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       # taz.de -- Strafverfahren gegen Thomas Partey: Nicht mit dir!
       
       > Immer wieder wird Profis sexualisierte Gewalt vorgeworfen. Kollegenkritik
       > gibt es selten. Umso bemerkenswerter ist nun ein verweigerter Handschlag.
       
   IMG Bild: Auffällige Ignoranz: Djed Spence gibt Thomas Partey nicht die Hand
       
       Viel ist nicht passiert beim arg müden 0:0 zwischen England und Ghana am
       Dienstag in Boston. Aber zwei Szenen gab es dann doch, über die auch am Tag
       danach noch gesprochen wurde. Da war zum einen die Frage, warum es in der
       79. Minute eigentlich keinen Elfmeter für Ghana gegeben hat, nachdem der
       englische Verteidiger Ezri Konsa den ghanaischen Angreifer Prince Adu im
       Stile eines Kung-Fu-Kämpfers angesprungen hatte.
       
       Die andere Szene spielte sich schon vor dem Anpfiff ab. Da verweigerte
       Englands Verteidiger Djed Spence dem Ghanaer Thomas Partey den
       obligatorischen Handschlag vor dem Spiel. [1][Gegen Partey läuft in England
       ein Strafverfahren], das wohl Anfang nächsten Jahres vor Gericht
       entschieden wird. Ihm werden wiederholte sexuelle Übergriffe vorgeworfen.
       Partey, der wegen dieses laufenden Verfahrens nicht zum Auftaktspiel Ghanas
       gegen Panama nach Kanada einreisen durfte, bestreitet die Vorwürfe.
       
       Auf Social Media wurde der verweigerte Handschlag schnell zur Szene des
       Spiels. Wenn sie wirklich eine Protestgeste zeigt, wäre das ja auch
       wirklich außergewöhnlich. Die nun wahrlich nicht seltenen
       Vergewaltigungsvorwürfe gegen Profis werden in der Machoszene des
       Männerfußballs meist gar nicht kommentiert. Wenn einer wie Spence also zum
       Ausdruck bringt, dass er etwas dagegen hat, mit jemandem auf dem Feld zu
       stehen, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, ist das bemerkenswert.
       
       Partey ist nicht einmal der einzige WM-Spieler, gegen den gerade wegen
       sexueller Übergriffe ermittelt wird. Der Marokkaner Achraf Hakimi, der mit
       Paris Saint-Germain gerade zum zweiten Mal in Serie die Champions League
       gewonnen hat, [2][muss in Frankreich wohl bald vor Gericht erscheinen].
       Französische Medien berichteten, er habe 2024 nach einem Chat über
       Instagram eine Frau mit einem Taxi in sein Haus nach Boulogne-Billancourt
       bei Paris bringen lassen. Noch am selben Tag soll die 24-Jährige bei einer
       Polizeistation ausgesagt haben, sie sei vergewaltigt worden. Hakimi
       bestreitet diese Vorwürfe.
       
       ## Volles Vertrauen
       
       Er gehört zu den unbestrittenen Anführern der marokkanischen
       Nationalmannschaft. Aus deren Kreis erfährt er nichts als Unterstützung.
       Als bekannt wurde, dass Hakimi wohl vor Gericht wird erscheinen müssen,
       meinte Nationaltrainer Mohamed Ouahbi nur, das Team stehe hinter ihm. Nicht
       anders ist es im Fall Partey. Auch dieser genießt das volle Vertrauen
       seines Teams. Die Reihen sind fest geschlossen.
       
       Das ist das übliche Spiel unter Fußballern, die ihre ganz eigene
       Bro-Culture pflegen. Als längst bekannt war, dass der deutsche Weltmeister
       Jérôme Boateng am Suizid seiner Ex-Partnerin durch aggressives Cybermobbing
       zumindest eine Mitschuld trägt, war es für [3][keinen Bayernprofi ein
       Problem, dass Boateng beim deutschen Rekordmeister mittrainiert] hat,
       obwohl er dort schon länger nicht mehr unter Vertrag stand. Den ehemaligen
       Kollegen war schlicht egal, dass das Landgericht München Boateng gegen
       vorsätzlicher Körperverletzung an seiner Frau verwarnt und zu einer
       Geldstrafe auf Bewährung verurteilt hat.
       
       Verwunderlich ist das nicht. Viele Profis wachsen mit dem Selbstverständnis
       auf, jederzeit Frauen zum persönlichen Vergnügen benutzen zu können. Franck
       Ribéry, der ach so drollige Lieblingsfranzose des FC Bayern, ging in einem
       Pariser Luxusbordell ein und aus, ließ sich eine der Frauen, die er dort
       kennengelernt hatte, des Öfteren nach München einfliegen. Dass sie noch
       minderjährig war, will er nicht gewusst haben.
       
       ## Superpartys für Superreiche
       
       Und als sich der französische Superstürmer Kylian Mbappé im Dezember 2024
       mit später nicht bestätigten Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert sah,
       wurde bekannt, wie ein [4][superreicher Fußballprofi seine freien Tage
       verbringt]. Man hatte für den heute 27-Jährigen einen Kurztrip nach
       Stockholm arrangiert, einen Nobelklub reserviert und Frauen organisiert,
       die ihr Handy am Eingang abzugeben hatten, bevor sie zur Party mit Mbappé
       eingelassen wurden.
       
       Dieser brauchte Kritik aus den eigenen Reihen nicht zu fürchten. Es wird
       genügend Kicker geben, die Ähnliches auch schon getan haben. In Stockholm
       war Mbappé auch nicht allein. Sein Kumpel Nordi Mukiele hat ihn begleitet.
       Der spielte damals bei Bayer Leverkusen, wo sich an der Reise auch niemand
       gestört hat.
       
       Nicht selten sind es die Fans, die dafür sorgen, dass diese finstere
       Spielart der Fußballkultur öffentlich kritisiert wird. Nur weil die
       Kurvenfans des FC Bayern so lautstark protestiert haben, sagte der
       Rekordmeister [5][seinem ehemaligen Spieler eine vereinbarte
       Trainerhospitanz wieder ab.]
       
       Ultragruppierungen des FSV Mainz 05 prangerten 2024 die Verpflichtung des
       Japaners Kaishu Sano an. Der war im Sommer jenes Jahres in Tokio
       festgenommen worden, nachdem eine Frau eine Vergewaltigung durch drei junge
       Männer angezeigt hatte. Verurteilt wurde er nicht. Nach einer Geldzahlung
       und einer öffentlichen Entschuldigung wurde das Verfahren gegen ihn
       eingestellt. Jetzt gehört er dem WM-Kader Japans an.
       
       Und dann ist da noch einer, der munter bei der WM rumspringt: Cristiano
       Ronaldo. Dem wurde vorgeworfen, 2009 in Las Vegas eine Frau vergewaltigt zu
       haben. Bei all dem Gerede darüber, ob nun Ronaldo oder Messi der beste
       Fußballer aller Zeiten ist, bleibt kaum Platz für die Berichterstattung
       über die Vorwürfe, die der Portugiese stets abgestritten hat. Am Ruf
       Ronaldos kratzten die Vorwürfe, [6][die sich letztlich nicht rechtssicher
       haben beweisen lassen], sowieso nie. Er ist der reichste Kicker unter der
       Sonne.
       
       „Ich bin wieder da!“, rief Ronaldo nach seinen zwei Toren im Spiel gegen
       Usbekistan. Oh je!
       
       24 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Vorwurf-der-Vergewaltigung/!6187795
   DIR [2] https://www.bbc.com/pidgin/articles/cy4ek20dwpxo
   DIR [3] /Ex-Fussballer-Jerome-Boateng/!6112671
   DIR [4] /Skandal-um-Fussball-Star-Mbappe/!6046752
   DIR [5] /Doku-ueber-Boateng/!6131711
   DIR [6] /Vorwurf-der-Vergewaltigung/!5612958
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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