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       # taz.de -- Expertenkommission zu Social Media: Altersgrenze bleibt weiter offen
       
       > Ein Social-Media-Verbot bis 13 Jahren – oder eine risikobasierte
       > Bewertung von Anbietern? Bildungsministerin Prien (CDU) ist für eine
       > Altersgrenze ab 13.
       
   IMG Bild: Noch gibt es keine Altersgrenze für Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche
       
       Die Expert:innenkommission für Kinder- und Jugendschutz in der
       digitalen Welt kann sich nicht zu einer klaren Empfehlung für eine
       Altersgrenze bei Social Media durchringen. Das geht aus den insgesamt 56
       Handlungsempfehlungen hervor, die das unabhängige Gremium am Mittwoch der
       Bundesregierung vorlegte.
       
       Die Empfehlungen der vielköpfigen, interdisziplinären Kommission waren mit
       Spannung erwartet worden. Nicht zuletzt, weil die Diskussion um eine
       stärkere Regulierung des Social-Media-Konsums von Jugendlichen seit Anfang
       des Jahres ordentlich Fahrt aufgenommen hat. Aus der SPD kam im Frühjahr
       ein Positionspapier, das eine Altersgrenze bis 14 forderte und eine
       eingeschränkte Nutzung bis 16 Jahre. Die Unionsfraktion einigte sich am
       Wochenende hingegen darauf, pauschale Altersgrenzen abzulehnen und
       stattdessen die sozialen Dienste „risikobasiert“ einzeln anzuschauen.
       
       Exakt diese beiden Positionen – Verbot einerseits und eine „Beschränkung
       nach Risikobewertung des jeweiligen Angebots“ andererseits – finden sich
       aber nun auch als zwei mögliche Alternativen in den Handlungsempfehlungen.
       Konkret wird ein Mindestalter von 13 für Social-Media-Accounts als
       „Alternative 1“ vorgeschlagen, mit abgestuften Schutzstandards für
       Jugendliche bis 18 Jahre.
       
       Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) legte sich am Mittwoch dabei
       bereits fest: „Für die eigenständige Nutzung sozialer Medien sehe ich
       grundsätzlich in dem Vorschlag einer gesetzlichen Altersgrenze von 13
       Jahren den richtigen Weg – in Verbindung mit einer wirksamen
       Altersüberprüfung und abgestuften Schutzvorkehrungen für Jugendliche bis 18
       Jahre“, sagte sie. Unter-13-Jährige sollten nur mit ausdrücklicher
       Erlaubnis einen Account haben dürfen, der zudem nur „nachweislich
       kindgerechte“ Angebote zulasse.
       
       ## Mehrheit befürwortet Verbot bis 16
       
       Die Bildungsministerin ist damit auf einer Linie mit der Mehrheit der
       Bundesbürger:innen: [1][Laut einer Forsa-Umfrage befürworten 57 Prozent ein
       Social-Media-Verbot sogar bis 16 Jahre.]
       
       Damit spielen die Expert:innen den Ball zurück an die in Sachen
       Altersbeschränkung uneinige Koalition. Prien hatte bereits bei der
       Vorstellung eines Zwischenberichts der Kommission im April gesagt, sie
       halte eine Altersbegrenzung für sinnvoll, aber es müsse insgesamt [2][einen
       breiten Ansatz geben, insbesondere bei der Aufklärungs- und
       Präventionsarbeit in Elternhaus, Schule, Kita und durch die Kinderärzte.]
       
       Diesen Ansatz betonen nun auch die Expert:innen. Die Handlungsempfehlungen
       seien „kein Katalog einzelner Maßnahmen, sondern ein zusammenhängendes
       Ganzes“, heißt es da. Die digitale Kindheit und Jugend wird in sechs
       Altersbereiche unterteilt, von 0 bis 18 Jahren, und jeweils Akteure
       benannt, die in jeder Lebensphase Verantwortung übernehmen sollen für die
       Schutzbedarfe von Kindern.
       
       In der Altersgruppe 0-2 Jahre empfehlen die Expert:innen überhaupt
       keinen Bildschirm für Kinder, stattdessen Aufklärungsarbeit bei den Eltern.
       Das sollen unter anderem verpflichtend die Kinderärzte bei den
       Vorsorgeuntersuchungen übernehmen. In der Grundschule (6–9 Jahre) soll der
       Schwerpunkt auf mehr digitaler Bildung liegen, ein „KI-Seepferdchen“ soll
       als verpflichtendes Zertifikat erworben werden. Dafür will der Bund den
       Schulministerien der Länder einen „Anschubservice“ spendieren.
       
       ## Die Konzerne in die Pflicht nehmen
       
       Im Jugendalter liegt der Fokus dann auf „selbstbestimmt und geschützt
       teilhaben“. Konkret heißt das: Man will die Dienste „per Default“ dazu
       verpflichten, Funktionen wie Endlos-Scrolling, personalisierte Werbung und
       Autoplay bei Accounts von Minderjährigen abzuschalten. „Dienstanbieter
       tragen die Verantwortung für die Gestaltung ihrer Produkte“, hält das
       Papier fest. An den Bund und die EU-Kommission geht damit verbunden die
       Aufforderung, „klare technische Mindestanforderungen“ für eine Methode zur
       Altersüberprüfung festzulegen, die zugleich Datenschutz und Privatsphäre
       nicht verletzt.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im April bereits die
       Eudi-Wallet-App vorgestellt, eine Art digitale Brieftasche, die genau das
       leisten soll. [3][Die Verbraucherzentrale meldete allerdings bereits
       Bedenken an] und warnte bei mögliches Datenlecks vor Identitätsdiebstahl.
       
       Gerade weil die Expert:innen sich bei der heiklen Frage nach der
       Altersgrenze nicht festgelegt haben, dürfte die politische Debatte nun erst
       recht weitergehen. [4][Der Deutsche Ethikrat hatte sich zuletzt klar gegen
       eine Altersgrenze ausgesprochen], man beschneide damit digitale Teilhabe.
       Auch ein Bündnis aus Jugendhilfeverbänden, Digitalbranche und der
       Bundesschüler*innenkonferenz hatte Anfang der Woche in einem
       Positionspapier gegen eine Altersgrenze argumentiert. Zielführender seien
       mehr digitale Bildungsarbeit in den Schulen und eine Verstärkung der
       Plattformaufsichten auf EU-Ebene.
       
       Letzteres greift auch die Expert*innenkommission auf, die die
       Einrichtung eine „Kinderonlinewache“ empfiehlt, an die sich Kinder
       unbürokratisch wenden können bei Vorfällen im Netz.
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.n-tv.de/panorama/Umfrage-Grossteil-der-Deutschen-befuerwortet-Social-Media-Verbot-id31005914.html
   DIR [2] /Expertenkommission-zu-Social-Media/!6172346
   DIR [3] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/datenschutz/eudiwallet-was-sie-zur-digitalen-brieftasche-wissen-muessen-95821
   DIR [4] /Gefahr-von-Onlineplattformen/!6186337
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Klöpper
       
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