# taz.de -- Ex-Fed Chef Greenspan gestorben: „Mr Dollar“ ist tot
> Zur Freude linker Ökonomen: Alan Greenspan stand unter vier Präsidenten
> an der Spitze der US-Notenbank Fed – und prägte die Geldpolitik weltweit.
IMG Bild: Alan Greenspan ist tot – Aufnahme von 2005
Alan Greenspan ist wohl der bekannteste [1][amerikanische Notenbanker],
zeitweilig war er auch der populärste. Das lag unter anderem an seinen
markigen Sprüchen. Zum Beispiel „Geld regiert die Welt“. Mit dieser
Leitidee machte Greenspan die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) zu einer
Ikone der Börsen und der Zentralbanken des Globalen Nordens.
Je nach Standpunkt ist das Lob oder Ohrfeige für „Mr Dollar“. Der
wortgewaltige „Green Speaker“, also der Sprecher des nach der Farbe der
Banknoten genannten „Greenback“, führte die Fed von 1987 an über 18 Jahre
lang und hinterließ mit seiner eigenwilligen Geldpolitik Spuren in der
Weltwirtschaft wie wenige Politiker. Zeitweilig galt Greenspan sogar als
mächtigster Mann der Welt: Durch den Zusammenbruch der realsozialistischen
Staaten schien die Macht des US-Dollars Anfang der 90er Jahre quasi
uneingeschränkt. China war noch ein hoffnungslos erscheinendes
Entwicklungsland.
Und Greenspan glaubte wie sein ebenbürtiger Nachfolger [2][Ben Bernanke],
der sich als Wissenschaftler ausführlich mit der Weltwirtschaftskrise
beschäftigt hatte, an die Macht des Geldes. Es galt damals als
entscheidende Lehre aus den 1930er Jahren, dass Notenbanken radikal
antizyklisch re(a)gieren müssten.
Während die Fed ab 1929 tatenlos zugesehen hatte, wie Börsenkurse,
Konjunktur und Beschäftigung in den Keller rauschten, schmiss Greenspan in
jeder Krise die Notenpresse an. Um die Zeitenwende, etwa um 1990 herum,
senkte er den Leitzins um rekordverdächtige sieben Prozentpunkte und pushte
mit dem billigen Geld die US-Wirtschaft – bis sie heiß lief.
## Clinton nominierte ihn zweimal
Eine Geldpolitik, die wirtschaftsliberale Ökonomen durchaus verärgerte. Im
Januar 2006, kurz bevor die Weltfinanzkrise ausbrach, war für Greenspan
Feierabend. Er hatte die Vereinigten Staaten durch zwei Rezessionen, einen
zehnjährigen Rekordaufschwung der Wirtschaft und eine beispiellose
Börsenrallye geführt.
Lange durchaus zur Freude keynesianischer, linker Ökonomen und des
demokratischen Präsidenten Bill Clinton, der Greenspan zweimal erneut
nominierte. Doch Greenspans Politik des billigen Geldes – nur zögerlich
erhöhte er in Boomphasen die Leitzinsen wieder – blieb nicht ohne
Kollateralschäden. In seiner Ära wuchsen die Finanzmärkte in bis dahin
ungekannte Dimensionen: Spekulationen mit preiswert geliehenen
Dollarmilliarden pumpten weltweit gefährliche Blasen in Banken und
Immobilienmärkten auf.
Die 2009 von US-Präsident Barack Obama eingesetzte
[3][Untersuchungskommission] klagt Greenspan als einen Verantwortlichen für
die globale Finanzkrise an. Allerdings war der Notenbanker dafür nicht
verantwortlich, dass die Steuerpolitik versagte und es versäumte, die
überbordenden Finanzgewinne wieder abzuschöpfen.
Mittlerweile funktioniert Geld in der Realwirtschaft nicht mehr wie zu
Greenspans Zeiten. Mit der Euro-Notenbank EZB und der People’s Bank of
China hat die Fed ernsthafte Konkurrenten erhalten. Heute fehlen den
amerikanischen und europäischen Unternehmen die unberührten Märkte in
Osteuropa und China, in die sich unter Greenspan der Kapitalismus
ausdehnte.
Zudem hat sich die Realwirtschaft von der Geldflut der Fed emanzipiert. Das
billige Geld gebiert nicht mehr eine Flut an Krediten, die in handfeste
Investitionen fließen. Die Geldflut vergrößert heute vor allem Aktienkurse
und powert Börsen und Finanzinvestoren wie Donald Trump. Dies könnte den
neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der als Gefolgsmann von Trump gilt, beflügeln.
Der „größte Notenbanker aller Zeiten“, wie ein amerikanischer Senator
Greenspan einst nannte, begann seine Karriere mit einem Musikstudium. Ab
1944 studierte der Sohn eines deutschstämmigen Börsenmaklers und Kantors an
einer Synagoge, dann in New York Volkswirtschaft. Ein Doktorabschluss soll
an fehlendem Geld gescheitert sein. Es folgte ein bewegtes Berufsleben:
Wertpapierhändler, Analyst von Industriekonzernen und Berater von Präsident
Richard Nixon im Weißen Haus. Es war der republikanische Präsident Ronald
Reagan, der Greenspan zum Fed-Chef machte. Greenspan ist am Montag im Alter
von 100 Jahren in Washington gestorben.
23 Jun 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Hermannus Pfeiffer
## TAGS
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