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       # taz.de -- Hitze treibt Kosten auf Rekordwert: Strompreis nach Sonnenstand
       
       > Vor allem abends, wenn die Photovoltaik wegfällt, ist Strom derzeit knapp
       > und teuer. Wer kann, sollte Energie dann nutzen, wenn sie billig ist.
       
   IMG Bild: Spenden kühle Luft, aber fressen Strom: Ventilatoren und Klimaanlagen sorgen aktuell für einen hohen Stromverbrauch
       
       Der enorme Strombedarf der Klimatisierung treibt die Strompreise im
       deutschen Großhandel derzeit auf Rekordhöhen. Bis auf fast 75 Cent pro
       Kilowattstunde stiegen die Notierungen an der Strombörse am Mittwoch auf
       Basis von Erzeugungs- und Verbrauchsprognosen für den Zeitraum 20.45 bis 21
       Uhr. Das war ein neuer Jahreshöchstwert, nachdem der Spitzenwert im
       gesamten Vorjahr bei rund 58 Cent gelegen hatte.
       
       Kunden mit dynamischen Strompreisen bekommen diese Entwicklung unmittelbar
       zu spüren. Das neuartige Preismodell orientiert sich eins zu eins an den
       Werten des Spotmarkts, die sich viertelstündlich ändern. Da zum
       Großhandelspreis auch Netzentgelte, Steuern und Abgaben hinzukommen,
       bezahlten Kunden mit dynamischem Tarif am Mittwoch zeitweise mehr als einen
       Euro pro Kilowattstunde.
       
       Interessant können solche Preisstrukturen für Verbraucher dennoch sein,
       wenn sie nämlich in der Lage sind, einen nennenswerten Anteil ihrer
       Stromnachfrage zeitlich zu verlagern – speziell betrifft das Fahrer von
       Elektroautos. [1][In der Mittagszeit bei üppig anfallendem Solarstrom lag
       der Börsenpreis am Mittwoch zum Beispiel bei nur knapp sieben Cent.] Ende
       April hatten E-Autofahrer in den sozialen Medien gefeiert, dass sie
       zeitweise sogar Geld fürs Laden bekamen.
       
       Der Preis an der Strombörse wird heute erheblich durch die Höhe der
       sogenannten Residuallast bestimmt. Das ist jene Strommenge, die nicht durch
       die volatilen Energieträger Sonne und Wind abgedeckt wird – also der
       Restbedarf, [2][der aus planbaren, bislang noch mehrheitlich fossilen
       Quellen gedeckt werden muss.] Diese Residuallast lag in den Abendstunden
       der letzten Tage zeitweise bei 53 Gigawatt.
       
       Stromanbieter mit dynamischen Tarifen nutzten die jüngsten
       Preisschwankungen, um auf die Systemdienlichkeit ihres Preismodells
       hinzuweisen: Die aktuellen Preisspitzen seien „ein Symptom für die fehlende
       Flexibilität in unserem Stromnetz“, sagt Jannik Schall, Mitgründer des
       Stromanbieters 1KOMMA5°: „Nur wenn wir E-Autos und Heimspeicher künftig
       flächendeckend und netzdienlich einsetzen, glättet das die Preise und
       entlastet unsere Infrastruktur dauerhaft.“ 
       
       Während dynamische Preise für die heimische Wallbox tatsächlich immer mehr
       Freunde finden, liegt der öffentliche Ladesektor in diesem Punkt noch weit
       zurück. Nur wenige Betreiber von Ladesäulen berücksichtigen bei den
       Endkundenpreisen bereits die jeweils aktuelle Situation im Stromnetz, zum
       Beispiel Enercity aus Hannover. Ein Pionier ist auch der Münchener Anbieter
       Vispiron, der bereits 2024 an seinen Ladeparks warb: „Preis nach
       Sonnenstand“.
       
       24 Jun 2026
       
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