# taz.de -- Diskriminierung im Freibad: Kein Deutsch, kein Eintritt? Der Leiter gerät ins Schwimmen
> Ins Heidebad in Halle sollen nur Menschen eingelassen werden, die Deutsch
> sprechen. Der Leiter sagt, die Regel gebe es nicht. Die Wahrheit liegt
> dazwischen.
IMG Bild: Aber was ist eigentlich mit Menschen, die gehörlos oder sehbehindert sind
Am Eingang des Heidebads in Halle deutet nichts darauf hin, dass die
Fähigkeit, sich auf Deutsch zu verständigen, zur Eintrittsvoraussetzung
werden könnte. Auch nachdem ich an der Kasse mit dem grammatikalisch
unvollständigen Satz „Einmal Student bitte“ erscheine, werden meine
Deutschkenntnisse nicht weiter getestet. „Ach, das glaub’ ich dir auch so“,
sagt die Frau am Einlass freundlich, während ich meinen Studierendenausweis
in die Luft halte. Ob dieses kurze Gespräch schon entscheidend dafür ist,
ob ich hereingelassen werde? „Kein Deutsch = kein Eintritt ins Heidebad in
Halle.“ [1][Diese Schlagzeile] geht seit Sonntagabend durch sämtliche
Medien. Als Grund nennt das Heidebad: Sicherheit.
An diesem Montagnachmittag ist das Heidebad nicht gerade überfüllt.
Trotzdem tummeln sich im Nichtschwimmerbereich einige Kinder mit ihren
Eltern im Wasser. Am Rande des Sees ist ein großes Schild angebracht. Auf
dem steht: „Sicherheit ist uns wichtig.“ Daneben ein Hinweistext über den
Nichtschwimmerbereich – nur in Teilen lesbar, weil ein Ast mit Blättern
darüber hängt. Am Ufer stehen aber weitere Schilder. Auf ihnen steht:
„Achtung. Nur für Schwimmer. Steile Uferhänge. 10 m Wassertiefe.
Baden/Schwimmen auf eigene Gefahr.“
„Generell hab ich keine neue Regel eingeführt. Ich setze lediglich die
aktuelle Haus- und Badeordnung besser durch, weil es regelmäßig zu
Verstößen kommt.“ Mathias Nobel ist der Geschäftsführer des Heidebads und
gibt an diesem Tag fleißig Interviews – auch der taz. Bereits am Eingang
soll überprüft werden, ob die Badeordnung durchgesetzt werden kann. „Wenn
es da scheitert, müssen wir diese Konsequenz ziehen und sagen: Ihr könnt
nicht eintreten“, sagt er.
Auf Instagram gibt es viel Gegenwind. Viele Menschen fordern unter einem
Post des Heidebads die Einführung mehrsprachiger Hinweise oder Piktogramme,
um für mehr Sicherheit am Badestrand zu sorgen – Methoden, die nicht
strukturell Menschengruppen ausschließen. Auch Michael Keil hält das für
eine bessere Lösung. Er besucht das Heidebad heute, weil hier der
Kindergeburtstag seiner Tochter stattfindet. Trotzdem versteht er die
Sicherheitsbedenken des Geschäftsführers. „Wenn es wirklich um die
Sicherheit geht, dann finde ich das auch gut. Aber da gibt es auch andere
Lösungen. Von daher hat das natürlich ein Geschmäckle“, sagt er.
Nicht alle Besucher*innen sehen die neue Regel kritisch. Eine ältere
Frau im grauen Oberteil und schwarzer Sonnenbrille, die anonym bleiben
möchte, hat von der Debatte bislang nichts mitbekommen. Wer hierherkomme,
sei ihr grundsätzlich egal, sagt sie. Wenn Kinder gefährdet seien, könne
sie die strengere Praxis aber nachvollziehen. „Dafür muss man Deutsch
sprechen können. Wenn das Kind am Ertrinken ist und Eltern nicht anständig
nach Hilfe rufen können. Für mich werden im Urlaub ja auch nicht extra
Schilder hingestellt“, sagt sie.
## „Wir beschäftigen sogar Ausländer“
Aber was ist eigentlich mit Menschen, die gehörlos oder sehbehindert sind –
kann es da nicht auch zu „Kommunikationsproblemen“ kommen? „Wir arbeiten
aktiv mit der Lebenshilfe oder mit der Kirche zusammen. Da gibt es kein
Kommunikationsproblem, weil wir allen irgendwie immer signalisieren können,
es wird sich an die Regeln gehalten“, sagt Mathias Nobel. „Es geht
ausschließlich um Menschen, die sich an keine Regeln halten.“
Doch warum betrifft die Regel dann nur Menschen, die nicht ausreichend
Deutsch sprechen? „Weil es zufällig gerade eine Gruppe ist, die mich nicht
versteht. Ein Deutscher, der hier ist, den ermahne ich dreimal. Auch da
gibt es Fälle, wo ich sage: Bitte verlasse das Bad jetzt, das funktioniert
so nicht. Aber das ist im ganz seltenen Fall, dass wir da auf eine
Gegenwehr stoßen“, antwortet er darauf. Rassismusvorwürfe weist er strikt
ab. „Ich bin sehr ausländerfreundlich. Man sieht es jeden Tag im Heidebad.
Wir haben einen großen Ausländeranteil vertreten, beschäftigen sogar
Ausländer.“
Eine richtige Sprachprüfung am Eingang gebe es nicht. Bei Familien mit
kleinen Kindern fragt der Geschäftsführer aber die Eltern nach dem Alter
der Kinder. „Wenn da keine Antwort kommt, frage ich erneut nach. Entweder
man kann sich irgendwie verständigen und man sieht, die haben Schwimmhilfen
mit und wir können irgendwie sprechen mit Händen und Füßen. Es gibt aber
auch das Gegenteil.“
Und wenn ich als erwachsene Person reingehe, ohne Kind – werde ich dann
gefragt, welche Sprache ich spreche? „Nein, alles Falschaussagen, alles
falsch. Ich habe gesagt: Leute, die unsere Hausordnung nicht akzeptieren
oder nicht verstehen wollen, die kann ich nicht mehr reinlassen. Wir hatten
heute erst den Fall, wo Ausländer da waren und ganz normal auch ohne
Deutschkenntnisse natürlich das Bad betreten können.“
Zwei junge Männer gehen aus dem Wasser, sie unterhalten sich auf Arabisch.
Sie setzen sich zu einer weiteren Person auf die Liegestühle, die hier im
Heidebad aufgestellt sind. Mohamad Zialom ist gerade zu Besuch in Halle bei
Freunden. Die drei kommen aus Syrien, wobei Mohamad schon lange in
Deutschland lebt und fließend Deutsch spricht. Seine Freunde sprechen kein
Deutsch. Von der Regel haben sie nichts mitbekommen. Seinen beiden Freunden
übersetzt er während unseres Gesprächs auf Arabisch. Sie sind schon zum
dritten Mal im Heidebad – ob sie Deutsch sprechen, wurden sie hier noch nie
gefragt. Dass Sprache nun zum Sicherheitsargument wird, hält Mohamad für
den falschen Ansatz. „Für die Sicherheit wäre es besser, wenn überall
Schilder in mehreren Sprachen stehen würden.“
24 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Johanna Pichler
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