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       # taz.de -- Streik bei den Vivantes-Töchtern: Noch kein Ende der Zwei-Klassen-Belegschaft
       
       > Nach 60 Tagen Erzwingungsstreik einigen sich Vivantes und Verdi. Trotz
       > hoher Tarifsteigerungen ist das Ziel 100 Prozent TVöD noch nicht
       > erreicht.
       
   IMG Bild: Streikten schon, als es noch kalt war: Vivantes-Beschäftigte vor dem Roten Rathaus im Februar 2026
       
       Ein harter Kompromiss für beide Seiten: Anders kann man die Einigung, die
       die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit Vivantes in den
       Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Tochterunternehmen des
       landeseigenen Klinikkonzerns erzielt hat, nicht bezeichnen. [1][Nach über
       60 Tagen unbefristeten Streiks] einigen die beiden Tarifpartner sich auf
       ein Eckpunktepapier.
       
       Kernpunkte der Einigung sind eine schrittweise Angleichung der Entgelte an
       [2][den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)] bis 2031. Das
       Tarifwerk, nach dem auch die Belegschaft des Mutterkonzerns bezahlt wird,
       bedeutet ein deutliches Lohnplus für viele Berufsgruppen. Derzeit beträgt
       das Gehalt bei den Vivantes-Töchtern, bei denen unter anderem
       Reinigungskräfte, Techniker:innen, Köch:innen, Fahrer:innen und
       Sterilisationassistent:innen beschäftigt sind, nur 91 Prozent des
       TVöD-Niveaus.
       
       Für sich stehend wirkt der Tarifabschluss beachtlich, gerade im Vergleich
       mit anderen Lohnrunden in Zeiten von Sparzwang und Wirtschaftskrise. Mit
       dem Tarifabschluss erhöhen sich die Entgelte rückwirkend um 6,8 Prozent.
       Dazu kommt eine Verringerung der Arbeitszeit von 39 auf 38,5 Stunden pro
       Woche und eine Erhöhung der Schichtzulagen.
       
       Verdi kündigte an, zeitnah eine Urabstimmung über das Ergebnis einzuleiten.
       Diese gilt als erfolgreich, wenn sich mindestens 25 Prozent der
       Gewerkschaftsmitglieder für eine Annahme aussprechen.
       
       ## Keine Altersvorsorge
       
       Doch die Beschäftigten mussten auch auf die betriebliche Altersvorsorge
       verzichten, die ihren Kolleg:innen, die nach TVöD bezahlt werden, zusteht.
       Ein schweres Zugeständnis, gerade für die Beschäftigten in den niedrigeren
       Lohngruppen, die häufig von Altersarmut bedroht sind.
       
       Eigentlich hatte Berlins schwarz-rote Koalition bei Regierungsantritt
       versprochen, die Tochterunternehmen „schnellstmöglich“ wieder in die
       Mutterkonzerne zurückzuführen. Ein Schritt, der eine vollständige
       Gleichstellung bedeutet hätte, doch den der Senat bis zum Ende der
       Legislatur nicht umgesetzt hat.
       
       „Deshalb mussten wir mehr als 60 Tage streiken. Wir sind stolz auf das
       Erreichte. Aber unser Kampf für gleiche Arbeitsbedingungen und gegen die
       Zwei-Klassen-Belegschaft bei Vivantes ist noch nicht beendet“, sagt
       Sporttherapeut Nicodem Tomkowiak.
       
       Die Vivantes-Geschäftsführung gibt sich erleichtert über die Einigung, aber
       betont auch, dass sich an den Rahmenbedingungen, die die Verhandlungen
       erschwert haben, nichts verändert hat. „Mit dieser Einigung sind wir nicht
       nur an unsere finanzielle Schmerzgrenze, sondern deutlich darüber hinaus
       gegangen“, sagt Vivantes-Geschäftsführerin Dorothea Schmidt.
       
       ## Vivantes in den Miesen
       
       Schmidt betont, dass Vivantes bereits ein jährliches strukturelles Defizit
       von 120 Millionen Euro aufweist. Dazu kommen [3][die noch nicht
       beschlossenen Kürzungspläne der Bundesregierung], die eine weitere
       Belastung von 70 Millionen Euro jährlich bedeuten würden.
       
       „Der Senat darf Vivantes mit der Umsetzung des Tarifergebnisses nicht
       alleinlassen, denn dieser Tarifvertrag war ein politisches Versprechen von
       CDU und SPD. Wir fordern den Senat auf, Vivantes bei der Sanierung des
       Unternehmens weiter strategisch, finanziell und organisatorisch zu
       unterstützen“, sagt Tobias Schulze, gesundheitspolitischer Sprecher der
       Linksfraktion.
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Streik-bei-Vivantes-Tochterunternehmen/!6185821
   DIR [2] /Warnstreik-in-Berlin/!6139233
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       ## AUTOREN
       
   DIR Jonas Wahmkow
       
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