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       # taz.de -- Debatte um Organspenden: Schweigende Zustimmung oder aktives Ja
       
       > In Deutschland werden zu wenige Organe gespendet. Der Bundestag rang in
       > einer emotionalen Debatte erneut um die sogenannte Widerspruchsregelung.
       
   IMG Bild: Ausweis besorgen oder einfach widersprechen. Der Bundestag hat debattiert, wie die Zahl der Organspenden steigen kann
       
       Als ein sehr naher Mensch bei einem Fahrradunfall verstarb, sei sie mit 15
       Jahren zum ersten Mal mit dem Thema Organspende in Kontakt gekommen,
       erzählt Kirsten Kappert-Gonther (Die Grünen) vor dem Bundestag. Die Eltern
       der Verstorbenen seien unmittelbar mit der Entscheidung, die Organe zu
       spenden oder nicht, konfrontiert gewesen. Kappert-Gonther sagt bestimmt:
       „Seit dieser Zeit trage ich meinen Organspendeausweis mit mir!“
       
       Es sind besondere Reden, die die [1][Organspende-Debatte] am Donnerstag im
       Bundestag prägen. Eine Gewissensfrage wird verhandelt. Deswegen gibt es
       keine Fraktionsdisziplin, alle Abgeordnet:innen sprechen für sich
       selbst und nicht für ihre Partei. [2][Aktuell warten, laut Bundesinstitut
       für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), mehr als 8.200 Patient:innen auf
       eine Organspende.] Im letzten Jahr gab es in Deutschland aber nur 985
       Spender:innen, die nach dem Tod ihre Organe zur Verfügung gestellt haben.
       
       In diesem Spannungsfeld fordert eine fraktionsübergreifende Gruppe die
       sogenannte Widerspruchsregelung einzuführen. Bei dieser Regelung wird
       jede/r nach dem Tod automatisch Spender:in, es sei denn man hat dem zuvor
       ausdrücklich widersprochen. Im Januar 2020 wurde bereits eine ähnliche
       Gesetzesinitiative abgelehnt.
       
       Eine zweite Gruppe im Bundestag will am Status quo festhalten, wonach
       potenzielle Spender:innen zuvor ausdrücklich zustimmen müssen. Diese
       Abgeordneten wollen durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen eine
       höhere Spende-Quote erreichen.
       
       Kirsten Kappert-Gonther ist trotz ihrer emotionalen Erfahrung als
       Jugendliche gegen eine Widerspruchslösung. Es gebe keine belastbare
       Evidenz, dass sie zu mehr Spenden führt. Als Spanien die
       Widerspruchsregelung eingeführt hatte, habe das kaum einen Effekt gehabt.
       Erst als Jahrzehnte später die Kliniken besser ausgestattet wurden, sei
       Spanien zum Organspendeweltmeister geworden.
       
       ## Selbstbestimmt Entscheiden
       
       Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) widerspricht
       energisch: Kein einziges Land in Europa habe es geschafft ohne
       Widerspruchslösung hohe Spender:innen-Zahlen zu erreichen. In den meisten
       europäischen Ländern gilt bereits die Widerspruchsregelung. Manchmal
       bedürfe es zwar noch zusätzlicher Maßnahmen, aber die seien in Deutschland
       bereits umgesetzt, so Lauterbach weiter.
       
       Michael Brand von der CDU fragt sich, ob ein Rechtsstaat angesichts von
       8.000 Patient:innen tief in die Selbstbestimmung von über 80 Millionen
       Menschen eingreifen dürfe. Er schließt die Frage an, wie Demokraten einfach
       religiöse und ethische Bedenken vieler übergehen könnten, ohne alle anderen
       Maßnahmen ausgeschöpft zu haben.
       
       Auch bei der Widerspruchslösung sei jederzeit eine selbstbestimmte
       Entscheidung für oder gegen eine Organspende möglich, sagt
       Grünen-Abgeordnete, Ricarda Lang. Was nicht mehr möglich sei: „Keine
       Entscheidung zu treffen, ohne dass es Konsequenzen hat.“ Wenn zu Lebzeiten
       keine Entscheidung getroffen werde, wandere der Entscheidungszwang zu den
       Angehörigen.
       
       Michael Brand kritisiert, dass die Online-Datenbank für Organspender:innen,
       die 2024 eingeführt wurde, zu bürokratisch sei. Der Erfolg komme mit
       modernen Kampagnen, ausgerichtet auf die vielen spendenbereiten
       Bürger:innen. Laut einer [3][Umfrage] aus dem Jahr 2022 sind 84 Prozent der
       Deutschen dem Thema Organ- und Gewebespende gegenüber positiv eingestellt.
       Karl Lauterbach entgegnet: „Wir brauchen nicht eine erneute Kampagne!“ Die
       Mehrheit wolle spenden, es solle kein Geld für eine weitere Kampagne
       verschwendet werden.
       
       Zu einer Entscheidung kommt es an diesem Donnerstagabend nicht, aber
       Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) lobt die Debatte: „Alle
       Argumente, die hier gefallen sind, sind Argumente für das Leben.“ Er hält
       seinen Organspendeausweis hoch und appelliert an alle, die zusehen:
       „Beschäftigen Sie sich damit!“
       
       28 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Grundsatzdebatte-zu-Organspenden/!6190540
   DIR [2] /Zu-wenig-Organspenden/!6177188
   DIR [3] https://www.organspende-info.de/fileadmin/Organspende/05_Mediathek/04_Studien/BZgA_Repraesentativbefragung_Organ-und_Gewebespende_2022_bfrei.pdf
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Pascal Maier
       
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