam von der Opposition und
       > Menschenrechtsorganisationen.
       
   IMG Bild: Taliban welcome! Alle anderen raus!
       
       Neuer Tabubruch in der europäischen Asyl- und Migrationspolitik: Nach den
       umstrittenen [1][„Rückführungszentren“ in Drittstaaten] wie Albanien oder
       Rwanda will die EU nun auch Abschiebungen von nicht anerkannten
       Asylbewerbern nach Afghanistan ermöglichen. Zu diesem Zweck reiste am
       Dienstag eine fünfköpfige Delegation der [2][radikalislamistischen Taliban]
       nach Brüssel, um Gespräche mit der EU-Kommission zu führen.
       
       Der Besuch in der EU-Hauptstadt glich einem Versteckspiel. Angeblich aus
       Sicherheitsgründen – offenbar aber auch aus Angst vor Protesten – wurden
       die Namen der Teilnehmer und der Ort des Treffens geheimgehalten. Die
       Presse erfuhr nicht einmal, wann die Gespräche stattfinden sollten. Nach
       inoffiziellen Angaben soll zu der Delegation unter anderem Abdul Kahar
       Balchi gehören, ein Sprecher des Außenministeriums in Kabul.
       
       Für die Einreise der normalerweise unerwünschten und mit einem
       Einreiseverbot belegten Taliban hatte Belgien eine Ausnahmegenehmigung
       erteilt, ihr Aufenthalt wurde allerdings auf 24 Stunden begrenzt. Der
       belgische Außenminister Maxime Prévot kritisierte die Einladung durch die
       EU-Kommission.
       
       Da Belgien der Sitz der EU-Institutionen ist, habe man die Visa aber nicht
       verweigern können, entschuldigte sich Prévot. Migrationsministerin Anneleen
       Van Bossuyt sprach von einem „notwendigen Übel“. Nur über direkte Gespräche
       könne man Abschiebungen nach Afghanistan einfädeln.
       
       ## Abschiebung von Schwerverbrechern
       
       Die EU-Kommission erklärte, es gehe lediglich um „technische Gespräche“ und
       nicht um politische Verhandlungen. Dabei wolle man über die Abschiebung von
       Afghanen sprechen, die „schwere Verbrechen“ begangen haben und ein
       „Sicherheitsrisiko“ darstellen.
       
       Die Umsetzung der Abschiebeentscheidungen liege aber nicht in Brüssel,
       sondern bei den einzelnen EU-Staaten. „Gespräche bedeuten keine
       Anerkennung“, betonte ein Sprecher. Die EU hat das Taliban-Regime nicht
       anerkannt und Sanktionen gegen seine Vertreter erlassen.
       
       Allerdings ist es bereits das zweite Mal, dass die Brüsseler Behörde mit
       den verfemten Taliban spricht. Erste Gespräche hatten bereits im Januar in
       Afghanistan stattgefunden. Deutschland und andere EU-Länder pflegen schon
       länger Kontakt zu dem Regime in Kabul.
       
       Als einer der ersten hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)
       [3][den Taliban die Hand gereicht]. Aus Deutschland wurden seit 2024
       bereits mehr also 100 Afghanen abgeschoben, obwohl auch die Bundesregierung
       die Taliban nicht als rechtmäßige afghanische Regierung anerkennt.
       
       Dass nun EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen folgt, ist pikant.
       Die CDU-Politikerin verfügt nämlich über kein offizielles Mandat. Als
       Grundlage der Brüsseler Gespräche dient lediglich ein Brief von 20
       EU-Staaten vom 16. Oktober 2025. Darin fordern die Länder – darunter
       Deutschland – die Kommission auf, bei der Abschiebung „irregulärer“
       Migranten nach Afghanistan zu helfen.
       
       Zur Begründung verweisen sie auf die niedrige Rückführungsrate. Im Jahr
       2024 seien EU-weit 22.870 Abschiebungen angeordnet worden, doch nur 435
       Afghanen seien in ihre Heimat zurückgekehrt – eine Rate von zwei Prozent.
       Es gehe darum, dies zu ändern, heißt es in dem Schreiben.
       
       Auf die katastrophale menschen- und frauenrechtliche Lage in Afghanistan
       geht der Brief nicht ein. Dobrindt und seine EU-Kollegen betonen
       stattdessen, dass „ordentliche, würdige und sichere“ Rückführungen wichtig
       für eine „glaubwürdige Migrationspolitik“ seien.
       
       Aus dem Europaparlament und von Menschenrechtsorganisationen kam harte
       Kritik. „Die EU muss den Schutz der Menschenrechte zur Priorität machen –
       und nicht Abschiebungen, die Menschen in Gefahr bringen“, sagte Fereshta
       Abbasi von Human Rights Watch.
       
       Das Treffen mit den Taliban folge der Agenda der Rechtsradikalen,
       kritisiert der sozialistische EU-Abgeordnete Juan Fernando López Aguilar.
       „Damit verspielt die EU ihre Glaubwürdigkeit“, fürchtet der Spanier. Das
       Europaparlament hatte die Taliban zuletzt im Mai scharf verurteilt – für
       ein neues, repressives Strafrecht.
       
       Auch die Grünen verurteilen das Vorgehen der EU-Kommission. „Jede
       Einladung, jedes Visum und jedes offizielle Treffen ist ein politisches
       Signal“, erklärte die grüne Europaabgeordnete Hanna Neumann. Die Taliban
       hätten gegen alle Grundsätze der EU verstoßen und dürften dafür nicht auch
       noch belohnt werden.
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR [3] /Zugestaendnisse-an-Taliban/!6189670
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Eric Bonse
       
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